Die Wahrheit vor Gericht: Eine schwierige Angelegenheit

22.06.2012

"Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit." Nur das dürfen Zeugen vor Gericht aussagen. Doch das mit der Wahrheit ist keine so leichte Sache, wie der Prozess um den Attentäter Anders Breivik beweist.

Hier soll die Wahrheit gefunden werden: Der Gerichtssaal.  © Foto: Martin Oeser/dapd

ist Anwalt und Journalist beim TagesspiegelJost Müller-Neuhofist Anwalt und Journalist beim Tagesspiegel 

Wer den Prozess um den norwegischen Attentäter Anders Breivik verfolgt, der hat auch die Vielzahl von Gutachten mitbekommen, die dem Gericht vorgelegt worden sind. Die einen Gutachter sind der festen Überzeugung, dass Breivik voll schuldfähig ist. Die anderen halten ihn für psychisch gestört und nicht schuldfähig. Also ob das nicht genug wäre, dichten sie ihm auch gleich noch die unmöglichsten Störungen an. Was davon wirklich zutrifft, lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen.

Am Ende liegt es im Ermessen des Gerichts, welches Gutachten die Wahrheit sagt und welches nicht.

Zweifel sind da vorprogrammiert, denn die Wahrheit nehmen alle Gutachten in Anspruch. Und wo, wenn nicht vor Gericht soll „die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ herausgefunden werden?

Das mit der Wahrheit vor Gericht ist also keine so einfache Sache. Das sieht auch der Rechtsanwalt und Journalist Jost Müller-Neuhof so. Mit ihm haben wir über das Problem gesprochen:

Der Gerichtssaal ist von allen möglicherweise schlechten Orten immer noch der beste Ort um herauszufinden, wie ein Vorgang tatsächlich gewesen ist. Jost Müller-Neuhof