Gesund Leben | Wechselwirkungen: Wenn Medikamente miteinander reagieren

17.02.2014

Mehrere Tabletten am Tag - für viele, vor allem bei einer starken Erkältung, keine Ausnahme. Doch unterschiedliche Medikamente können untereinander für Wechselwirkungen sorgen.

Unbedacht eingenommene Medikamente können zu Wechselwirkungen führen. Foto: weisserstier | Lizenz: CC BY 2.0

weiß, wie sich Wechselwirkungen vermeiden lassen.Karolin Döhneweiß, wie sich Wechselwirkungen vermeiden lassen. 

Eine Tablette gegen Kopfschmerzen, ein Hustenlöser und dazu vielleicht noch ein Antibiotikum, das der Arzt verschreiben hat. So kann bei einer handelsüblichen Erkältung schon mal ein ganzes Arsenal an Medikamenten zum Einsatz kommen. Doch was viele nicht wissen: Medikamente reagieren  untereinander und können starke Wechselwirkungen erzeugen.

Wie gefährlich sind Wechselwirkungen?

Antidepressiva, Mineralstoffpräparate  und Schmerzmittel. Sie alle gehören zu den Arzneimittelgruppen, die am häufigsten Probleme bereiten. Aber auch Nahrungsmittel wie Milch oder Grapefruitsaft sollten nicht mit allen Medikamenten kominiert werden.

Auf was man achten sollte um Wechselwirkungen zu vermeiden, weiß unsere Redakteurin Karolin Döhne.

Gesund Leben | Wechselwirkungen: Wenn Medikamente miteinander reagieren

Komplett verhindern kann man Wechselwirkungen nicht. Aber man sollte sie auf jeden Fall immer kennen und die Medikamente aufeinander abstimmen lassen. -Karolin Döhne


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Das Interview zum nachlesen:

Nebenwirkungen kennen wir ja, aber was ist der Unterschied zu Wechselwirkungen?

Also, eigentlich ist das ziemlich einfach erklärt. Wechselwirkungen können dann auftreten, wenn man mehr als ein Medikament einnimmt. Dann kann es nämlich passieren, dass ein Medikament die Wirkung des anderen eben abschwächt oder auch verstärkt. Und eine einfache Regel: je mehr Medikament man nimmt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für Wechselwirkungen.

Was sind denn „klassische Beispiele“ für Wechselwirkungen bei Medikamenten?

Also ein klassisches Beispiel ist die Kombination Antibiotika und Kalzium. Da hebt nämlich das Kalzium die Wirkung mancher Antibiotika auf und die werden wirkungslos. Deshalb sollte man Antibiotika nicht unbedingt mit Milch einnehmen oder auch keine Kalzium-präparte gleichzeitig nehmen. Ein anderes – und vielleicht auch ein bisschen gefährlicheres Beispiel – ist die Wechselwirkung zwischen dem Gerinnungshemmer Marcumar und pflanzlichen Johanniskrautpäparaten. Die schwächen den Blutverdünner nämlich ab oder heben die Wirkung manchmal auch ganz auf und dann steigt die Thrombosegefahr. Und auch die Grapefruit ist so ein Obst, das sich nicht mit allen Medikamenten gut verträgt.

Was macht die?

Die Garpefruit reagiert mit einem Enzym, das CYP3A4 heißt. Dieses Enzym findet man in der Leber und der Darmwand und es ist dafür verantwortlich, dass viele Arzneimittel wie zum Beispiel Schmerzmittel und Psychopharmaka richtig abgebaut werden. Mann muss sich das so vorstellen, das von vielen Tabletten, die wir nehmen ja nur ein Teil der Dosis ins Blut kommt und zwar unter anderem wegen dieses CYP3A4- Enzyms. Das baut nämlich die Tabletten schon im Dünndarm ab und wenn jetzt die Grapefruit ins Spiel kommt, dann heften sich die Inhaltsstoffe der Grapefruit an das CYP3A4 und schalten es aus. Und so gelangt viel mehr Wirkstoff als geplant ins Blut und das kann dann entsprechend starke Nebenwirkungen verursachen.

Gibt es denn Gruppen, die Besonders von Wechselwirkungen betroffen sind?

Die gibt es natürlich: das sind meistens ältere Menschen, die ja oft mehrere Präparate auf einmal nehmen müssen. Aber: es trifft schon alle, die Tabletten kombinieren. Also verschriebene sagen wir mal Erkältungsmittel – können mit freiverkäuflichen Hustenlösern eventuell reagieren. Und vor allem Menschen, die Mittel gegen Depressionen oder auch Herz-Kreislauf Beschwerden nehmen sollten da ein bisschen aufpassen und wenn möglich Wechselwirkungen verhindern. Das gilt übrigens auch für Menschen deren Stoffwechsel sich verändert, also wieder: Ältere, aber eben auch Schwangere. Da wirken manche Medikamente einfach anders und auch da sollte man wenn möglich Wechselwirkungen verhindern.

Verhindern ist ein gutes Stichwort. Geht das denn überhaupt?

Naja, also komplett verhindern kann man Wechselwirkungen nicht, aber man sollte Sie auf jeden Fall immer kennen, beziehungsweise die Medikamente aufeinander abstimmen lassen. Das kann man am besten zusammen mit seinem Hausarzt oder aber auch immer in der Apotheke. Da sagt man am besten, was man gerade zusammen nimmt und klärt, ob sich die Medikamente überhaupt vertragen oder ob ich nicht ein Präparat wechseln oder eben auch absetzen muss. Im Normalfall steht auch auf der Packungsbeilage immer drauf, welche Medikamente nicht kombiniert werden sollten, aber das das ist oft auch so kompliziert geschrieben, dass man im Notfall lieber beim Fachmann nachfragt.

Kannst du das vielleicht abschließend nochmal zusammenfassen?

Also es gibt so ein paar Regeln, die man einfach in Kopf behalten sollte. Wenn ich mehrere Medikamente nehme, dann schreib ich die auf und zeig sie meinem Arzt oder Apotheker. Wenn ich ein neues Medikament verordnet bekomme, dann sollte ich offenlegen, welche Medikamente ich sonst noch nehme – und das fängt bei der Pille schon an, da manche Medikamente die Wirkung aufheben können. Wenn man sich unsicher ist, einfach in der Apotheke nachfragen und sich im besten Fall sowas wie eine Stammapotheke suchen. Dort können die Medikamente aufgelistet werden und dann sieht der Apotheker sofort, wenn sich was nicht verträgt.