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Film „Wir sind jung, wir sind stark“: Eine Gruppe von Jugendlichen zieht zum Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen

Kino | Wir sind Jung. Wir sind Stark, Imitation Game, Mortdecai

„Einer der stärksten deutschen Filme der letzten Jahre“

Top oder Flop – bei den Filmen, die diesen Donnerstag in die Kinos kommen, ist alles dabei. Unsere Kinoexpertin Anna Wollner lässt sich bei einer deutschen Produktion, die die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen behandelt, zu einem Superlativ hinreißen. Beim neuesten Film mit Johnny Depp erwartet die Zuschauer ihrer Meinung nach eher eine Enttäuschung.

Wir sind jung. Wir sind stark.

„Wir sind jung. Wir sind stark“ ist neu im Kino. Der Film erzählt aus drei Blickwinkeln die Geschichte um die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen 1992. Zum einen wird die Arbeit des Lokalpolitikers Martin betrachtet, der das Vertrauen seiner Wähler verloren hat. Arbeitslosigkeit und Frust prägt die Menschen im Osten nach der Wende. Und auch sein eigener Sohn Stefan lebt in diesem luftleeren Raum. Seine Clique streift Nachts umher und provoziert mit kleinen Straftaten die Polizei. Ihre Wut erreicht am 24. August 1992 mit dem Brandanschlag auf das sogenannte Sonnenblumenhaus einen grausamen Höhepunkt. In dem Haus leben Anfang der 1990er Jahre Vietnamesen – für die Rostocker Sündenböcke für eine komplexe Zukunftsangst. Die dritte Handlungslinie beschreibt das Leben der Wäscherin Lien, die trotz des wachsenden Hasses im Sonnenblumenhaus wohnen bleiben möchte. Sie hofft, im neu vereinten Deutschland eine neue Heimat gefunden zu haben. Doch für alle beteiligten ändert sich das Leben am Abend des Übergriffs auf das Sonnenblumenhaus.

Mit „Wir sind stark. Wir sind jung.“ hat der Regisseur Burhan Qurbani den Tag chronologisch nacherzählt. Und hat damit einen Film geschaffen, der ungewollt erschreckend aktuell ist. Zu Beginn der Dreharbeiten war noch nichts bekannt von IS-Milizen und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung. Und auch das zur Zeit viel diskutierte Zuwanderungsgesetz ähnelt der Debatte um Asylbewerber Anfang der 1990er Jahre.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Produktion noch viel dramatischer, zugespitzter und sehenswerter. Für Anna Wollner einer der stärksten deutschen Filme der letzten deutschen Jahre.

Imitation Game

Der Film „Imitation Game“ ist in der vergangenen Woche für acht Oscars nominiert wurden. Es handelt sich um ein klassisches Biopic – eine Geschichte, die anhand einer historischen Biografie erzählt wird. In diesem Fall geht es um den britischen Mathematiker Alan Turing, der mit seinen Kollegen während des 2. Weltkriegs einen deutschen Verschlüsslungscode knacken soll. Ein Team aus Mathematikern, Linguisten und Schachmeistern versucht, die täglich geänderten Verschlüsselungen einer Maschine aufzulösen. Die Dechiffrierung soll zum Sieg der Alliierten führen. Alan Turing wird in „Imitation Game“ erstmals historisch authentisch dargestellt. Erst vor einigen Jahren wurde bekannt, dass er homosexuell war. Zudem war das mathematische Genie leicht authistisch.

Obwohl die Kinoexpertin Anna Wollner schätzt, dass der Film kaum Chancen bei den Oscars haben wird, findet sie ihn sehr empfehlenswert.

Baymax

„Baymax“ ist das neuste computeranimierte Werk von Walt Disney Pictures. Es geht um die große Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und einem Roboter in der fiktiven Stadt Fransokyo. Anna Wollner lobt die Situationskomik, jedoch kritisiert sie, dass der Film nach einer Stunde zu sehr abhebt. Denn schnell avanciert „Baymax“ zu einer Superheldengeschichte, bei der der Zuschauer durch zu viele Handlungsstränge verwirrt wird.

Mortdecai

Regisseur David Koepp verarbeitet in der skurrilen Detektivkomödie „Mortdecai“  einen Krimi aus den 1970ern. Der Film besticht vor allem durch das Aufgebot an Schauspielern: Johnny Depp spielt an der Seite von Gwyneth Paltrow, Paul Bettany und Evan McGregor den Kunsthändler Charles Mortdecai. Doch neben der guten Besetzung fehlt es „Mortdecai“ an Esprit und Situationskomik, findet Anna Wollner. Mortdecai steht kurz vor dem Bankrott und sieht sich deshalb gezwungen, einen Auftrag anzunehmen, bei dem er ein verschollen geglaubtes Bild in New York finden muss. In der Rolle mit Schnauzer, Tweed-Jacket und Einstecktuch versehen, wirkt Depp klamaukig. Fast schon ähnelt er seinem früheren Captain Jack Sparrow aus dem „Fluch der Karibik“. Vor allem von der deutschen Fassung war Anna Wollner enttäuscht, bei der noch nicht einmal der gekünstelte britische Akzent des Hauptdarstellers bemerkbar ist. Insgesamt wohl der Flop der Woche.

Noch mehr Informationen zu den Filmen gibt’s im Kino-Talk zwischen Alexander Hertel und Kino-Expertin Anna Wollner.

Anna Wollner - Kino-Expertin bei detektor.fm

Kino-Expertin bei detektor.fm
Johnny Depp blödelt sich in altbekannter Klamauk-Manier durch „Mortdecai“. Der Film reiht sich für mich in die lange Liste der Flopps in der Karriere von Depp ein.Anna Wollner
Die Kino-Tipps der Woche 09:18

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

Die Trailer zu den neusten Kinofilmen:

http://youtu.be/-51WN8fHamM

http://youtu.be/S5CjKEFb-sM

http://youtu.be/aW_sfxUnbZA

http://youtu.be/pnuIbJJFFEg

 

Redaktion: Jenny Barke

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