Kino | Dschungelbuch, Wild und Hardcore

Wilde Tiere und mordende Cyborgs

14.04.2016

Eine interessante Filmmischung findet sich heute bei den Kinotipps mit Anna Wollner. Das Remake des "Dschungelbuchs" weckt Erinnerungen, der Film "Wild" ist eine Art Aussteigerfilm mit Frauentheorien und "Hardcore" etwas für Action-Fans, die auf Ego-Shooter und wenig Story stehen. Ob sich der Gang ins Kino lohnt?

Wieder im Kino: Das Dschungelbuch

„Probiers mal mit Gemütlichkeit“ – dieses Lied aus dem Dschungelbuch kennt wohl jeder. Und die Geschichte um den jungen Mogli, der allein im indischen Dschungel lebt, auch. Der Film wurde jetzt nach 50 Jahren vom Regisseur Jon Favreau für Disney neu aufgelegt. Diesmal nicht als Zeichentrickfilm, sondern mit einem realen Mogli aus Fleisch und Blut und mit Tieren aus dem Rechner.

In der Neuverfilmung ist vor allem Schluss mit der Gemütlichkeit seines Vorgängers. Das Remake ist viel ernsthafter und bei weitem furchteinflößender als der Zeichentrick-Klassiker. Die Effekte sind beeindruckend und die Bilder spektakulär. Doch ist das neue Dschungelbuch teils so düster, dass unsere Kino-Expertin Anna Wollner warnt, er sei nicht für Kinderaugen geeignet. Dennoch ist sie begeistert:

Unglaublich, welche Triggerpunkte dieser Film bei mir ausgelöst hat, und es ging so weit, dass ich das Gefühl hatte, den Film mitsprechen zu können. – Anna Wollner, detektor.fm-Kinoexpertin

Wild

Die Hauptperson Ania hat eine ganz besondere Begegnung mit einem wilden Tier. In „Wild“ erzählt die Regisseurin Nicolette Krebitz die animalische Liebesgeschichte zwischen Frau und Wolf. Klingt verrückt, doch das ist der Film keinesfalls. Vielmehr besitzt „Wild“ eine unheimliche Sogwirkung.

Er zeigt die emanzipatorische Geschichte einer Frau durch starke, teils sehr verstörende Bilder und spart dabei nicht an Zivilisationskritik. Ungewöhnlich ist, wie der Wolf im Film als Symbol für den Trieb der Frau dient. Hinzu kommt: Der Wolf ist echt! Anders als beim Dschungelbuch ist das Tier nicht am Computer entstanden. Aber weil über diesem Film ständig die spürbare Gefahr des wilden Tiers liegt, erlangt er etwas kühles, etwas märchenhaftes und naturalistisches, dass „Wild“ sehenswert macht. Anna Wollner meint:

Die Verwandlung von Ania, von einer ganz normalen jungen Frau hin zu einer Frau, die mit einem Wolf lebt, hat so etwas beunruhigendes. Das sind Kinobilder, die mich nicht sofort losgelassen haben. – Anna Wollner

Hardcore

Der Kinofilm „Hardcore“ kurz beschrieben: Ein Film wie ein Ego-Shooter, voller Gewalt. Ja, dass „Hardcore“ vor greulicher, maßloser Gewalt strotzt, soll nicht bestritten werden, aber das ist mittlerweile nichts Besonderes, so etwas hat es schon gegeben. Eindruck schindet der Film erst durch seine Perspektive. Denn Hardcore ist ein POV-, ein Point-of-View-Film, in subjektiver Kameraansicht gedreht. Der Kinobesucher sieht alles so, wie es der mordende Cyborg-Protagonist Henry sieht. Und das ist in dieser Form etwas noch nie dagewesenes.

Doch obwohl gerade der Film aufgrund seiner Kameraperspektive so gefilmt ist, als stecke man selber in der Haut von Henry, lässt einen das Geschehen eher kalt. Wohl, weil man mit der Hauptfigur wenig mitleiden kann. Insgesamt wird nur wenig erzählt, und es ist nirgends zu beobachten, was das blutige Abschlachten beim Protagonisten auslöst. Anna Wollner meint:

Ein filmisches Experiment, was doch irgendwie gescheitert ist, auch wenn ich glaube, das in Zukunft mehr solche Filme auf uns zukommen werden. – Anna Wollner

detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf hat mit Kinoexpertin Anna Wollner über die Neustarts der Woche gesprochen.

The Big SickDu hast in diesem Film wirklich das Gefühl: Du stehst im Dschungel. Ein Film, bei dem sich 3D endlich wieder lohnt und einen optisch umhaut. Anna Wollnerfindet das Dschungelbuch ist kein wirklicher Kinderfilm, denn dazu ist er zu düster. 

Redaktion: Carsten Jänicke

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