Design | Designers‘ Open Spezial

Nachhaltige Architektur: Langlebig, regional und energieeffizient

23.10.2013

Vom 25. bis 27. Oktober finden die Designers' Open in Leipzig statt. Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, deshalb ist sie auch auf der Messe ein großes Thema, das in immer mehr Bereiche vordringt. Auch für die Architektur spielt sie eine wichtige Rolle: Wie kann man nachhaltig bauen?

So soll die Propsteikirche in Leipzig später einmal aussehen. Foto: © schulz & schulz

+++ detektor.fm ist Medienpartner der Designers‘ Open – in dieser Woche beschäftigen wir uns deshalb mit dem Thema Design +++


 

Wenn heute jemand ein Haus baut, dann spielen Energieaspekte wie Wärme oder Strom immer häufiger eine wichtige Rolle. Schließlich wollen die meisten Hausbauer umweltfreundlich bauen. Diesen Wunsch mit dem Aussehen zu verbinden, ist eine Aufgabe des Designs und der Gestaltung.

Nachhaltig bauen

Christian Bollert berichtet heute über aktuelle Ansätze, intelligente Materialien zu nutzen und diese nachhaltig im Bau einzusetzen. Deshalb hat er unter anderem mit Christian Wischalla geredet, der für das Architektenbüro schulz & schulz arbeitet und gerade mit dem Bau einer katholischen Kirche in Leipzig beschäftigt ist. Bei der Planung ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Auch Clemens Felsmann, Professor für Energietechnik in Dresden, beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und forscht zu Energieeffizienz von Gebäuden.


+++ Der Beitrag zum Nachlesen +++

Nachhaltig und umweltfreundlich sollen heute fast alle Dinge des Alltags sein. Davon ist auch die Architektur nicht ausgeschlossen. Sollen doch neue Gebäude ein paar Jahrzehnte stehen und auch dann noch funktionieren, wenn sich die Situation auf dem Energiemarkt verändert. Clemens Felsmann ist Professor für Energietechnik an der Technischen Universität Dresden und beschäftigt sich mit der Energieeffizienz in Gebäuden. Fragt man ihn nach intelligenter Architektur ist das seine Antwort:

„Architektur, die energiesparend baut, die die notwendige Energieversorgung der Gebäude bereits im Blick hat und nicht sich auf rein architektonische Gesichtspunkte sich beschränkt, sondern auch sich darum sorgt, wie wird denn das Gebäude zukünftig beheizt, gekühlt, befeuchtet, entfeuchtet, klimatisiert, belüftet. Was alles mit Energieverbrauch zu tun hat. Intelligente Architektur muss an der Stelle auf das, wenn das Gebäude einmal steht und Energie verbraucht, Rücksicht nehmen.“ – Clemens Felsmann

Genau diese Fragen stellt sich auch Christian Wischalla. Er arbeitet für das Architektenbüro Schulz & Schulz aus Leipzig. Das Büro baut für die katholische Kirche eine neue Kirche mitten in der atheistischen Großstadt. Das Bistum Dresden-Meißen geht von Kosten von rund 10 Millionen Euro aus. Ziel des Baus in Leipzig ist ein angemessener Umgang mit der Schöpfung. Deshalb lernen auch Christian Wischalla und seine Kollegen bei diesem Bauprojekt dazu:

„Eine Führung die wir haben und auch sammeln, bewusst von extrem wärmedämmenden Baustoffen oder extrem technologisierten Baustoffen doch nochmal einen Schritt zurückzugehen und einfach mal zu überlegen: Wie entstehen diese Produkte, wie verhalten sie sich in zwanzig in dreißig Jahren, aber wie verhalten sie sich eben auch in fünfzig, hundert Jahren und wie kann das Gebäude darauf reagieren.“ – Christian Wischalla

Deshalb haben die Architekten um Wischalla Abstand von hochtechnologisierten Materialien oder Baustoffen genommen und gezielt nach speziellen Materialien gesucht.

„Welche Materialien sind zum einen langlebig, sind zum anderen schadstoffarm und natürlich beziehungsweise sogar regional. Und regional ist natürlich im Besonderen dort der Rochlitzer Porphyr im Bereich der Fassade zu erwähnen, der als regionales Bauprodukt und natürliches Bauprodukt dort seine Stärken hat.“ – Christian Wischalla

Nicht immer scheint also Technologie die Lösung zu sein. Das bestätigt auch Professor Felsmann von der Technischen Universität Dresden. Aus seiner Sicht, muss man auch bei intelligenten und modernen Materialien immer die Kosten mit den Nutzen abwägen.

„Hier und dort sind natürlich auch Akzeptanzschranken zu überwinden beziehungsweise die Mehrkosten die solche Materialien haben umzurechnen in Energieeinsparungen. Und an der Stelle kommt natürlich die Frage, inwieweit können wir uns bei den heutigen Energiepreise solche intelligenten Materialien leisten, haben die gegenüber den konventionellen Materialien so viele Vorteile, dass sich der Markteinsatz auch lohnt.“ – Clemens Felsmann

Die Mitarbeiter des Schulz & Schulz Architektenbüros haben über den Einsatz von Baustoffen beim Kirchenneubau sehr intensiv nachgedacht, unter anderem mit Unterstützung der Bundesstiftung Umwelt. So wird die Kirche künftig mit 18 Erdwärmesonden beheizt. Aber bei dem Neubau setzen die Architekten weitere intelligente Materialien ein – Christian Wischalla.

„In der Fassade kommt ein Schaumglas zur Ausführung, als Dämmmaterial. Im Innenausbau kommen auch natürliche Materialien zum Einsatz: Holz zum Beispiel, Putze, im Bereich der Böden auch dort Parkettböden.“ – Christian Wischalla

Während es jedoch bei Neubauten mittlerweile viele Möglichkeiten gibt, langlebig und nachhaltig zu bauen. Sieht Professor Felsmann das Problem eher im Bereich der bereits vorhandenen Häuser.

„Wir kriegen wir das in die bestehenden Gebäude integriert. Das heißt, intelligente Materialien in einen exklusiven, zu Forschungszwecken gebauten Gebäude einzubauen und das zu erproben ist das eine. Aber das in diese vielen Millionen Bestandsgebäude einzubauen und dort wirklich auch das in den Altbauten zu nutzen, das ist die größte Herausforderung und das wird auch nicht von heute auf morgen gehen, sondern das wird eine Zeit dauern.“ – Clemens Felsmann

Die technischen Ideen und Produkte sind also bereits da, es fehlt jedoch noch in bestimmten Bereichen wie bei Altbauten an konkreten Anwendungen und manchmal ist es vielleicht auch sinnvoller auf technische Lösungen zu verzichten, wenn das Gebäude auch in 100 Jahren noch umweltfreundlich sein.