Die Freiheit der Kunst – Freispruch für Jonathan Meese

15.08.2013

Das Amtsgericht Kassel hat entschieden, dass der Hitlergruß im Spott gezeigt werden darf. So hat das Gericht ein Zeichen für die Kunstfreiheit gesetzt. Hat die Kunst also keine Grenzen?

Meese muss sich und seine Kunst seit Jahren erklären. Foto: © Wildbild/AFP

„Wer interessieren will, muss provozieren“ hat Salvador Dalí einmal gesagt. Und genauso wie Dalí hält es auch Jonathan Meese. Er beschäftigt sich mit Mythologien, Heldensagen, Weltgeschichte – und gern auch mit Hitler.

„Diktatur der Kunst“

Meese trägt bei seinen Performances NS-Uniformen und zeigt den Hitlergruß. Dabei fordert er immer wieder eine „Diktatur der Kunst“. Die Kunst soll die absolute Macht haben. Im letzten Jahr wurde ihm seine Kunst-Performance aber zum Verhängnis.

Grenzen der Kunst?

hat an der LMU das Projekt «Philosophie trifft Kunst» geleitet.Jakob Steinbrennerhat an der LMU das Projekt «Philosophie trifft Kunst» geleitet. 

Im Juni 2012 war Meese zu einer Gesprächsrunde eingeladen und hob dort die Hand zum Hitlergruß. Vor dem Amtsgericht Kassel ist ihm daraufhin der Prozess gemacht worden. Denn wer ein Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation benutzt, macht sich strafbar. Meese verteidigte die Handlung als Teil seiner Performance. Dem schloß sich das Gericht jetzt an und sprach Meese frei. Nach Auffassung der Richter habe sich der Künstler eindeutig nicht mit den nationalsozialistischen Symbolen identifiziert und den Hitlergruß im Spott gezeigt.

Gibt es also in der Kunst keine Grenzen? Ist der Freispruch ein Erfolg oder eine Niederlage für den Rechtsstaat? Darüber haben wir mit dem Philosophie-Professor Jakob Steinbrenner von der Ludwig-Maximilians-Universität München gesprochen.

Ich darf natürlich nicht als Kunstwerk zur Bank gehen und sagen ‚Jetzt geben Sie mir mal Ihr Geld, sonst erschieß‘ ich Sie!‘ – Jakob Steinbrenner