Lokalfernsehen fordert Anteil an Rundfunkbeitrag

Funkstille für Stadtgespräche?

09.03.2016

Man vermutet sie irgendwo zwischen Kaninchenschau und Ladeneröffnung. Lokalprogramme haben vielerorts ein verstaubtes Image. Doch besonders in einer Zeit, in der Medien in der Kritik stehen, könnte Lokaljournalismus die nötige Vielfalt schaffen. Sollte man sie also am Rundfunkbeitrag teilhaben lassen?

Wenn jemand verspricht, dass Sie mit 15 Cent im Monat eine bedrohte Art retten könnten, würden Sie es tun? Das Lokalfernsehen zum Beispiel zählt zu einer vom Aussterben bedrohten Art des Journalismus. Die fehlende Finanzierung ist die Hauptursache für den Sendeschluss bei immer mehr regionalen Medien.

Ist Regional zu banal?

Wen interessiert schon die Rekordernte im Kleingartenverein? Viele, die an Lokaljournalismus denken, haben altbekannte Klischees wie Kaninchenzucht, Schützenvereine und das Stadtfest vor Augen. Zugegebenermaßen finden sich auch solche Themen in den Lokalprogrammen, aber viele vergessen dabei, dass die Bürgernähe des Lokaljournalismus auch seine größte Stärke ist. Er könnte die Informationslücke schließen, die laut einer Untersuchung der Otto-Brenner-Stiftung bei einigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entstanden ist.

Um eine wirklich neutrale Stimme zu haben neben den lokalen Tageszeitungen, sollte man das Lokalfernsehen unterstützen. – René Falkner, Bundesverband für Lokalfernsehen

Zudem hat sich auch das Lokalfernsehen im Laufe der Zeit gewandelt. Viele lokale Privatsender haben sich auf die Digitalisierung eingelassen. Doch interaktive Projekte, wie das erst vor einem Jahr gestartete Köln.TV, konnten sich nicht auf dem Markt behaupten. Hauptgrund für den Sendeschluss bei vielen Sendern ist aber nicht die fehlende Quote, sondern die schwierige Finanzierungslage.

Das Artensterben für Sender

Man betont oft die Vielfalt, die regionale Sender in die Medienlandschaft einbringen können. Knapp über 200 Sender gibt es im deutschen Raum, die genau diese Artenvielfalt vertreten wollen, doch mittlerweile stehen die meisten Lokalprogramme auf der roten Liste. Denn die private Finanzierung gestaltet sich immer schwieriger. So bevorzugen Media-Agenturen nationale Werbegruppen, die Anzahl lokaler Werbepartner sinkt. Auch Förderprogramme bieten nicht immer einen kostendeckenden Ausgleich, wie man anhand des mittlerweile eingestellten Senders Vogtland Regional Fernsehen sehen konnte.

Der Werbemarkt in den einzelnen Städten ist sehr schwierig geworden. Im Gegensatz zum Radio hat Lokalfernsehen keinen nationalen Werbemarkt. – René Falkner, Bundesverband für Lokalfernsehen

Besonders die oft geforderten technischen Neuerungen bei Lokalsendern führen zu Finanzierungskrisen. Gespart wird dann meistens an der Berichterstattung und den Mitarbeiterkosten. Der Bundesverband für Lokal-TV fordert deswegen eine Beteiligung an den Überschüssen des Rundfunkbeitrags. Auch mehrere Politiker, wie der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, setzen sich mittlerweile für diese Idee ein.

Was das Lokalfernsehen leisten kann und welche Standards ein Lokalprogramm aufweisen muss, um Rundfunkgebühren einnehmen zu können, hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit dem Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands für LokalfernsehenRené Falkner, diskutiert.

Porträt_LokalfernsehenWir haben einen unfairen Wettbewerb gegenüber den anderen Mediengattungen. Wir haben eine kleine Basis an Werbeeinnahmen, aber eine große Basis an Verbreitungskosten.René Falknerist Vorstandsvorsitzender beim Bundesverband für Lokalfernsehen. 

Redaktion: Johanna Siegemund