Der Buchtipp | „Das Imperium des Atoms“ von Smolderen & Clerisse

Geheimagenten in Taucheranzügen

15.12.2016

Geheimagenten, Autos mit Jet-Antrieb und Atom-Staubsauger. Thierry Smolderen und Alexandre Clérisse erschaffen in ihrer Graphic Novel "Das Imperium des Atoms" eine Hommage an die 1950er Jahre - mit vermeintlich wahrem Hintergrund!

Thierry Smolderen - Das Imperium des Atoms

Das Imperium des Atoms

Thierry Smolderen

(Carlsen, bereits erschienen)

Benebelt wachen sie in einem fremden Auto auf. Die Drei wissen nicht, wie sie in das Fahrzeug gekommen sind. Vielleicht zu viel Punsch? Erst einmal nach Hause fahren… Doch was ist das? Bloß kein Licht entzünden! Das Haus ist umstellt. Oder besser: umflogen! Denn Agenten in Taucheranzügen schweben über dem trauten Heim und observieren offensichtlich die Drei aus dem Auto! Was nun?

Per Gedankenkraft in die Zukunft

Soweit die Exposition der Graphic Novel „Das Imperium des Atoms“ von Thierry Smolderen und Alexandre Clérisse. Was direkt aus einem James Bond Film der 60er Jahre stammen könnte, bildet lediglich den Auftakt einer wahnwitzigen Sci-Fi-Story im Stile des Retrofuturismus.

Im Zentrum der Geschichte steht Paul. Er ist eigentlich ein ganz „normaler“ Typ. Familienvater, Science-Fiction-Autor und arbeitet für die US-Regierung. Nur ein kleines Detail ist seltsam an Paul. Mittels Telephatie steht er in Kontakt mit Zarth Ann. Und der lebt 121.000 Jahre in der Zukunft, ist galaktischer Historiker und will mit der Hilfe von Paul die Zukunft retten. So weit, so weird.

Doch es kommt noch besser. Geheime Inseln, Gehirnwäsche-Drogen und eben Agenten in Taucheranzügen sind nur einige Hürden, die Paul und Zarth in den Weg gestellt werden. Denn anscheinend hat irgendeine geheime Macht etwas dagegen, dass Zarth mit Pauls Hilfe die Welt rettet…

Voller Optimismus in eine strahlende Zukunft

Aber nicht nur Geschichte könnte direkt aus einem Sci-Fi-/Agenten-Film der 1950er und 1960er Jahre stammen. Nein, auch der Zeichenstil ist stark an die fantastische Ästhetik der 50er Jahre angelehnt, in der sich die Menschen damals die strahlende Zukunft des Atomzeitalters vorstellten. Heute als Retrofuturismus bekannt, zeichnen Smolderen und Clerisse eine Welt, die voller Optimismus in das technisierte Morgen blickt. Windschnittige Autos mit Jet-Antrieb und nukleare Staubsauger. Schöne neue Welt!

Wer einmal einen Blick ins Buch werfen will, dem stellt der Carlsen-Verlag hier eine Leseprobe bereit.

Fiktion oder Wirklichkeit

Einen äußerst interessanten Aspekt birgt die Graphic Novel aber noch. Denn die Geschichte beruht zum Teil auf wahren Geschehnissen! Die reale Vorlage für den Paul aus dem Buch war Paul Linebarger, seines Zeichens CIA-Mitarbeiter und Berater Kennedys. Er schrieb ein Standardwerk zur psychologischen Kriegsführung und wie der Buch-Paul auch Science-Fiction-Romane.

Es wird aber noch besser. Denn 1954 beschrieb Psychologe Robert M. Lindner den Fall „Kirk Allen“ in seinem Aufsatz „The Jet-Propelled-Couch“. Demzufolge hatte sich Allen vor lauter Wahnvorstellungen in ein fiktives, interstellares Universum gerettet. Und an dieser Stelle beginnt die wilde Gerüchteküche! Die Biografien Paul Linebargers, dem CIA-Mitarbeiter und Sci-Fi-Autor, und dem unter Wahnvorstellungen leidenden „Kirk Allen“ weißen einige Ähnlichkeiten auf. Waren sie etwa ein und dieselbe Person? Dieser Fakt ist zwar bis heute umstritten, diente aber als wunderbar, skurille Vorlage für „Das Imperium des Atoms“.

„Das Imperium des Atoms“ von Thierry Smolderen und Alexandre Clérisse. Der Buchtipp von detektor.fm-Redakteur Pascal Anselmi.

 

Redaktion: Pascal Anselmi