Freistunde | Hörkunst Labor: “MPC & ME” – Ein Feature von Rafael Jové

29.09.2013

Wie entsteht ein richtig guter Hip-Hop Beat? Der Audiokünstler Rafael Jové hat jahrelang Soundschnipsel gesammelt und sucht sich nun fachkundige Hilfe. Mit diesem Musik-Feature beginnt eine Reihe, die studentische Arbeiten präsentiert: Das "Hörkunst Labor"!

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Foto: © Rafael Jové

„MPC & ME“ – Ein Feature von Rafael Jové

Jahrelang hat Rafael Jové Soundschnipsel aus alten Schallplatten gesammelt und auf Audiokassetten archiviert, um eines fernen Tages Hip Hop-Beats daraus zu machen. Aber irgendetwas ist ihm immer dazwischen gekommen. Für dieses Musik-Feature nimmt der Autor sich vor, endlich seinen ersten Beat zu produzieren. Als er an seinem MPC Sampler alleine nicht mehr weiterkommt, holt er sich fachkundige Hilfe. Eine Reise auf dem Experimentierfeld des Beats.

Rafael Jové ist 1977 in Hamburg geboren, ausgebildeter Tontechniker und studierte Experimentelles Radio in Weimar. Heute ist er DJ und produziert Radiohörspiele und Features.

 

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+++ Das „Hörkunst Labor“ präsentiert in der Freistunde an jedem letzten Sonntag im Monat studentische Arbeiten aus Instituten für Medienkunst +++


Das denkt der Autor heute beim Hören:

»MPC&ME« war eine sehr freie Arbeit, die ich direkt im Anschluss an die Fertigstellung meines Hörspieles „Das Radio ist nicht Sibirien“ gemacht habe. Während dort mit vielen Mitwirkenden ein Skript im Studio aufwendig umgesetzt werden musste, konnte ich für »MPC&ME« alleine zuhause arbeiten und das Stück werkstattartig entwickeln d.h. Aufnahmen, Schnitt, Materialsuche liefen parallel, bis das Stück halt irgendwann fertig war.

Rafael Jové 
(mit falscher Nase) / Foto: © Mario WeiseRafael Jové
(mit falscher Nase) / Foto: © Mario Weise
 

Maßgeblich für diese neue Arbeitweise war die kurz vorher erfolgte Anschaffung eines hochwertigen Fieldrecorders, den ich mit »MPC&ME« auf Leib und Magen testen wollte und mit dem ich alles aber auch alles im Stück aufgenommen habe. Als nicht unbedingt technikbegeistertem Menschen, war mir diese minimalistische Produktionsmethode sehr angenehm und ich finde beim nachträglichen Hören, dass sie zu einer sehr direkten, geradezu intimen Erzählform geführt hat.

Gerade das Einbeziehen von Anekdoten und Originalaufnahmen aus meiner Hip Hop Jugend (die leider für die hier gesendete Kurzversion dem Schnitt zum Opfer gefallen sind), macht »MPC&ME« zu einer sehr persönlichen Geschichte, der ich selbst nicht bescheinigt hätte, für einen größeren als meinen Bekanntenkreis interessant zu sein.

Der Umstand, dass »MPC&ME« ohne jeglichen Auftrags- und Verwertungsdruck in einem Uniprojekt entstand, hat meine unaufgeregte und undogmatische Herangehensweise ans Featureformat sicherlich begünstigt. Zusammenfassend sehe ich »MPC&ME« als leicht verschrobene Dokumentation des Vorhabens, etwas lange geplantes endlich dadurch umzusetzen, dass man es dokumentiert. Eine Selbstüberlistung durch künstlich erzeugten Druck. Eine stilistische Fingerübung, die anscheinend ausreichend ist, um auch mir fremde Menschen zu unterhalten. Eine Arbeit, die die Welt nicht unbedingt gebraucht hätte, deren Anhören aber hoffentlich auch nicht das Gefühl hinterlässt, um kostbare Lebenszeit betrogen worden zu sein.

Rafael Jové

Das denkt die Redaktion:

Rafael Jové ist mit „MPC & ME“ ein akustisch und inhaltlich reizvolles Musikfeature gelungen. Der Plot etwickelt sich mit der Suche nach dem vollendeten Beat und wird selbst eine rhythmische Klanggestalt, die das Sprechen über Hip Hop und das musikalische Vordringen in die Geheimniss des Sampelns klanglich gelungen verschränkt.

Wir hören den Autor bei einer ganz persönlichen Geschichte. Hautnah am Prozess wird der Hörer in eine leidenschaftlich verspielte Suche mitgenommen. Das Feature ist an keiner Stelle nicht auch Musik und das macht sehr viel Spaß!

Sofia Flesch Baldin