DOK Leipzig 2016 | Festival für Dokumentar- und Animationsfilm beginnt

Widerstand und Ungehorsam auf der Leinwand

01.11.2016

Das DOK Leipzig ist eines der wichtigsten Dokumentarfilmfestivals der Welt. Schwerpunkt des Festivals sind in diesem Jahr Dokumentarfilme aus der Türkei. Insgesamt werden mehr als 300 Filme zu sehen sein. Andreas Kötzing gibt einen ersten Überblick.

Das „Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm“, kurz DOK Leipzig, öffnet in dieser Woche die Kinotüren wieder für Besucher und Fachpublikum. Die Auswahl ist groß: Es wird über 100 Weltpremieren geben.

Das DOK Leipzig ist das größte deutsche Festival für den künstlerischen Dokumentarfilm. Die Anfänge des Festivals liegen noch in der Zeit des Kalten Krieges. Nach dem Fall der Mauer hat sich das DOK zu einem der weltweit wichtigsten und innovativsten Festivals für Dokumentar- und Animationsfilme entwickelt.

Ungehorsam als Tugend

Die 59. Ausgabe des Festivals feiert den Ungehorsam in all seinen Formen. Von mutigen Künstlerinnen und Künstlern, die Konventionen brechen, bis hin zu couragierten Zivilisten, die Normen und Regeln infrage stellen und für eine bessere Zukunft kämpfen.

Der Länderfokus liegt diesmal auf der Türkei. Proteste, Meinungsfreiheit und Urbanisierung sind die Themen, mit denen sich die Filmemacher auseinandersetzen. Selten ist das Sonderprogramm des DOK-Festivals so politisch hochaktuell und brisant gewesen.

Zahlreiche Werke stammen von kurdischen und armenischen Filmemachern. Es wird zudem ein DOK Talk Special zum aktuellen Filmschaffen in der Türkei und den Drehbedingungen vor Ort geben.

Die Filme sind natürlich ein Spiegelbild der politischen Verhältnisse im Land. Was passiert in der Türkei? Sie versuchen anhand von konkreten Beispielen auszuloten, wie die tatsächliche Situation im Land ist. – Andreas Kötzing, Journalist

Neu beim DOK Leipzig

Festivaldirektorin Pasanen will die Rolle der Frauen in der Filmbranche stärken. Zusammen mit dem Europäischen Audiovisuellen Netzwerk für Frauen vergibt das DOK-Festival in diesem Jahr deshalb erstmals einen Preis für den besten Dokumentafilm einer Regisseurin.

Außerdem hat das Festival zum ersten Mal eine interreligiöse Jury zusammengestellt. Diese tritt an Stelle der bisherigen ökumenischen Juroren. Neben zwei christlichen Filmexperten besteht die neue Jury nun zusätzlich aus einem muslimischen und einem jüdischen Mitglied.

Was genau die Zuschauer in dieser Woche erwartet, hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Andreas Kötzing besprochen. Er ist Journalist und Kurator einer Reihe auf dem Festival.

andreas-koetzingInsofern geht es natürlich auch immer darum auszuloten, wo sind Momente in der Gesellschaft, wo Filmemacher auch darauf einwirken können. Das ist das Zeitgenössische, aber das Festival lotet es auch in historischer Perspektive aus.Andreas Kötzing spricht über die 59. Ausgabe des DOK-Festivals. 

Redaktion: Linh Pham

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