detectiv – die Recherche-Serie | Warum die Türkei die Exil-Redaktion Özgürüz braucht

"Wir sind frei!" - Türkische Exil-Redaktion Özgürüz arbeitet von Berlin aus

26.01.2017

In der Türkei ist die Pressefreiheit de facto abgeschafft. Wer hier regimekritisch berichtet, riskiert Geldstrafen, Verhaftung und jahrelange Haft. Für Can Dündar, Ex-Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, ist all das Realität geworden. Er lebt mittlerweile in Berlin - und organisiert mit weiteren Kollegen nun von dort aus eine Exil-Redaktion.

Was haben Klaus und Thomas Mann, Anna Seghers, Albert Einstein, Bert Brecht, Walter Benjamin und Kurt Tucholsky gemeinsam? Sie waren Intellektuelle, Publizisten, ja – vor allem aber: sie mussten aus dem Exil arbeiten. In ihrem Heimatland hatte sich die politische Situation so entwickelt, dass Arbeiten für sie gefährlich bis unmöglich wurde.

Und so dreht sich das Rad der Geschichte: Heute ist Deutschland Zufluchtsort für Oppositionelle, die in ihrer Heimat nicht mehr sicher arbeiten oder leben können.

Özgürüz – Eine Antwort auf Erdogan aus Berlin

So auch für Can Dündar. Er lebt im deutschen Exil, weil er in seiner Heimat, der Türkei, seine Arbeit als Journalist nicht mehr machen kann. Ihm wird von der Justiz vorgeworfen, zu spionieren, Staatsgeheimnisse verraten und den Präsidenten beleidigt zu haben. Dafür saß Dündar sogar schon im Gefängnis.

Und so arbeitet Dündar nun von Berlin aus und startet eine Exil-Redaktion: Özgürüz heißt die, was im Deutschen „Wir sind frei“ bedeutet. Und als ob es keinen besseren Beweis für dessen Notwendigkeit gäbe, sperrte die Türkei für einheimische Nutzer die Seite von Özgürüz schon kurz nach dem Start.

Özgürüz findet Obdach bei Correctiv, dem gemeinnützigen Recherchezentrum. Dessen Chefredakteur Markus Grill hat mit detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser über das Projekt gesprochen.

Özgürüz wird diese Form von Journalismus machen, die in der Türkei heute nicht mehr möglich ist. – Markus Grill von Correctiv


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