Professoren boykottieren Betriebswirte-Ranking: Erfolg durch “Prinzip Dünnpfiff”?

03.09.2012

Die forschungsstärksten Professoren sollen im «Handelsblatt Betriebswirte-Ranking» ermittelt werden. Doch das finden nicht alle gut: 250 Professoren wollen das diesjährige Ranking boykottieren. Was bringen Top-100 Listen in der Forschung?

Für Professoren sollte beides zum Arbeitsalltag gehören: Forschung, aber auch Lehre. Schaffen können sie das immer öfter nicht. © Jens Schlueter / dapd

Seit 2009 veröffentlicht das Handelsblatt das Betriebswirte-Ranking. Das nächste erscheint am 10. September. Dort sollen die 100 besten deutschsprachigen Betriebswirte ermittelt werden – nach ihren Forschungsergebnissen der letzten fünf Jahre.

ist Professor für Managementtheorie und hat den Ausstieg aus dem Ranking initiiert.Alfred Kieserist Professor für Managementtheorie und hat den Ausstieg aus dem Ranking initiiert. 

Rankings im Hochschulbereich sind schon lange sehr beliebt, in letzter Zeit jedoch auch immer umstrittener. Im Fall des Betriebswirte-Rankings unterzeichneten 250 Professoren eine Protestnote. Diese wurde unter anderem von Alfred Kieser, Professor für Managementtheorie an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, initiiert. Einer der Kritikpunkt ist unter anderem, dass Ergebnisse solcher Top-Listen nur dazu führen, Forschung nach dem „Prinzip Dünnpfiff“ zu betreiben:

Wissenschaftler schreiben nicht mehr über das, was sie interessiert, sondern was Punkte bringt. Sie meiden riskante Forschung und variieren das Bewährte. Das ruiniert die Wissenschaft. (Alfred Kieser)

Das beeinflusse nicht nur die Qualität der Forschung: wegen eines schlechteren Rankings kippeln nicht selten auch Stellenbesetzungen:

Es ist unheimlich schwer, für einen vermeintlich „schlechteren“ Kandidaten im Bewerbungsverfahren zu argumentieren. Das beeinflusst auch das Universitätsklima negativ. (Alfred Kieser)

Auch das Vorgehen bei der Ermittlung der Ranking-Plätze finden die Professoren fragwürdig, da es Forschung- und Lehrleistung voneinander trenne und nur Journalpublikationen betrachtet werden. Ob Rankings in der Forschungslandschaft generell als sinnvoll zu bewerten sind und wie, in den Augen der Kritiker, ein „gutes“ Ranking aussehen müsste, erklärt uns Alfred Kieser im Interview.

 

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