Der Buchtipp | „Alpha“ & „Beta“ von Jens Harder

14 Milliarden Jahre zwischen zwei Buchdeckeln

13.12.2016

In drei Comic-Büchern die gesamte Geschichte des Universums erleben. Klingt wahnwitzig. Aber genau das ist es, was Jens Harder mit seinem Monumental-Comic versucht.

Jens Harder - Alpha

Alpha

Jens Harder

(Carlsen, bereits erschienen)

Weltgeschichte mit Jens Harder

Im Grunde genommen bewegen nur zwei Fragen die Menschen: Wie hat alles angefangen und wie wird alles enden? – Stephen Hawking

Keine kleinere Aufgabe, als die Antworten auf diese beiden Fragen zu illustrieren, hat sich Jens Harder vorgenommen. In seiner Mammut-Trilogie „Alpha“, „Beta“ und „Gamma“ wagt er den Versuch, die Entstehung des Universums, der Erde und der Menschheit zwischen Buchdeckel zu zwängen. Die ersten beiden Bände sind bereits erschienen und man muss sagen: Es ist ihm gelungen!

„Alpha“ – vom Urknall zum ersten Menschen

Wir beginnen die wilde Reise in Harders erstem Band „Alpha“. Beginnend mit dem Urknall veranschaulicht uns Jens Harder, wie sich Stück für Stück Atome zusammenfinden, sich größere Materieklumpen bilden, die Sonne ihre Kernfusion zündet und am Ende ein Steinklumpen Wohnort für das erste uns bekannte Leben wird – unsere Erde.

„Okay, so weit, so gut. Hat man jetzt schon hundertmal im Schulunterricht oder in diversen Dokus gesehen“, wird jetzt mancher sagen. „Was ist jetzt so toll an noch ein paar Bildern, die die Entstehung unserer Welt zeigen?“ Ein kurzer Blick in „Alpha“ verrät, was so toll daran ist: Harder zeigt nicht einfach chronologisch die Entehungsprozesse, sondern baut mit seinen Zeichnungen ganze Collagen. Und die ziehen nicht nur wissenschaftliche Erklärungsmodelle zu Rate, sondern auch popkulturelle und religöse Referenzen.

So sieht man bei der Entstehung des ersten zellulären Lebens nicht nur sich teilende DNS-Stränge und Bakterienkolonien, sondern auch Zeichnungen von Fruchtbarkeitsgöttinnen verschiedenster Kulturen. Und das Ganze in einem Rahmen, der sich auf John Conways „Game of Life“ bezieht. Wer sich nichts darunter vorstellen kann, für den stellt die Zeit hier eine Galerie bereit.

„Beta“ – vom Äffchen zum Twitterer

„Alpha“ endet mit einem Menschenaffen, der einen Stock wirft. In Harders typischem Collagenstil wird daraus Stück für Stück ein Speer, eine Armbrust, ein Gewehr. So liefert das Ende von „Alpha“ einen Vorgeschmack auf den zweiten Band „Beta“. In ihm nimmt sich Jens Harder die Menschheitsgeschichte vor. Vom ersten Menschen über die Enstehung der ersten Zivilisationen hin bis heute. Und wenn man sich die Illustrationen ansieht, dürfte einem das eine oder andere Bild bekannt vorkommen. Ein Aha-Moment stellt sich ein.

Das liegt an Harders geschicktem Spiel mit dem kollektivem kulturellen Wissen des Lesers. Seine zeichnerischen Referenzen auf den tschechischen Grafiker Zdeněk Burian sind nur ein Beispiel. Vom Namen her eher unbekannt, dürften dessen prähistorischen Landschaftsbilder jedem ein Begriff sein.

„Gamma“ – mal sehen, was kommt

Die ganze Menscheitsgeschichte in ein Buch zu packen, war für Harder dann aber doch zu viel. Der zweite Teil von „Beta“ befindet sich aktuell in Arbeit und soll vorraussichtlich erst 2020 erscheinen.

Und der letzte Band „Gamma“? Über ihn ist noch nicht viel bekannt. Lediglich, dass die Recherchen bereits laufen und Jens Harder im letzen Band der Trilogie einen Blick in die Zukunft werfen will. Man darf also gespannt sein.

In seinem Buchtipp stellt detektor.fm-Redakteur Pascal Anselmi die Comic-Bände „Alpha“ und „Beta“ von Jens Harder vor.

Redaktion: Pascal Anselmi