Forschungsquartett | Kollektiv- und Kommunehäuser in Europa

Architektur als Waffe

16.05.2019

Kann Architektur Menschen zu einem besseren sozialen Miteinander erziehen? Was utopisch erscheint, hat Architekten immer wieder inspiriert, Kollektiv- und Kommunehäuser zu entwerfen.

Utopien der Architektur

Architektur prägt unseren Alltag. Aber kann sie uns auch dazu bringen, unsere Lebensformen von Grund auf zu verändern?

Schon seit der Frühen Neuzeit besteht die Idee, dass man den Menschen durch die gebaute Umwelt zu einem sozialeren Verhalten erziehen kann. Mit der Aufklärung wurden dann auch immer wieder Versuche unternommen, dies architektonisch umzusetzen: Zentral waren dabei Konzepten des kollektiven Wohnens und der gemeinschaftlichen Lebensführung.

Kommunehäuser

Später fanden die Konzepte des kollektives Wohnens und Zusammenlebens vor allem im Sozialismus Anklang. In der Sowjetunion entstanden im frühen 20. Jahrhundert beispielsweise sogenannten Kommunehäusern. Dort sollte der sozialistische Mensch geschaffen werden.

Architektur wurde martialisch ausgedrückt als Waffe angesehen für die Veränderung der Gesellschaft und auch als Waffe, die den Menschen dazu zwingt, seine Verhaltensweisen zu ändern. — Arnold Bartetzky vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas

Doch auch in  westlichen Demokratien war kollektives Wohnen ein Thema. 1930 entstand zum Beispiel in Stockholm das Kollektivhaus. Nach 1968 gab es kollektives Wohnen in Form von Kommunen und Hausbesetzungen in den 1970er und 80er Jahren.

Kollektives Wohnen

Auch heutzutage gibt es alternative Wohnprojekte, bei denen das kollektive Zusammenleben im Vordergrund steht. Zum Beispiel bei Hausprojekten oder genossenschaftlichen Wohnanlagen.

Über den Zusammenhang von Architektur und den Traum von einem besseren Menschen hat Amelie Berboth detektor.fm-Moderator Christian Erll berichtet. Sie hat mit Arnold Bartetzky vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas (GWZO), Leipzig gesprochen. Er leitet dort die Abteilung Kultur und Imagination und ist Honorarprofessor für Kunstgeschichte.

Arnold BartetzkyIn unserem europäischen Kulturkreis haben Kommunehäuser nicht funktioniert, weil es doch dieses dauerhafte Bedürfnis nach Individualismus gibt. Es gibt natürlich auch ein Bedürfnis nach Vergemeinschaftung. Es gibt aber gleichzeitig ein Bedürfnis nach Privatheit, Selbstbestimmung – auch nach Familienleben!Arnold Bartetzky leitet die Abteilung Kultur und Imagination am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas in Leipzig  

Redaktion: Amelie Berboth

Musik: Shostakovich – Aphorisms op. 13 [1/2]


Das Forschungsquartett in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa

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