WM Brasilien, Kanupolo, Sportpolitik

Doppelstunde Sport | WM-Frust, Sportfinanzierung und Kanupolo

06.05.2014

Die "Doppelstunde Sport" bietet ab Mai doppelt soviel Inhalt. Diesmal widmen wir uns den WM-Vorbereitungen in Brasilien. Außerdem blicken wir auf die deutsche Sportpolitik, das Kanupolo und einen Trend des Buchmarktes: Fußball-Romane.

Trügerische Eintracht. Vor der WM brodelt es in Rio de Janeiro. © Yasuyoshi Chiba/AFP

Angespannte Lage – Brasilien vor der WM

lebt und arbeitet als Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT in Rio de Janeiro. Foto: Lianne MiltonThomas Fischermannlebt und arbeitet als Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT in Rio de Janeiro. Foto: Lianne Milton 

Eigentlich soll es ein bombastisches Fest werden: Sonne, Lebensfreude und Fussball der Spitzenklasse. Doch vor dem WM-Start am 12. Juni hat Brasilien mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Infrastrukturmaßnahmen sind nicht fertig umgesetzt, die Investitionskosten steigen immer weiter und die Brasilianer lassen sich nicht so richtig für das erwärmen, was Regierung und FIFA ihnen im Sommer zumuten wollen.

Vor allem die soziale Schieflage und die militante Befriedungspoltik in den Armenvierteln der Metropole Rio de Janeiro erbosen die Einheimischen und treiben Sie auf die Straße. So wie im April, als sich aufgebrachte Bewohner Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Und das mitten in den reichen Touristenvierteln Ipanema und Copacabana.


Thomas Fischermann
hat die Unruhen aus nächster Nähe erlebt. Das Büro des ZEIT-Korrespondenten liegt direkt im Herzen der Stadt. Im Interview erzählt er, wie weit die Vorbereitungen sind, was die Brasilianer bewegt und was die Besucher im Gastgeberland erwarten wird.

Teure Parties – die Ökonomie von Sportgroßveranstaltungen

lehrt Wirtschaftswissenschaft an der Universität Hamburg. Foto: privatWolfgang Maenniglehrt Wirtschaftswissenschaft an der Universität Hamburg. Foto: privat 

Mehrere Milliarden Euro kosten Events wie Fußballweltmeisterschaften oder die Olympischen Spiele. Dabei rechnen sich die Gastgeber die Veranstaltungen öffentlich gerne schön. Sie geben meist nur die Stadien sowie einige Infrastrukturprojekte als Kosten an. Auf lange Sicht käme ein Großteil des Geldes sogar wieder rein.

Eine Milchmädchenrechnung, zeigen die Studien des Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Wolfgang Maennig. Er hat zum Beispiel errechnet, dass allein die Fußball-WM 2006 in Deutschland mindestens doppelt so teuer war, wie angegeben. Auch andere Sportevents hat Maennig unter die Lupe genommen.


Seine Schlussfolgerung: zu Verdienen gibt es an den Großveranstaltungen nichts. In Interview erklärt er, welche volkswirtschaflichen Gründe das hat, warum Brasilien besonders viel investieren muss und welche Schlussfolgerungen FIFA und IOC daraus ziehen sollten.

Lobbyistenzirkel – der Sportausschuss des Bundestags

beschäftigt sich als freier Journalist mit Sport und Politik. Foto: privatDie Programme für Jugend Trainiert für Olympia und die Paralympics sollen gänzlich gestrichen werden.Daniel Bouhsbeschäftigt sich als freier Journalist mit Sport und Politik. Foto: privat 

Deutschland ist ein Förderland, besonders im Sport. Hunderte Millionen investiert der Bund jährlich in den Breiten- und Spitzensport. Da es kein eigenständiges Sportministerium gibt, bestimmt ein kleines Gremium des Deutschen Bundestags über die Verteilung – der Sportausschuss.
Darin sitzen mit ehemaligen Sportlern und aktiven Funktionären Sportfachleute, deren Arbeit jedoch an puren Lobbyismus grenzt.

Das sagt der Sportjournalist Daniel Bouhs, der die Arbeit des nichtöffentlichen Gremiums seit Jahren verfolgt. Im Interview erklärt er, wie der Sportausschuss funktioniert und warum die aktuelle Abstimmung über den Sporthaushalt 2015 vor allem zu Lasten des Breitensports geht.

Paddeln mit Ball – Kanupolo

Die Leipziger Kanupolo-Spieler beim Training. Foto: Alexander HertelTor!Die Leipziger Kanupolo-Spieler beim Training. Foto: Alexander Hertel 

„Alles außer Fußball“ heißt es regelmäßig in der Doppelstunde Sport. Dabei berichten wir über Sportarten, die nicht nur im Schatten des allmächtigen Fussballs stehen. Hier stellen wir alles vor, was nicht die ganz große mediale Aufmerksamkeit genießt: Unbeachtetetes, Exotisches und Kurioses.

Diesmal haben wir dafür ein Kanupolo-Team in Leipzig besucht. Auf einem Kanal im Süden der Stadt trainieren die jungen Männer leidenschafltich ihren Sport. Die Regeln sind simpel: zwei Teams und Tore, ein Ball. Erlaubt ist fast alles, um mehr Treffer zu erzielen als der Gegner.

Hören Sie hier Eindrücke vom Kanupolo.

Hornby’s Erben – Fussball meets Literatur

verlegt Sportbücher. Foto: privatEnno Brandverlegt Sportbücher. Foto: privat 

Mit Fever Pitch gelang dem britischen Autor Nick Hornby 1992 ein Welterfolg. In dem autobiographischen Roman beschreibt der Londoner kurzweilig und pointiert sein Dasein als leidenschaflticher Fußballfan. Auch andere Autoren versuchten sich am Spagat zwischen Sportbegeisterung und Literatur – meist erfolglos.

Nun nimmt der Sportroman einen neuen Anlauf. Seit diesem Frühling gibt der deutsche Verlag „Die Werkstatt“ eine neue Reihe heraus – die Balletristik. Neben trivialen Männereskapaden bietet sie Portraits großer Sportsmänner und historische Romane im und um den Fußball.

Über den Sportroman im Allgemeinen und die Balletristik im Speziellen sprachen wir mit Enno Brand vom Verlag Die Werkstatt.