Blick über die Grenze: Osterbräuche in Dänemark

06.04.2012

Eier, Hasen, Geschenke suchen, Osterfeuer anzünden - arm an Osterbräuchen sind wir eigentlich nicht. Doch wie so oft lohnt auch mal ein Blick zu den Nachbarn. Darum heute: was treiben die Dänen eigentlich an Ostern?

Ostern bei uns in Deutschland: naja, is ja irgendwie auch klar. Geschenke verstecken. Eier ausblasen und anmalen. Osterspaziergang. Osterfeuer. Oder Osterreiten in Bautzen, wo unser Musikredakteur herkommt. Das wärs dann so mit unseren Ostertraditionen. Und wie so oft ist der Blick über die Grenzen zu den Nachbarn da eigentlich mal ganz interessant. Wir haben uns gefragt: was machen andere eigentlich an Ostern? Und haben uns dazu mal ein Land rausgesucht, das oft ein bisschen aus dem Blick gerät: Dänemark. Schießlich hat Dänemark nur eine einzige Landgrenze – die zu Deutschland nämlich. Was die Dänen also so für Oster-Traditionen haben – Julia Heyde de López stellt sie uns vor.


Herzhaftes „Smørrebrød“ mit Hering und Lachs und dazu ein Osterbier, extra für die Festtage gebraut. Unsere Nachbarn im Norden, die Dänen, feiern bekanntlich gerne und ausgiebig, und das tun sie auch an Ostern. Vieles dabei ähnelt den deutschen Bräuchen, sagt Bruno Bedholm, Direktor der dänischen Tourismuszentrale in Hamburg. Aber, betont er, Dänemark hat sich auch ein paar ganz eigene Traditionen bewahrt. Eine davon ist das Basteln und Versenden eines sogenannten „Gaekkebrev“, also eines Narrenbriefes.

Man nimmt ein Stück Papier, eine Schere und dann schneidet man so ein Muster, und dann schreibt man in der Mitte, da muss immer Platz sein für einen kleinen Vers, einen Reim, etwas, was mit Ostern zu tun hat, und dann unterschreibt man das mit Punkten, ein Punkt für jede Buchstabe in seinem Namen, und dann muss der Empfänger erraten, von wem kommt dieser Brief.

Wer es nicht schafft, zu enträtseln, wer der Absender des Briefes ist, ist ein „Gaek“, also ein Narr. Er muss dann dem Absender ein Schokoladenei schenken. Die Tradition stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert, sagt Bruno Bedholm. Ursprünglich schickten junge Leute einen Gaekkebrev an jemanden, in den sie heimlich verliebt waren. Die Belohnung war dann kein Schokoladenei, sondern vielleicht der ersehnte Kuss… Heutzutage sind die Narrenbriefe vor allem ein Spaß für Kinder.

Dann machen die Kinder so einen Brief, und das geben die dann an den Eltern, und sind sehr gespannt, weil… Kann mein Vater jetzt erraten, dass ich das bin? Und das kann der Vater natürlich nicht, und dann kriege ich natürlich ein Osterei.

Am besten ist es natürlich, eigene Verse zu dichten, aber die weniger Kreativen dürfen die traditionellen Reime auch aus Büchern abschreiben. Bruno Bedholm, der als Kind selbst solche Narrenbriefe verschickt hat, liest einen Vers auf Dänisch vor:

Also, wenn ich das übersetzen sollte, dann heißt es: Von einem sehr netten alten Freund kommt dieser Gaekkebrev zu dir, und dieser Brief bittet dir um ein Ei, wenn du nicht eine Antwort hast und erzählen kannst, wer bin ich.

Ostern mal auf Dänisch feiern: Wer erst einen lieben Menschen mit einem Brief überrascht, darf sich dann auch mit Lachs und vielleicht einem Osterbierchen belohnen.