Kino | Hail Caesar, Zoolander 2, Colonia Dignidad

Erinnerungen an die (gute) alte Zeit

18.02.2016

Die Kinoneustarts der Woche laden uns zu einer kleinen Zeitreise ein. Vom Hollywood der 50er über das krisengeschüttelte Chile in den 70ern bis hin zum Ausflug in die Modewelt der 2000er. In drei Filmen werden alte Geschichten ausgegraben. Und Anna Wollner weiß, welche davon wieder gut auf der Leinwand funktionieren.

Hail Caesar – Neuerfindung à la Coen-Brothers

Damals, im alten Hollywood, da gab es noch Menschen wie Eddie Mannix. Als Fixer versuchte er jedes Problem von seinem Filmstudio Capitol Pictures fernzuhalten. Die Coen-Brüder inszenieren mit „Hail Caesar“ ein desillusionierendes Hollywood Anfang der 1950er-Jahre. Dem großen Schein der Traumfabrik wird das schockierende Sein entgegengestellt. In hochkarätiger Besetzung zeigt der Eröffnungsfilm der Berlinale, dass Filmstudios in den goldenen Zeiten Hollywoods erstaunlich wenig mit Glamour zu tun hatten.

Er ist vor allem eines Eröffnungsfilms für die Berlinale absolut würdig. Aber ich glaube, am Ende wird es jetzt nicht der Kultfilm der Coen-Brüder werden. – Kinoexpertin Anna Wollner

Zoolander 2 – Das Comeback der Fashion-Polizei

Sechs tote Popstars, die alle mit dem berühmten „Blue Steel“-Gesichtsausdruck sterben, und nur einer, der das vermeintliche Rätsel lösen kann. Derek Zoolander ist nach 15 Jahren Laufsteg-Abstinenz wieder zurück. Im Gepäck sind wieder eine Menge anbetungswürdiger Outfits und jede Menge Klamauk. 102 Minuten lang begleiten wir Ben Stiller, Owen Wilson und Polizei-Fashionista Penelope Cruz sowie viele berühmte Gaststars auf geheimer Mission in der Fashionwelt.

Das ist Anarchie pur, was da auf der Leinwand passiert. – Anna Wollner

Colonia Dignidad – Die Welt, wie sie Paul Schäfer gefällt

Vierzig Jahre lang hat die sektenähnliche Colonia Dignidad hinter Stacheldraht und hohen Mauern im südlichen Chile existiert. Doch dignidad, also würdevoll, ist die Kolonie, in die sich die beiden Hauptdarsteller Daniel Brühl und Emma Watson begeben, bei weitem nicht. Unter Leitung von Paul Schäfer ist die vermeintliche Kolonie der Würde eine höchst menschenunwürdige Gemeinschaft, aus deren Fängen sich die beiden Protagonisten befreien wollen. Florian Gallenberger hat sich der Geschichte der Sekte angenommen und diese in einem Action-Drama inszeniert.

Es sind spannende Fakten, die hier angerissen werden. Aber über all dem steht halt diese kitschige, vollkommen nicht-funktionierende Liebesgeschichte. – Anna Wollner

Welche altbekannten Geschichten sich erneut zu packenden Leinwandabenteuern entwickelt haben, weiß Kino-Expertin Anna Wollner. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg verriet sie nicht nur ihre Kinofavoriten für diese Woche, sondern auch ihre persönlichen Berlinale-Highlights.

Die Kinoredakteurin Anna WollnerGerade für solche Momente macht es Spaß, Filmkritiker zu sein. Anna Wollnerhat auf der diesjährigen Berlinale wieder fleißig Fahrstuhl-Anekdoten mit Prominenten gesammelt. 

Redaktion: Johanna Siegemund