Huren, Geister und Co. – Frauen im Western

03.08.2013

Der Western ist eigentlich ein klassisches Männergenre. Trotzdem bevölkern interessante Frauenfiguren die Saloons und Straßen. Ein Perspektivwechsel.

Nina Hoss such ihr Glück im Westen. In Thomas Arslans “Gold”. Foto: Patrick Orth/Schramm Film

Die Helden im Westernfilm sind Männer. Im Gegensatz dazu ist die Rolle der Frau alles andere als eine Erfolgsgeschichte.

Thomas Arslans „Gold“ zeigt, dass dies auch anders geht. Und auch sonst prägen Frauen den Westernfilm stärker als viele glauben.

Erste Szene

Schwarze Leinwand. Dann öffnet sich die Tür, eine Frau tritt aus dem Dunkeln ins gleißende Licht der Prärie – und wir mit ihr. Das ist die erste Szene aus John Fords Meisterwerk „The Searchers“ (deutsch: Der schwarze Falke); und auch wenn unser gelenkte Blick auf die kleine, verschwommene Gestalt in der Ferne fällt, ist uns die Frau hier viel näher. Sie wird es durch den ganzen Film hinüber bleiben.

Natürlich ist die Rolle der Frau im Westerngenre eine Problematische. Das war sie schon immer. Ihre Perspektive war kaum gefragt unter den vor allem männlichen Regisseuren. Die Eroberung des Westens war aus ihrer Perspektive halt Männersache. In einer Landschaft voll rauchender Colts und Bogen schießender Indianer sind Frauen häufig nur hübsches Beiwerk. Sie klammern sich an ihren Mann, warten auf ihn im warmen, wohligen Heim, winken ihm hinterher. Sie sind Zeichen der Häuslichkeit, des Traums, für den die Männer draußen die Abenteuer erleben.

Eine andere Perspektive

Doch wer wartet und sitzt, der wird – wie wir im Kino – mit der Zeit zu einem genauen Beobachter der Dinge. Und man müsste die Geschichte der Frau im Western neu schreiben. Als Perspektive der Kritik und des Mahnens. Also eine Geschichte derjenigen, die die Sinnlosigkeit der Unterschlagung des Westens anprangern.

Die Bücher und Texte dazu fehlen, wie gesagt, aber die Filme dazu gibt es längst. Filme in den Frauen die ganze Palette der Westernfiguren verkörpern. Von der Heldin bis zum Bösewicht. Es sind nicht viele, das stimmt. Aber unter ihnen schlummern Landschaften voller Weisheit.

Kais Harrabi und Patrick Wellinski haben sich an einem Überblick versucht. Herausgekommen sind sechs kleine Beiträge über ganz unterschiedliche Frauenrollen.


Die Frau als Hauptfigur in «Gold» von Thomas Arslan

Die Frau als Geist in «Der Teufelshauptmann» von John Ford

Die Frau als Fetischobjekt in «Bandidas» von Espen Sandberg und Joachim Rønnig

Die Frau als Fetischobjekt in «Bandidas» von Espen Sandberg und Joachim Rønnig

Die Frau als Schurkin in «Johnny Guitar» von Nicholas Ray

Die emanzipierte Frau in «Vierzig Wagen Westwärts» von John Sturges

Die emanzipierte Frau in «Vierzig Wagen Westwärts» von Nicholas Ray

Die Frau als Hure in «McCabe & Mrs. Miller» von Robert Altman