Was wichtig wird | Jerry Saltz‘ Scheitern in der Kunst

"Warum die? Warum ich nicht?"

01.06.2018

Der Kunstkritiker Jerry Saltz hat sein eigenes Scheitern als Künstler beschrieben. Und dafür den Pulitzer-Preis in der Sparte Kritik bekommen. Elke Buhr vom Monopol-Magazin beantwortet die Frage, ob Kunstkritiker nur gekränkt sind, weil sie selbst nicht können, was sie eben kritisieren.

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Pulitzer Preis fürs Scheitern

Der renommierte Kunstkritiker Jerry Saltz gesteht in seinem Essay: „Ja, ich bin ein gescheiterter Künstler!“ Aber er liebt die Kunst trotzdem. Für seine zärtliche und offene Beschreibung des Scheiterns im New York Magazine hat er vergangenen Monat einen Pulitzer-Preis bekommen. In der Kategorie „Kritik“, natürlich!

Jerry Saltz Erfolglosigkeit? Absehbar!

Sein Scheitern ist keine große Überraschung, muss er am Ende selbst erkennen. Die Selbstzweifel, die wohl jeder Künstler und jede Künstlerin hat, waren stärker. Auch Elke Buhr vom Monopol Magazin hält sein Projekt für überambitioniert.

Jerry Saltz kam noch aus der Konzeptkunst der Siebziger Jahre. Er wollte die gesamte Göttliche Komödie von Dante bebildern. Und zwar in abstrakter Form. -Elke Buhr, Monopol Magazin

10.000 Bilder sollten es werden, schreibt er in seinem Essay. Also nicht sonderlich überraschend, dass er irgenwann aufgab.

Das Klischee vom gekränkten Künstler

Die Kunst liebt Jerry Saltz trotzdem noch. Und er entkräftet das Klischee, dass Kunstkritiker selbst nur gescheiterte und gekränkte Künstler-Egos sind. Das ist nicht das einzige Stereotyp, das nicht stimmt, sagt Elke Buhr vom Monopol Magazin. Denn nur wenige Künstler führen ein Leben, wie man es sich für die Kunstszene typischerweise vorstellt. Stattdessen ist das Künstlerleben sehr prekär. In Berlin zum Beispiel kann nur jeder Zehnte von seiner Kunst leben. Was auch zu den von Jerry Saltz beschriebenen Anflügen von Neid führen kann, sagt Buhr:

In Wirklichkeit ist das so ein kleiner Prozentsatz von den Künstlern, die am Ende wirklich gut von ihrer Kunst leben können. Sodass alle anderen sich natürlich fragen: ‚Warum die? Und warum ich nicht?‘ -Elke Buhr

Ob es mehr Künstler verdient hätten, von ihrer Kunst leben zu können erklärt Elke Buhr im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Christian Erll.

Das Haus der Kunst in München sagt Joan Jonas Ausstellung abDas ist wahnsinnig komplex. Man muss zur richtigen Zeit die richtigen Sachen machen. Und die richtigen Leute kennen lernen.Elke Buhr, Chefredakteurin bei Monopol - Magazin für Kunst und Leben 


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