Designers’ Open Spezial – Die Design-Serie

Zum Verhältnis von Architektur und Design

23.10.2014

Beim Designfestival Designers’ Open bildet Architektur einen eigenen Schwerpunkt. Grund genug für uns, zu fragen: wie ist das Verhältnis von Architektur und Design?

Haben Sie sich schonmal gefragt, warum man sich in manchen Häusern sofort wohlfühlt? Und in anderen irgendwie einfach nicht?

Architekten planen Häuser, so viel ist klar. Aber damit wir uns da drinnen zuhause und gut aufgehoben fühlen, muss auch die Inneneinrichtung stimmen – man könnte auch sagen: das Design.

In dieser Woche findet auf der Leipziger Messe das Designfestival Designers’ Open statt. Einer der Schwerpunkte dort ist auch Architektur. Und wie das zusammenspielt, Design und Architektur, bzw. wie das auf der Messe gezeigt wird, das stellen wir Ihnen jetzt mal vor.


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Der Beitrag zum mitlesen

Letztlich ist Architektur fast das Über-Design.

Sebastian Thaut ist Architekt, kuratiert den Architektur-Bereich der Designers’ Open – und beginnt das Gespräch mit einer großen These. Wir treffen ihn in der Leipziger Innenstadt – und merken schnell: über Design einerseits und Architektur andererseits reden, und über die Frage, was beides trennt oder verbindet – das ist vielleicht gar nicht der richtige Ansatz.

Letztlich geht es ja um Gestaltung. Und wenn man sich in frühere Epochen zurückversetzt – von van de Velde oder van der Rohe oder noch älteren Architekten – dann hat man diese Disziplinen gar nicht getrennt. Sondern der Architekt hat vom Besteck über das Interieur bis hin zum eigentlichen Objekt alles entworfen und ich glaube, dass es da auch wieder hingehen sollte.

Also nicht, dass der Architekt wieder alles selbst macht, was zu komplex ist. Aber dass die Disziplinen wieder zusammenrücken, und man sich an einen Tisch setzt und gemeinsam die Dinge entwickelt. Und da gibt es heute die verschiedenen Disziplinen und Schwerpunkte, vom Grafikdesign, Interieur, Städtebau. Und das ist auch das Ziel der Messe: dass man eben nicht nur einzelne Aspekte rauszieht, sondern den gesamten Kontext der Gestaltung.

Leicht ist das natürlich nicht. Sich so einem großen Bogen widmen. Auf den Designers’ Open versucht man es, indem man Architektur in einen Zusammenhang mit diesen anderen Bereichen bringt. Disziplinen wie Inneneinrichtung oder Grafikdesign spielen da schon immer eine Rolle. Architektur wird seit dem letzten Jahr auf den Designers‘ Open präsentiert – in diesem Jahr gleich mit drei Ausstellungskomplexen. Der erste kommt vom Bund Deutscher Architekten und dessen Landesverband Sachsen:

Dort stellen wir die 30 schönsten Häuser der letzten Jahre aus. Bewusst haben wir uns dort eine kleine Aufgabe gesucht, die eigentlich der Klassiker für Architekten ist: das private Wohnhaus. Das kann vom Anbau über Umbau, aber auch das auf der grünen Wiese stehende freie Wohnobjekt sein. Und man will damit zeigen: 30 ganz individuelle unterschiedliche Wohnhäuser. Und man will damit zeigen, wo das hinführen kann – also wo der Mehrwert liegt, wenn ich einen Architekten beauftrage, mein Wohnhaus zu bauen.

Der zweite Ausstellungsschwerpunkt heißt „Architektur bewegt“. Dort geht es eher um den künstlerischen Fokus auf Architektur. Also nicht das konkrete Objekt steht hier im Vordergrund, sondern übergeordnete Themen.

Zum Beispiel: eine Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Raum. Wie definiere ich Raum, wie verändert sich Raum? Also: Farbe verändert Raum, Stofflichkeiten verändern den Raum. Wirkt der Raum kühl, wirkt er warm, wirkt er angenehm? Fühl ich mich unangenehm, fühl ich mich geborgen, etc. Das wird an verschiedenen Modellen präsentiert. Eine andere Arbeit beschäftigt sich mit Einblicken, Ausblicken, Durchblicken. Also auch wieder übergeordnet: wie kann Architektur sich verändern, und auch der Raum sich verändern, wenn ich eher den Einblick oder den Ausblick fokussiere.

Mehr als ein Dutzend Aussteller gehen solchen Fragen nach. Der dritte Schwerpunkt im Architektur-Bereich der Designers’ Open ist eher städtebaulich und in die Zukunft gerichtet:

Das nennt sich „Zwickau 2050“ und beschäftigt sich mit Zukunftsszenarien in einer kleineren Kreisstadt, Mittelstadt – also da ist nicht die große Metropole, die ständig wächst, fokussiert. Sondern wie gehe ich um in mittelgroßen Städten wie Zwickau, also Einwohner um die 100.000, mit Schrumfpungsprozessen, mit Entwicklung von Städtebau, und was hat das auch für die Qualität von Architektur zu bedeuten? Damit beschäftigt sich diese Arbeit.

Es wird also schnell klar: Architektur ist nix, was an der Fassade aufhört. Sie franst an den Rändern aus, greift in viele Bereiche unseres Lebens mit ein. Und dennoch: wie in vielen kreativen Berufen zählt auch zum Architekt-sein viel mehr, als nur entwerfen. Es geht um Preise, Berechnungen, Buchhaltung, Physik, Statik und und und. Wie viel Kreativität, wie viel Design steckt denn noch im Architektenleben? Für Sebastian Thaut, der selbst auch ein Architekturbüro betreibt, keine ganz einfache Frage:

Das ist ganz schwierig, diese Frage, weil es ja auch nicht den Architekten gibt. Architektur ist ja was ganz individuelles. Das macht den Beruf ja auch so spannend und schön, dass es ein freier künstlerischer Beruf ist.  Aber es gibt auch Kollegen, die dann mehr in die Technik gehen. Die sich dann mehr mit der Hülle oder technischen Komponenten beschäftigen. Andere Kollegen noch weniger, die entwerfen dann ganze Städte, da geht’s um Städtebau. Da gibt’s schon in unserer Branche verschiedene Disziplinen.

Aber wenn man dann mal kann – das ist dann eher im Privatbereich, wenn es denn Kunden gibt, die auch eine gewisse Liquidität haben – dann macht es schon Spaß, und dann möchte man auch gern nicht an der Fassade aufhören, sondern ein rundes Baby abliefern. Und das geht dann eben bis zum Design.