Der “böse Bruder” vom Placebo: der Nocebo-Effekt

17.08.2012

Sensible Patientenaufklärung ist wichtig. Denn versteht der Patient nicht, was mit ihm passiert, kann er in Panik geraten. Dann verschlimmern sich harmlose Krankheitssymptome plötzlich offenbar ohne weiteren Grund - das ist der Nocebo-Effekt. Doch was steckt dahinter und wie geht man dagegen vor?

Unverständlicher Fachjargon bei der Patientenaufklärung. Foto: © Philipp Gülland/dapd

ist Oberarzt der Kopfschmerz-Ambulanz am UKE in Hamburg.Arne Mayist Oberarzt der Kopfschmerz-Ambulanz am UKE in Hamburg. 

“Das wird Sie schon nicht umbringen” – ein salopp gesagter Satz, der für den Arzt manchmal nichts weiter bedeutet. Für den Patienten vielleicht schon. Denn manche Patienten haben das Gefühl, dass sich ihr Zustand durch die Behandlung nur verschlechtert. Und dann verschlimmern sich tatsächlich die Symptome. Der Nocebo-Effekt ist deshalb als “böser Bruder” des Placebo-Effekts bekannt und bedeutet wortwörtlich “Ich werde schaden”.

Aber nicht nur unsensible Äußerungen, sondern auch komplizierte Fachwörter oder das Aufzählen von Nebenwirkungen können diesen Effekt auslösen.

Wie gut der Nocebo-Effekt erforscht ist und wie man dagegen vorgeht, darüber haben wir mit Arne May gesprochen.

Er ist stellvertretender Direktor des Instituts für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg.