Leistungen bei der Tour de France 2012 – wieder alles beim alten?

24.07.2012

Nach Informationen der französischen Zeitung Le Monde sind die Leistungen der Radsportler in diesem Jahr vergleichbar mit den Leistungen der bekanntesten Dopingsünder. Doch wie aussagekräftig ist die Analyse?

Nach Doping-Fällen geloben immer alle Beteiligten Besserung. Doch es gelingt selten. /Foto: © Bas Czerwinski/dapd.

ist Radsportler und Sportwissenschaftler.Dr. Achim Schmidtist Radsportler und Sportwissenschaftler. 

Im Radsport wird gern von einem Neuanfang nach den Dopingskandalen gesprochen. Das Rennen sei mittlerweile langsamer und menschlicher geworden.

Doch stimmt das? Die französische Zeitung Le Monde hat den Trainingsexperten Antoine Vayer, der früher für das Skandalteam Festina arbeitete, die Leistungen bei der diesjährigen Tour de France einschätzen lassen. Und seine Beurteilung ist erschreckend.

Die Topfahrer wie Wiggins, Froome oder Nibali haben demnach in diesem Jahr ähnliche Leistungen gebracht wie frühere Dopingverdächtige wie Contador, Armstrong oder Pantani.

Für detektor.fm bewertet der Sportwissenschaftler Achim Schmidt von der Sporthochschule Köln die Thesen der Le Monde. detektor.fm-Reporter Christian Bollert ordnet die Fakten im Gespräch mit Stefanie Gerressen:


Voeckler überquerte den Col d’Aubisque, den Tourmalet, den Col d’Aspin und den Peyresourde in 5 Stunden 32 min und 2 s und gewann die 197 km fast mühelos mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35,59 km/h. Diese Etappe Pau – Bagneres-de-Luchon ist ein Klassiker der Tour und ist bereits 1980, 1983 und 1998 gefahren worden. 1998 – im Jahr der Festina-Affäre – hat Marco Pantani den später wegen Dopings gesperrten Italiener Massi gewinnen lassen. Damals in 5 h 49 min 40 s mit einer Durchgeschwindigkeit von 33,72 km/h: das war fast zwei km / h langsamer als Voeckler! – Antoine Vayer über Voeckler in Le Monde

Sportwissenschaftler Schmidt zur Frage ob Höchstleistungen über drei Wochen möglich sind:

Die Einschätzung von Dr. Achim Schmidt zur Aussagekraft der Leistungswerte, die Le Monde diese Woche präsentiert hat:
Wie vergleichbar sind die Werte mit früheren Jahren überhaupt?

 

Welche Rolle spielt eigentlich das Gewicht für die Beurteilung von Wattzahlen?

Eigentlich müssten die Werte auf Watt pro Kilogramm Körpergewicht heruntergerechnet werden, sagt Achim Schmidt:

Die Favoriten haben sich mit durchschnittlich 430 Watt die Berge hochgejagt. Höhepunkt war der Peyresourde-Pass in 26 min 45 s. Bis St. Aventin hatten sie nur 34 s Rückstand auf die unwirkliche Zeit der Dopingsünder Contador und Rasmussen im Jahr 2007. Froome und Wiggins haben dann in der letzten Steigung von Peyragudes noch einmal beschleunigt. Dort haben die beiden 470 Watt getreten und das mehr als sieben Minuten lang. Hätte Froome nicht auf seinen Kapitän Wiggins gewartet, er wäre wohl nahe an 500 Watt gekommen. Dann hätte er aufgeschlossen mit den bisherigen Rekordhaltern: Pantani, Armstrong und Contador. – Antoine Vayer über Wiggins und Froome