Bewährungsprobe mit “sehr gut” bestanden – und mit einem Wermutstropfen

14.06.2010

Nach dem Sieg der deutschen Nationalelf: Unsere Korrespondentin berichtet vom fehlenden WM-Fieber in Australien. Und ein Kommentar zur Frage, warum der sprachliche Fehltritt der ZDF-Moderatorin nicht als "Ausrutscher" durchgeht.

Nationalspieler Miroslav Klose im Trainingslager. Sein Tor sorgte für Jubel bei den Fans - und für einen sprachlichen Fehltritt bei ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. (© Oliver Lang / ddp)

Australien ohne WM-Fieber

Deutschland hat Australien vernichtend geschlagen. So zumindest titeln einige australische Blätter. Doch ist das eigentlich schlimm für die Australier? Wie groß ist die WM-Begeisterung dort? Und sind die Australier faire Verlierer? Diesen Fragen ist unsere Korrespondentin in Melbourne nachgegangen: Anne Fromm musste sich extra einen Wecker stellen, um das Spiel zu sehen. Ihre Eindrücke schildert sie uns im Interview:

 

Skandal am Rande

So manch einer traute gestern beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft seinen Ohren kaum. Da hat der Miroslav Klose ein Tor geschossen, und was sagt ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein?

Das ging zu weit – Ein Kommentar zum „inneren Reichsparteitag“

Der „innere Reichsparteitag“ sorgte für Diskussionen am Tag nach dem Spiel. Hören Sie dazu einen Kommentar von Marcus Engert:

 

Ich weiß ja nicht, ob ich vielleicht zu altmodisch bin. Oder zu pessimistisch. Oder ob ich einfach überreagiere. Aber ich finde: so etwas darf nicht passieren. Auch eine (spät) nachgeschobene Entschuldigung und das Löschen der Szene aus dem Netz ändert meine Meinung da nicht.

detektor.fm - Redakteur
Marcus Engert
 

Viele sagen heute, sie fanden das jetzt gar nicht so schlimm. Natürlich, all jene mit Abitur, Studium, Tageszeitung – die hatten  wohl Gelegenheit in ihrem Leben, ihre Position zu rechtem Gedankengut zu finden. Für die mag es also einfach sein, darüber mit einem Lächeln hinwegzugehen. Doch die sind auch nicht das Problem. Das Problem haben all jene, die gerade dabei sind, den rechten Rattenfängern in die Arme zu laufen – Und all jene, die das verhindern wollen. Der Lehrer, der seiner siebten Klasse in der Hauptschule erklären will, dass das Dritte Reich furchtbar war. Der ehrenamtliche Sozialarbeiter in einem Fanprojekt gegen Rassismus. Die Bürgerinitiative, die sich gegen von NPD-Geld ausgerichete örtliche Sportveranstaltungen auflehnt. Wie sollen all diese Menschen glaubwürdig arbeiten, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Spiel der Deutschen Nationalmannschaft mit NS-Propagandasprache in Verbindung gebracht werden darf?

Diese Äußerung ist nicht korrekt – und das muss gesagt werden

Ich bekam heute als Antwort, die Empörung darüber sei doch nur demonstrierte „political correctness“. Ja, wo kommen wir eigentlich hin, wenn so etwas als Argument gilt? Natürlich geht es hier um politische Korrektheit. Und auch um moralische. Um menschliche und um ethische. Und diese Äußerung ist eben nicht korrekt. Das muss man sagen, laut und deutlich.

Ich gönne wirklich jedem seine Party-Laune, und ich möchte auch kein Spielverderber sein. Aber das ging zu weit. Es klang leider sehr normal. Und eben nicht wie ein Ausrutscher. Das ist für mich ein Problem, und das sage ich offen: wem das Aussprechen von derlei Gedankengut so alltäglich geworden ist, dass es ohne inneren Abwehrreflex über die Lippen kommt, wer sich so unbedarft bei der NSDAP-Sprache bedient, der gehört nicht an so prominenter Stelle in die Medien. Mich ärgert die Leichtigkeit, mit der über das Thema weggegangen wird. Und die Vertreter der Netz-Elite, die sich sehr beeilten, in facebook und twitter und in allen möglichen Blogs kundzutun, das sei doch alles gar nicht so schlimm. Natürlich, das ist ihr Recht und ihre freie Meinungsäußerung. Aber hätten wir jährlich diesen doch „eigentlich gar nicht so schlimmen“ Reichsparteitag, sähe das anders aus – dann gäbe es das nämlich nicht.