Laurie Penny spricht über „Bitch Doctrine“

Mit Feminismus gegen Kapitalismus

18.09.2017

Laurie Penny ist eine Stimme des feministischen Zeitgeistes. Mit ihrer kämpferisch-frechen wie humorvollen Art schafft sie es, den Feminismus mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen zu verbinden. In ihrem neuen Buch "Bitch Doctrine" schreibt sie über den Zusammenhang von Politik und Sexismus.

Aufruf zu Befreiung und Provokation

Laurie Penny ist die derzeit bedeutendste Stimme des Feminismus und der Queerbewegung. Viele Attribute beschreiben sie: Bloggerin, Aktivistin, Gonzo-Journalistin und Feministin. So hat sie beim diesjährigen Women’s March in Washington und der Occupy Bewegung teilgenommen. Sie stellt somit nicht nur ein Sprachrohr für Frauen und die Queerbewegung dar. Sie vertritt vor allem zwei Dinge: eine Revolution innerhalb einer sexistischen Welt und eine Befreiung vom Patriarchat des Kapitalismus, das den Sexismus fördert.

Dem Feminismus geht es um Gerechtigkeit, um Umverteilung von Wohlstand, Macht und Einfluss; es geht ihm darum, die alte Ordnung zu ändern. – Laurie Penny in Bitch Doctrine

Mit ihren Büchern möchte Laurie Penny allen Frauen  – Transfrauen, Women of Colour, indigene Frauen, arme und Arbeiterfrauen – sowie unterdrückte Minderheiten vermitteln, dass sie einen berechtigten Platz in der Gesellschaft haben und dieser ist sogar systemrelevant. Denn in Zeiten der Krise und einem Klima der Angst werden zunehmend klassischer Sexismus, Rassismus und Engstirnigkeit propagiert.

Dem heißt es entschlossen entgegenzutreten und zwar mit Vielfalt, Toleranz und eben starken Feminismus. Der soll nämlich nicht nur provozieren, sondern auch eine Gemeinschaft über der Emanzipation aufbauen.

 Jede Politik ist Identitätspolitik

Mit der nun veröffentlichten Bitch Doctrine aus den Jahren 2013 bis 2016 schildert sie kompromisslos und aggressiv, zugleich scharf pointiert, die Verbindung von Sexismus und Politik. Ausgehend vom Ausgang der US-Wahlen beschreibt sie die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen. So etabliert sie unter anderen die Aussage, das im Zentrum der neuen politischen Strömungen die Verletzung des maskulinen, weißen Stolzes steht.

Dabei greift sie die Linke scharf an. Denn diese meint, dass Themen wie Gender und Hautfarbe – also Identitätspolitik – von der Klassenpolitik ablenke. Für Penny sind Gender und Macht, Liebe und Individualität Schnittstellen von Identität und Ökonomie.

Jede Politik ist Identitätspolitik, aber manche Identitäten werden stärker politisiert als andere. – Laurie Penny in Bitch Doctrine

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit Laurie Penny über ihr neues Buch gesprochen.

Laurie Penny bei uns im Studio. Englische Originalversion.

Redaktion: Lina Bartnik