Fortschritt | Schnitzeljagd im Internet: Cicada 3301 im Jahr 2014

07.01.2014

In geheimer Mission ermitteln - das klingt äußerst aufregend. Die erste Cyber-Schnitzeljagd namens Cicada ist im Jahr 2012 gestartet. Bis heute weiß keiner, wer die Rätsel eigentlich stellt.

Vor ziemlich genau zwei Jahren ist eine mysteriöse Nachricht im Internet auf der Plattform 4chan erschienen.

Wir sind auf der Suche nach hochintelligenten Personen. Suche nach der Nachricht in dieser Nachricht.

Unterzeichnet wurde der Aufruf mit der Nummer 3301. Damit startete 2012 die erste Cyber-Schnitzeljagd unter dem Namen Cicada.

Noch weiß keiner, wer die Rätsel eigentlich stellt und wozu sie am Ende gut sind. Trotzdem gibt es mittlerweile eine weltweite Cicada-Fangemeinde. Am Wochenende ist die Jagd in die dritte Runde gegangen, denn gelöst ist das Mysterium noch lange nicht. detektor.fm-Redakteurin Juliane Neubauer hat sich mit der Internet-Schnitzeljagd auseinander gesetzt.


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+++Das Gespräch zum Mitlesen+++

Haben die Cicada-Fans jetzt schon los geknobelt?

Aber Hallo, es ist schon einiges passiert bei Cicada 2014. Am Samstag fing alles mit einer Bilddatei an, auf der eine Nachricht zu lesen war. Die wurde über Twitter online verbreitet. In der Datei war der nächste Clue versteckt. Den bekam man nur raus, wenn man eine alte Verschlüsselungs-Software benutzt.

Ich merke schon, ein gewisses IT-Know-How sollte man haben, um überhaupt mitspielen zu können. Wie funktioniert denn diese Cyber-Schnitzeljagd?

Die meisten Hinweise waren 2012 in Bildern, Weblinks oder auch Buchzitaten versteckt. 2013 hat Cicada dann eine mehr technische Richtung eingeschlagen, hat mir Joel Erikkson erklärt. Er hat Cicada auch schon mitgespielt.

Was auch ganz interessant war, an den Aufgaben 2013 ist, dass die Rätsel oder Fragen im fortgeschrittenen Spiel sehr philosophisch wurden. Es schien, als wollten sie vor allem Leute finden, die ihre Weltanschauung teilen.

Aber wer „sie“ sind, also wer sich die Rätsel ausdenkt und verbreitet ist in den letzten zwei Jahren noch nicht rausgekommen.

Unglaublich, dass man so etwas heute wirklich noch erfolgreich geheimhalten kann. Wer könnte denn dahinter stecken?

Es gibt diverse Theorien. Ursprünglich dachten oder hofften einige, dass wirklich die NSA oder sogar die CIA über das Spiel super kluge Leute rekrutieren wollen. Manche vermuteten sogar, Terrororganisationen könnten die Drahtzieher sein. Erikkson hat da aber eine ganz andere Idee:

Ich denke, dass Menschen aus der Krypto-Anarchismus-Bewegung dahinter stecken könnten. Sie benutzen Kryptographie im Netz um freier und unabhängiger zu sein. Bitcoins sind zum Beispiel auch Teil des Krypto-Anarchismus, weil sie den Menschen die Macht über ihr Geld zurückgeben statt sie mächtigen Banken zu überlassen.

Das klingt für mich eigentlich schlüssig, denn die Spieler üben bei Cicada den Umgang mit Verschlüsselungs- und Entschlüsselungs-Software. Und dann gab es zum Beispiel auch Hinweise, in denen man Literatur von Willam Gibson erkennen musste. Und Gibson gilt quasi als Vater des Cyberpunks. Also ist das mit dem Krypto-Anarchismus scheinbar gar nicht so weit hergeholt.

Wenn man alle Rätsel erfolgreich gelöst hat, gewinnt man dann einen Preis oder bekommt man eine Urkunde?

Ganz ehrlich. Ich kann dir das nicht sagen. Erikkson hat mir erzählt, dass nur die schnellsten, die das letzte Rätsel in den Runden 2012 und 2013 gelöst haben, sich auf einr Url registrieren konnten und er vermutet, dass sie in so eine Art Inner-Circle aufgenommen werden.

Selbst wenn man in die Organisation aufgenommen wird, bekommt man nicht gleich alle Informationen. Ich glaube nicht, dass man erfährt, wer die Drahtzieher sind oder andere Details. Ich denke, man erfahrt in erster Linie mehr über das Ziel und den Sinn von Cicada 3301. Aber sie kommunizieren weiterhin anonym mit ihrem Mitgliedern.

Also, es ist und bleibt ein Mysterium wer dahinter steckt. Es gibt übrigens Spaßvögel, die tun so, als seien sie von Cicada und verbreiten dann irgendwelche falschen Informationen. Also nicht gleich alles glauben, was da verbreitet wird.

Meinst du, ich könnte das Rätsel auch bis zum Ende lösen?

Kommt darauf an. Man sollte mindestens ein bisschen programmieren können. Und sollte sich auch für Verschlüsselungssoftware interessieren, sonst macht das, glaube ich, eher kein Spaß.