Der Berlinale-Podcast | La prière, Figlia mia, The Real Estate

"Das ist der Festival-Fluch"

19.02.2018

Wir machen einen täglichen Podcast zur Berlinale. In dieser Ausgabe besprechen wir drei weitere Wettbewerbsfilme und einen Beitrag aus der Panorama-Sektion. Außerdem hält das typische Festival-Chaos Einzug.

Wir begleiten die Berlinale mit einem täglichen Podcast. Welche Filme begeistern das Publikum? Welche politischen Debatten werden aufgeworfen? Wer gewinnt einen Goldenen Bären? detektor.fm-Reporter Christian Eichler und seine Kollegen setzen sich jeden Abend im Pressezentrum zusammen und sprechen über das, was sie am Tag erlebt haben.

La Prière: Das erste Highlight des Festivals

Mit “La Prière” (The Prayer) liefert der Franzose Cédric Kahn das erste Glanzlicht der Berlinale. Vor allem der junge Anthony Bajon überzeugt mit seinem ausdrucksstarken Spiel als Protagonist Thomas – ein junger Drogenabhängiger – auf ganzer Linie. In einer Art Entzugsklinik in den Bergen Frankreichs dient strenger Katholizismus als Gegenmittel zur Abhängigkeit. Hier beginnt Thomas seinen Weg zur Besserung. Trotz kleiner narrativer Flauten besticht „La Prière“ mit klarer Bildsprache und einer reifen Geschichte.

Europäische Experimente

Irgendwo zwischen experimentierfreudig und wirr bewegen sich die anderen Werke am ersten Sonntag des Festivals. Der schwedische Wettbewerbsbeitrag “Toppen av ingenting” (The Real Estate) von Axel Petersén und Måns Månsson beginnt ausgerechnet mit einer Geschichte über die Legalität von Mietverträgen – und endet in einem surreal-gewalttätigen Fiebertraum.

Timur Bekmambetovs “Profile” aus der Panorama-Sektion der Berlinale ist der neueste Eintrag ins absurd anmutende Sub-Genre von Filmen, die ausschließlich auf einem Computer-Desktop spielen. Eine Collage aus Videochats und Instant-Messaging – als Soundtrack dient natürlich iTunes – wird so zu einem Thriller um eine Investigativjournalistin, die mit einem gefälschten Facebook-Profil einen ISIS-Terroristen um den Finger wickeln und überführen möchte. Von Realismus keine Spur – als pures Unterhaltungswerk geht das Experiment jedoch auf.

In “Figlia mia” (Daughter of Mine) von Laura Bispuri ist die zehnjährige Vittoria hin und her gerissen zwischen ihrer fürsorglichen Mutter Tina und der temperamentvollen Angelica. Das ruhige Drama in einem abgeschieden sardischen Dorf ist durchaus einfühlsam. Die langatmig-nüchternen Machart stellt aber die Geduld des Zuschauers auf die Probe.

Aus Berlin berichteten detektor.fm-Moderator Christian Eichler und Malte Springer von der Schaubühne Lindenfels.


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