Freistunde | Hörkunst Labor: Recyklang und Blank – Kurzhörstücke

27.10.2013

Nach der Produktion eines Albums fallen ungebrauchte Tonspuren und Klangschnipsel an. "Recyklang" umfasst drei kurze experimentelle Stücke von Maria Antonia Schmidt, die aus Tonabfällen entstanden sind. In "Blank" von Elena Zieser wird die fiktive Subjektivität von körperlicher Bewegung zu einem musikalisch-poetischen Kaleidoskop.

-

+++ Das „Hörkunst Labor“ präsentiert in der Freistunde an jedem letzten Sonntag im Monat studentische Arbeiten aus Instituten für Medienkunst +++

 


 

Recyklang von Maria Antonia Schmidt

Nach 
der
 Produktion
 eines
 Tonträgers
 fallen 
Unmengen
 von 
ungebrauchten Spuren,
 Schnipseln 
und
 Geräuschen 
an.
 Dateien, 
die 
man 
löschen 
könnte 
oder 
aber auch, 
die 
‐ wie 
in
 diesem 
Falle 
geschehen ‐
 als
 Material
 und 
Inspiration 
für 
neue 
Kompositionen
 dienen 
können.

Maria Antonia Schmidt hat als Pendant 
zum Musikalbum
 „Hab 
& 
Hut“ ihrer Band 
„Chapeau 
Claque“ drei experimentelle
 Stücke
 produziert. „I know you“,  
“Menchenfresser Aku“ und „Schöner 
Moment“
. Das letzte Stück arbeitet 
darüber 
hinaus
 mit 
O‐Tonmaterial 
einer 
Deutschlandradio‐Debatte 
zum
 Thema 
Atomenergie.

experimentelles Radio 38394experimentelles Radio 


Maria Antonia Schmidt über das Recyceln von Klängen:

Dass man Dinge recyceln, und aus „Abfall“ wieder neue, eigenständige Dinge machen kann, ist uns bekannt. Neben dem hauptsächlichen Ansatz des Recyclings, der Wiederverwertung von Materialien aus Nachhaltigkeitsgründen, gibt es einen weiteren, einen künstlerischen Ansatz Material zu recyceln: die Dinge ihrer alten Form entziehen, entrücken und in eine neue spannende Form zu verwandeln.

Chapeau Claque 38393Chapeau Claque 

Verlässt man die Welt des Materiellen und begibt sich in die Welt der Klänge findet man auch hier Unmengen an überschüssigem Klangmaterial, dass auf vielen Musik- und Audioproduktionen keinen Platz gefunden hat. Auch hier fallen nach der Produktion eines Tonträgers Unmengen von ungebrauchten Spuren, Schnipseln und Geräuschen an. Sicherlich könnte man die Dateien schlichtweg in den Papierkorb werfen und auf „Papierkorb entleeren“ drücken, allerdings reizte es mich auch hier mit den überschüssigen Material „recycelte Musik“ zu machen.

Der Reiz dabei ist, dass man sich selber Grenzen setzt, indem man sich beim Komponieren hauptsächlich auf das Ausschussmaterial beschränkt. In diesem Fall handelt es sich um die nichtverwendeten Studiospuren der „Hab&Hut“ Albumproduktion von Chapeau Claque. Die Stücke, die hierbei entstanden sind, zeugen von teils dadaistischer, klangexperimenteller Natur. Wer genau hinhört kann das Ausgangswerk vielleicht erraten.


Das denkt die Redaktion:

In den drei Kurzstücken wirken bearbeitete Geräusch- und Klangschnipsel in die musikalisch-rhythmische Textualität der Pop Songs ein: Die Melodie wird strukturiert von Papierreißen und Feuerwerk, getragen von weichem Knarren und Tuten. Der assoziative Anteil der Geräusche wirkt narrativ und erinnert den Zuhörer unterschwellig an die kreative Sensibilität, seine Wirklichkeit musikalisch zu begreifen.

Dass Alltagsgeräusche in Songs zu Klangwerk werden, ist nicht neu, bei Maria Antonia Schmidt aber sehr reizvoll. Die Klangelemente sind weich, moderat und transparent komponiert, was den Songs einen leichten und verträumten Charakter gibt. Verschränkt mit O-Tonmaterial einer Deutschlandradio-Debatte zum Thema Atomenergie wird dieser Charakter zur politischen Haltung – auf der Länge des Songs „Schöner Moment“ kann diese allerdings nur eine oberflächliche sein.

Sofia Flesch Baldin


Blank von Elena Zieser

Wir gehen auf unseren Beinen, auf unseren Füßen. Wir bewegen uns fort. Tastend, mutig und leichtsinnig. Jedes Körperteil hat seine Funktion. Vorankommen, losrennen, hinfallen, weitermachen. Berühren wir uns, fallen wir. Oder lachen. Manchmal geht uns im Lauf etwas verloren.
Ein Hörstück über den Weg des Lebens und wie wir ihn gehen.

experimentelles Radio 38396experimentelles Radio 


Elena Zieser über ihre erste Studioproduktion:

„Blank“ ist mein erstes Hörspiel. Ich war im zweiten Semester und habe diesen Kurs an der Uni Weimar belegt, der in Kooperation mit den Puppenschauspielern der Ernst Busch stattfand. Ich erinnere mich, dass alles einfach sehr aufregend war: Das erste Mal im Studio mit professionellen Sprechern und Sprecherinnen, Regieanweisungen geben. Ich erinnere mich, dass wir auch nur begrenzt Zeit hatten und unsere Dispo sehr genau einhalten mussten, um ein Gefühl für die Arbeitszeit im Studio zu bekommen.

Das CoverBlankDas Cover 

Ich hatte die Idee, den Sprecher in verschiedenen Sprachhaltungen aufzunehmen. Diese „Methode“ habe ich in einem Workshop mit Ulrich Gerhardt kennengelernt. Ich finde es spannend, was für eine Dynamik ein und dieselbe Stimme entwickeln kann. Manchmal zweifelt man sogar, ob es wirklich noch derselbe Sprecher ist. Ich weiß noch, dass ich den Text jeden Tag anders gelesen habe. Manchmal fand ich ihn zutiefst traurig und deprimierend und dann wieder sehr fröhlich.

Für mich war diese Arbeit der Beginn, Hörspiele zu produzieren. Und ich glaube, so ein erstes Mal im Studio vergisst man nie.


Das denkt die Redaktion:

Das Wort „Blank“ bedeutet soviel wie „schimmernd“, „entblößt“ oder auch „pleite“. In diesem Stück nimmt das sprechende „Wir“ die „blanke“ Subjektivität körperlicher Bewegung ein. Deren Wahrnehmung ist die offen gelegter Nerven.

Die Entdeckungen und Gedanken sind zu einer vielschichtigen Klang- und Wortkomposition verdichtet, die die körperliche Spur der Stimmungen und Bilder konsequent verfolgt. Der Sprecher vermittelt stimmlich unkommentiert die wechselnden, schimmernden Zustände dieses „Blankseins“, was das Stück sehr intensiv macht.

Das Stück ist eine poetisch-musikalische Gesprächigkeit körperlicher Bewegung im Kaleidoskop einer hypersensiblen Subjektivität – die potentiell „unsere“ Subjektivität sein könnte.

Sofia Flesch Baldin


Nach 
der
 Produktion
 eines
 Tonträgers
 fallen 
Unmengen
 von 
ungebrauchten

Spuren ,
 Schnipseln 
und
 Geräuschen 
an.
 Dateien, 
die 
man 
löschen 
könnte 
oder 
aber, 
die 
‐

wie 
i n
diesem 
Falle 
geschehen ‐
 als
 Material
 und 
Inspiration 
für 
neue 
Kompositionen

dienen 
können.

„Recyklang“
 ist 
das
 experimentelle
 Pendant 
zum 
eigentlichen 
„Chapeau 
Claque“‐ Musik‐

Album
 „Hab 
& 
Hut“. 
Das 
Stück
 „Schöner 
Moment“
arbeitet 
darüber 
hinaus
 mit 
O‐

Tonmaterial 
einer 
Deutschlandradio‐Debatte 
zum
 Thema 
Atomenergie.