Doppelstunde Sport | Schiedsrichter, Hooligans und sexuelle Übergriffe im Breitensport

Verpfiffene Schiris, Hooligans und sexuelle Übergriffe im Breitensport

10.02.2015

In der aktuellen Doppelstunde Sport sprechen wir über Vorwürfe gegen die DFB-Schiedsrichter-Ausbildung, die Verbindung von Hooligans und organisiertem Rechtsextremismus sowie sexuelle Gewalt im Sport. Außerdem: Die Eishockey-Doku "Red Army".

Werden DFB-Schiris „verpfiffen“?

Verwirrende Regeländerungen, Günstlingswirtschaft, fehlende Führungsqualitäten. Die Vorwürfe, die Journalist Oliver Fritsch in einem ZEIT-Artikel gegen die DFB-Schiedsrichterausbilder um Herbert Fandel erhebt, wiegen schwer. Doch belegen kann er sie größtenteils nur mit anonymen Quellen aus „Schiedsrichterkreisen“. Auch deswegen stößt seine Abrechnung, die hohe Wellen geschlagen hat, auf Kritik. Über die Vorwürfe und die Probleme deutscher Schiedsrichter haben wir mit Alexander Feuerherdt gesprochen. Er bildet im Kreis Köln selbst Schiedsrichter aus und betreibt den Podcast Collina’s Erben.

FeuerherdtAlexander_privatAlexander Feuerheldtsieht das DFB-Schiedsrichterwesens bei weitem nicht so schlechtem Zustand, wie im ZEIT-Artikel beschrieben. Foto: privat 

Rechte Hooligans für das Vaterland

HoGeSa, Legida, Pegida. Wo auch immer in den vergangenen Monaten islam- und ausländerfeindliche Demonstrationen stattfanden, waren örtliche Hooligangruppierung vorne mit dabei. Auch Angriffe auf Gegendemosntranten und Journalisten kamen aus ihren Reihen. Gleich daneben sind häufig bekannte rechtsextreme Gruppierungen marschiert. Überschneidungen gibt es häufig, auch bei den beteiligten Personen. Wie weitreichend die Verbandelung zwischen Wutbürgern, rechtsextremen Organisationen und Hooligans ist, haben wir mit Laura Piotrowski vom Netzwerk Fussball gegen Nazis besprochen.

Laura Piotrowski (AAS)Laura Piotrowskiglaubt, dass die digitale Vernetzung die rechtsextrme Szenen stärker macht, jedoch nicht gefährlicher als sie bereits ist. Foto: privat 

HoGeSa, die Rechte und der BVB

Auch in Nordrhein-Westfalen kann man die zunehmende Verbrüderung von Rechtsradikalen und Fussball-„Fans“ beobachten. Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind quasi der Vorläufer der vielen „Gida“-Bewegungen gewesen. Besonders aktiv sind hier Hooligangruppierungen örtlicher Vereine, wie dem Dortmunder BVB und die ebenfalls in Dortmund aktive Partei „Die Rechte“. Aus deren Dunstkreis stammen offenbar auch Todesanzeigen, die Anfang des Monats für Schlagzeilen gesorgt haben. Sie richten sich gegen kritische Journalisten, wie Felix Huesmann. Mit ihm haben wir über die Drohungen, die Rechte und rechtsextreme Hooligans gesprochen.

Huesmann_Felix-privatFelix Huesmannwill sich von den Rechtsextremen in Dortmund nicht einschüchtern lassen. Foto: privat 

Das unerforschte Tabu

In Bildungseinrichtungen, Kirchen und Vereinen herrscht mittlerweile eine große Senisbilisierung im Bezug auf sexualisierte Gewalt an Kindern. Nur im Sport ist das Thema immer noch ein randständiges. Kaum Studien oder Initiativen beschäftigen sich mit dem Ausmaß des Problems, bislang gibt es nicht einmal eine Opferhilfe. Dabei sind die Gefahren gerade im Breiten-, aber auch im Spitzensport sehr hoch. Zwischen Trainern und Schützlingen herrscht meist eine enge, intime Beziehung., im Spitzenbereich sogar einen gewisses Abhängigkeitsverhältnis. Übergriffe können hier lange unerkannt bleiben. Über das Problem, Lösungsansätze und eine neue Studie zur sexualisierten Gewalt im Sport haben wir mit Dr. Bettina Rulofs gesprochen. Die Sportsoziologin leitet das Forschungsprojekt „„Schutz von Kindern und Jugendlichen im deutschen organisierten Sport“.

csm_Bettina_Rulofs_4284980752Dr. Bettina Rulofshofft, mit ihrer Studie „Schutz von Kindern und Jugendlichen im deutschen organisierten Sport“ eine breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren zu können. Foto: DHSH Köln 

Kollektive Kunst

Inmitten des „Kalten Krieges“ wächst Wjatscheslaw Fetissow in Moskau auf. „Ich war glücklich. Ich habe Eishockey gespielt“ unterstreicht Fetissow, den alle nur „Slawa“ rufen. Er ist die charismatische Hauptfigur einer Dokumentation, in der Regisseur Gabe Polsky dank beharrlicher und minutiöser Arbeit dem sagenumwobenen sowjetischen Eishockeyteam der 1980er Jahre nachspürt. Ein unvergleichlicher Fünfer-Block prägt die sogenannte „Red Army“ des Armeesportklubs ZSKA Moskau und düpiert vor allem die nordamerikanische Konkurrenz. Verteidiger Fetissow ist ihr Kapitän. Durch kollektive Kunst und eiserne Disziplin heben sie das Spiel auf ein bis dahin ungekanntes Niveau. Auf das Publikum wartet eine bilderreiche Zeitreise, die gleichfalls genügend Stoff für einen Polit-Thriller böte und weit davon entfernt ist, ein verklärendes Heldenepos zu sein.

Maximilan Hendelwar von der Vielschichtigkeit des Film und dem geballten Originalmaterial, das Regisseur Gabe Polsky für "Red Army" zusammegetragen hat, begeistert. 

Der Trailer zu Red Army

Redaktion: Alexander Hertel, Maximilian Hendel