Play
Christian Lathom-Sharp / shutterstock
Bild: Christian Lathom-Sharp | shutterstock.com

Forschungsquartett | Denkmalstürze

Das politische Kampfmittel

Denkmalstürze hat es in der Vergangenheit immer wieder geben. Wie beeinflussen sie unsere Erinnerungskultur, und welche Alternativen gibt es zu Denkmalstürzen?

Das Forschungsquartett – dieses Mal in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa.


Denkmalstürze – Bis Köpfe rollen

125 Jahre hat Edward Colstons Statue Bristols Hafen überblickt. Sein Denkmal wurde errichtet, um an einen Mann zu erinnern, der Bristol einst zum Wohlstand verholfen hat. Diesen Wohlstand hat er allerdings durch Sklavenhandel erzielt: Colston war Direktor der Royal African Company, die von 1672 bis 1698 das Monopol für den britischen Sklavenhandel hatte.

Nun, im Zuge der Black Lives Matter Bewegung wurde sein Denkmal gestürzt. Nicht nur Colston muss dran glauben; in Boston wurde beispielsweise Columbus‘ Statue geköpft. Es gibt einige Statuen, die die Demonstrierenden im öffentlichen Raum nicht mehr sehen wollen.

Es ist der Reflex, alles aus dem öffentlichen Raum zu räumen, was irritiert, was unangenehme Erinnerungen weckt, was heutigen Weltanschauungen nicht mehr entspricht.

Arnold Bartetzky, forscht zu Denkmalpflege und dem Umgang mit Kulturerbe am GWZO.

Arnold Bartetzky, forscht zu Denkmalpflege und dem Umgang mit Kulturerbe am GWZO.Zuppelbuck

Dekommunisierungsgesetze in Polen und der Ukraine

Denkmalstürze werden aber nicht nur von Teilen der Bevölkerung initiiert. In Polen und der Ukraine sieht man gerade, wie Denkmäler auf Anordnung der Regierung entfernt werden. Dabei geht es um kommunistische Denkmäler, die nicht mehr zur aktuellen Politik passen. Auch, wenn die Regierungen bei diesem Vorgehen vielleicht von einem größeren Teil der Bevölkerung Unterstützung erfahren, werden diese Dekomminisierungsgesetze sehr kritisiert.

Das ist ein sehr autoritärer und totalitärer Eingriff der betreffenden Regierungen, die solche Gesetze initiieren. Es zeugt von der Unfähigkeit, oder dem zumindest dem Mangel an Bereitschaft, sich mit etwas auseinanderzusetzen, das nicht in die heutige Geschichtspolitik oder in die heutige Ideologie passt.

Arnold Bartetzky

Warum sind Denkmäler eigentlich so wichtig für unsere Erinnerungskultur? Und welche Alternativen gibt es zu Denkmalstürzen? Darüber hat Redakteurin Lena Jansen mit Arnold Bartetzky gesprochen. Er ist Abteilungsleiter für Kultur und Imagination am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa und forscht zu Denkmalpflege und dem Umgang mit Kulturerbe. Im Forschungsquartett erzählt sie detektor.fm-Moderatorin Leora Koch von dem Gespräch.