Der Berlinale-Podcast | Eldorado, Museo, Touch Me Not, Land, Yocho (Foreboding)

"War das ein Film oder hab ich das geträumt?"

23.02.2018

Wir machen einen täglichen Podcast zur Berlinale. Am vorletzten Presse-Tag sprechen wir über Körperfilme und Elendskino. Und wie die Grenze zwischen Film und Realität verschwimmt.

Wir begleiten die Berlinale mit einem täglichen Podcast. Welche Filme begeistern das Publikum? Welche politischen Debatten werden aufgeworfen? Wer gewinnt den Goldenen Bären? detektor.fm-Reporter Christian Eichler und seine Kollegen setzen sich jeden Abend im Pressezentrum zusammen und sprechen über das, was sie am Tag erlebt haben.

Elendskino trifft Körperfilm

Mit Ausgrenzung und Marginalisierung beschäftigt sich Babak Jalalis „Land“. Er begleitet Native Americans, die in einem Reservat leben bei ihrem Alltag. So wird ein Mann jeden Tag von seiner Mutter zur Spirituosenhandlung gefahren und abends wieder abgeholt. Eine tieftragische Lebensrealität, die der Film leider in unfassbar langen Einstellungen abbildet.

Unfassbar war für viele Kritiker auch „Touch Me Not“, ein sogenannter Körperfilm von Adina Pintilie. Sie zeigt Menschen und ihre nackten Körper, schaut ihnen beim Masturbieren und anderen Körpererfahrungen zu. Für den Zuschauer ist das bisweilen verstörend, hauptsächlich aber furchtbar belanglos.

Kulturelle Aneignung

Vielversprechender fängt Alonso Ruizpalacios Wettbewerbs-Beitrag „Museo“ an. In kreativen Bildeinstellungen und Kamerafahrten erzählt er die Geschichte eines unfassbaren Coups: Zwei Langzeitstudenten rauben Kunstschätze von immensem Wert aus den Nationalmuseum in Mexiko-Stadt. Dabei werden Fragen zur kulturellen Aneignung aufgeworfen, die der Film in seiner öden zweiten Hälfte leider nicht zu beantworten weiß.

Markus Imhoofs Dokumentarfilm „Eldorado“ zeigt die einzelnen Stationen auf, die Geflüchtete auf dem Weg nach Europa durchlaufen – und will seine Zuschauer wachrütteln. Das gelingt ihm gut, leider emotionalisiert der Film das Geschehen immer wieder unnötig. Hier wäre weniger mehr gewesen.

„Yocho (Foreboding) von Kiyoshi Kurosaw hätte eigentlich gar kein Film werden sollen. Die Geschichte um ein Alien, das aus nächster Nähe die Menschheit verstehen will, war als fünfteilige Serie angelegt. Auf 140 Minuten heruntergedampft ist eine amüsant-clevere Gesellschaftsstudie entstanden, die trotzdem noch ein bisschen kürzer hätte sein dürfen.

Aus Berlin berichten detektor.fm-Reporter Christian Eichler und Malte Springer vom Leipziger Programmkino Schaubühne Lindenfels.


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