Designers’ Open Spezial – Die Design-Serie

Das Fahrrad als Design-Objekt

20.10.2014

Ein Rennrad mit Elektroantrieb, mitwachsende Kinderräder und Lastenfahrräder aus Bambus: das Fahrrad rückt wieder mehr in den Fokus der Designer - und bildet dieses Jahr auch bei den Designers’ Open einen Schwerpunkt.

Wie oft benutzen Sie ein Designer-Produkt? Sie denken jetzt vielleicht: „Das ist mir viel zu teuer!“ Die Antwort aber lautet: jeden Tag.

Wir alle benutzen jeden Tag Produkte, die Industrie- und Produktdesigner für uns gestaltet haben. Egal ob Möbel oder Lampen, Kleidung, Technik oder Küchengeräte – all diese Dinge sind von Designern für uns entworfen worden.

Einmal im Jahr findet auf der Leipziger Messe die Designers’ Open statt. Eine internationale Designmesse, die die verschiedenen Bereiche von „Design“ zusammenbringen will – und zeigen, was die Vertreter dieser Branchen alles Spannendes gestalten. Egal ob Produkt-, Mode-, Grafik- oder Industriedesign – das Designfestival zeigt Einblicke in alle diese Bereiche.

Wir dachten: das ist spannend – und widmen uns daher in dieser Woche in einer kleinen Serie einigen der Themen, die dort gezeigt und diskutiert werden. Und los geht es heute mit einem Thema, an das viele beim Stichwort Design garantiert nicht denken: mit dem Fahrradfahren. Aber hören Sie jetzt mal genau hin:


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Kennen Sie das Geräusch? (Elektromotor surrt) – Vermutlich nicht. Können Sie auch nicht. Denn was Sie hier hören, gibt es derzeit nur einhundert Mal. Sie hören einen Elektromotor – an einem Rennrad!

Da gabs vor 3 Jahren auf dem Markt nix Wirkliches, mit was wir uns identifizieren konnten. Ich muss ganz ehrlich sagen: bis heute fast nicht. Und da haben wir gesagt: alles klar, hier ist noch Potential da. Wir legen einfach mal los und entwickeln einfach mal ein E-Bike, was uns selber gefällt, was wir selber fahren würden, was komplett getrimmt ist auf Fahrspaß, auf urbane Fortbewegung, auf Geschwindigkeit, gleichzeitig robust ist – und natürlich schön aussieht.

Wer das erklärt, ist Pius Warken. Er hat mit seinen Mitstreitern die Firma COBOC gegründet. Gemeinsam haben sie ein Rad entwickelt, dass extrem puristisch und sportlich aussieht – und fährt.

Ich persönlich stehe schon immer auf ein klassisches puristisches Design. Ohne viel Schnickschnack, ohne viel Bedienkonsolen, Kabelgewirr am Lenker, Eingabemöglichkeiten die eigentlich niemand braucht. Wir haben uns wirklich reduziert auf die Essenz – auf Wesentliches beim E-Bike. Das ist die Beschleunigung und dass das Rad gut funktioniert. Also die Ursprünge kommen auf jeden Fall von der Geometrie her aus dem Bahnrennsport, bzw. danach aus der Kurierszene, die diese Räder adaptiert haben um mit möglichst wenig Wartungsaufwand durch die Städte zu flitzen.

Das Problem bei Elektrorädern ist meist: die Optik. Der Antrieb, die Akkus, die Elektronik – das nimmt schlicht Platz weg. Platz, der sich irgendwo im Design niederschlägt. Bei Coboc dachte man sich: das muss doch irgendwie auch anders gehen.

Wir hatten am Anfang angefangen, auch Akkus an den Rahmen dran zu montieren, haben das Rad dann einfach 5 Meter weggestellt und haben gesagt: nein, das kanns nicht gewesen sein. Dann hatten wir einen Kontakt zu einem wirklich sehr sehr guten Rahmenbauer aus Karlsruhe. Und der hat so ziemlich alles möglich gemacht. Also wir haben die Konstruktion uns überlegt und haben uns überlegt, wie wir möglichst sinnvoll dieses große Element ‚Akku’ in den Rahmen integrieren können.

Zwei Jahre hat es gedauert, das zu entwickeln. Die Akkuzellen stecken nun in der untersten Rahmenstange – die damit ein wenig dicker als die anderen ausfällt.

Also wir haben vom Zellentyp ne ziemliche Hochleistungszelle verwendet. Die gleiche, die auch im Tesla Roadster zum Beispiel drinne ist. Das Rad ist in gut 2h zu 98% wieder aufgeladen. Geladen wird der Akku im Rad, der Akku ist nicht abnehmbar. Das macht aber beim geringen Gewicht von unter 14 Kilo auch wenig Probleme weil so ein Rad wie unseres, das kann man auch mal in den zweiten Stock tragen.

Hundert Stück gibt es von dem Rad. Erstmal. Die Produktion aufzustocken ist schon geplant. Denn in kürzester Zeit war diese erste Serie fast ausverkauft – und das bei einem Preis von 5.000 Euro pro Rad!

Das mitwachsende Kinderrad

Auch ein anderer Aussteller der DESIGNERS’ OPEN hat sich gedacht: das muss doch besser gehen! Das „KidzBike Revolution“ von Pulse Design aus München will das Konzept „Kinderfahrrad“ aufmischen.

Eltern, die auf der Suche nach bezahlbaren und robusten Rädern für die Jüngsten sind, kennen dieses Problem: Kinderräder sind teuer, schwer und mit minderwertigen Komponenten ausgestattet.

Von Pulse Design liegt nun ein alternatives Konzeptdesign vor. Die Idee: das Kinderrad soll mitwachsen! Das Konzept funktioniert für Kinder von 1,15 bis 1,55 und „wächst“ mit: von 20 bis 24 Zoll. Vordere und hintere Felgen können schnell untereinander gewechselt werden, Bremse und Antrieb stecken im Rahmen, Leuchten und Fahrradcomputer sind direkt verbaut. Der Protoyp wird auf der Messe erstmals ausgestellt.

Lastenräder aus Bambus

Und auch eine andere Gattung, für die sich immer mehr Eltern interessieren, steht auf der Messe: das Lastenrad. Zu sehen sind Arbeiten der von Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein.

In dem Fall ist das ein zweites Studienjahr gewesen, also noch sehr früh, drittes Semester. Da geht’s eben dann wirklich auch darum, sich mit so einem Thema zu befassen, und da sind die Ergebnisse nicht vordergründig, sondern der Weg ist das Entscheidende. Spannende Bandbreite, von neuen Gepäckträgersystemen bis hin zu einem komplett gestalteten eigenen Lastenrad.

Bernd Hanisch ist Professor für Produktdesign an der Burg. Er hat das Projekt betreut – und sieht durchaus die Möglichkeit, dass das Lastenrad in Zukunft wieder verstärkt nachgefragt werden wird.

Es wäre wünschenswert, wenn es noch stärker im öffentlichen Bereich sichtbar werden würde. Ich denke, da ist natürlich auch ein Problem der Infrastruktur zu lösen: so toll sind unsere Radwege nicht. Wenn das im Fokus der Stadtplaner bleibt, dann wird man auch verstärkt Lastenräder sehen. Also man siehts gerade in den letzten jahren doch verstärkt. Viele sind auch bereit, relativ viel Geld in die Hand zu nehmen, um sich so ein Lastenrad anzuschaffen. Grad im Transport von Kindern im Kindergarten ist das immer häufiger auch im Stadtbild zu sehen.

Für die Studierenden, die einmal Designer werden wollen, stellen sich an solche Projekten gleich mehrere Fragen. Eine davon ist stets die nach dem geeigneten Material. In diesem Projekt wurde auch mit einem Material gearbeitet, in das derzeit viele Hoffnungen gelegt werden: Bambus.

In Holz haben wir eine lange Tradition, in Bambus haben wir die nicht. Sicherlich muss da auch noch vieles geforscht werden, bis man das wirklich so einsetzen könnte, wie man sich das bei Holz vorstellt

Doch gerade auch auf die drängende Umweltproblematik und das fortschreitende Abholzen der Regenwälder wollen auch immer mehr Produktdesigner eine Antwort geben. Bambus könnte so eine Alternative sein. Denn er ist robust, hält viel aus und wächst extrem schnell nach.

Das sind die entscheidenden Komponenten dabei. Es gibt natürlich andere, auf die man reagieren muss. Er reißt schnell, wie stellt man Verbindungen her, vielleicht zu anderen Materialien oder zwischen dem Bambus selbst. Das sind dann Fragen, über die ein Produktdesigner, ein Industriedesigner nachdenken muss.

Diese Arbeiten kann man auf den Designers’ Open anschauen und ausprobieren. Und solche Messen und öffentliche Auftritte, so betont es Design-Professor Bernd Hanisch, gehören für die Studenten irgendwie auch zur Ausbildung dazu:

Dass sie selbst nicht nur Projekt abschließen und jetzt sagen: so, jetzt mach ich das Nächste. Sondern dass sie sich auch darüber Gedanken machen, wie das eben kompakt dargestellt werden kann, wie es präsentiert werden kann. Und was wir auch anstreben: dass die Studenten vor Ort sind und dann auch ins Gespräch kommen.

Und so wird’s auch sein: ab Freitag. Da öffnen die Designers’ Open ihre Türen auf der Messe Leipzig. Die internationale Designausstellung zeigt dann wieder Trends, neue Entwicklungen und spannende Entwürfe verschiedenster Design-Richtungen. Und weil das alles so interessant ist, widmen wir uns in dieser Woche in einer kleinen Serie diesen Themen. Heute gings um neue Design-Ideen rund um das Fahrrad. Und morgen schauen wir dann mal zu unseren Nachbarn nach Polen und stellen ihnen vor, was Designer dort so


+++ detektor.fm ist Medienpartner der Designers‘ Open – in dieser Woche beschäftigen wir uns deshalb mit dem Thema Design +++