Basel, Miami Beach, Hong Kong, Paris und nun Doha. Die Art Basel eröffnete zwischen dem 5. und 7. Februar ihren fünften Ableger in der katarischen Hauptstadt Doha und legt damit einen Fokus auf die Region. Denn die Art Basel Katar bildet den Auftakt einer ganzen Reihe von Megamessen, die in diesem Jahr in der Golfregion stattfinden. Im April folgt bereits die etablierte Art Dubai und im November die ebenfalls neue Frees Abu Dhabi, ein Ableger der Frees London.
Das kuratorische Motto der Art Basel Katar, „Becoming“, steht dabei programmatisch für die ganze Region, die in den vergangenen Jahrzehnten extrem gewachsen ist, mit Großinvestitionen in Kultur, Sport und Tourismus. Und so legt auch der künstlerische Leiter der Art Basel, Wael Schorki, auch inhaltlich einen Fokus auf die Region. Mehr als die Hälfte der 84 ausgestellten KünstlerInnen kommen von dort, dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien.
KritikerInnen sagen, das autokratische Regime Katar nutze Kunst als Softpower, um über massive Menschenrechtsverstöße, die Einschränkung von Rechten von Frauen und Mädchen, Diskriminierung von LGBTQA+-Menschen und die Unterstützung islamistischer Organisationen wie der Hamas hinwegzutäuschen. Welche Strategie verfolgt die Art Basel mit dieser Messe und was hat Katar davon? Darüber sprechen wir in dieser Folge. Mein Name ist Sarah Mariplikat, Kunst und Leben, der Monopol-Podcast von detektor.fm.
Für dieses Gespräch habe ich mir einen echten Experten ins Studio geholt: Stefan Kobel. Er ist Kunstmarktjournalist und schreibt unter anderem für das Monopol Magazin, das Handelsblatt und den Tagesspiegel. Gerade ist er in Katar. Wir nehmen kurz vor der Publikumseröffnung am 4. Februar auf. Hallo Stefan, erstmal danke, dass du dir Zeit nimmst.
Hallo Sarah, vielen Dank für die Einladung. Im Herbst warst du auf der Art Basel Paris, nun in Doha. Wie hast du jetzt die vergangenen Tage erstmal erlebt für dich dort? Die Ankunft war schon sehr lustig. Als wir auf unsere Abfertigung gewartet haben, kam dann nämlich Angelina Jolie mit ihrem persönlichen Cabin Trolley Roller vorbei und wurde durch die Immigration geschleust. Und ungefähr so ist es hier auch. Die Einheimischen waren, ich bin am Sonntag angekommen, waren zunächst einmal recht erleichtert, wie man in den Gesprächen hören konnte, weil Donald Trump sich entschieden hatte, am Wochenende doch nicht den Iran zu bombardieren. Das hätte hier natürlich die Stimmung reichlich verhagelt.
Ansonsten ist die Stimmung hier sehr gut, weil das Geld liegt ja auf der Straße und alle freuen sich, dass sie hier wieder zusammenkommen in dem weltweiten Kunstmarktzirkus und hoffen auf gute Umsätze. Als im vergangenen Mai bekannt wurde, dass die Art Basel nach Katar expandiert, was waren da deine ersten Gedanken? Was ging dir durch den Kopf? Oh, habe ich mir gedacht, weil ursprünglich hatten alle gedacht, dass die Art Basel nach Abu Dhabi geht, weil vor zwei Jahren auf der Messe eine größere Abordnung des Managements der Messe Schweiz in Abu Dhabi gesichtet wurde. Und dann hat offensichtlich Katar mehr geboten. Das Ergebnis ist bekannt: Die Art Basel findet jetzt in Katar statt und Fries hat die Gelegenheit ergriffen und macht im November eine Veranstaltung unter ihrem Namen in Abu Dhabi.
Damit ist die Konkurrenzsituation hier natürlich ein bisschen eskaliert, weil es ja auch schon etablierte Veranstaltungen in der Region gibt. Das ist so ein bisschen ein Wettlauf unter diesen reichen Ölstaaten. Saudi-Arabien spielt da ja auch noch mit und man kann als Westler, der aus der spärlich finanzierten Kunstszene kommt, natürlich nur staunend daneben stehen und gespannt sein, wie das ausgeht und wer das Rennen machen wird. Dass es sich dabei um einen Verdrängungswettbewerb handelt, ist, glaube ich, jedem klar.
Geschrieben hast du damals: Es ist ein riskantes Spiel mit dem eigenen Ruf. Warum hat die Art Basel sich dann für Katar entschieden? Beziehungsweise, du hast es schon so ein bisschen anklingen lassen: Katar hat mehr Geld geboten als die anderen. Das war die Entscheidung. Das wissen wir natürlich nicht. In die internen Prozesse können wir nicht gucken. Aber es ist relativ offensichtlich, dass das Geld natürlich eine Rolle spielt. Zumal die beiden großen Messekonzerne, Art Basel auf der einen Seite und Friese auf der anderen Seite, private Unternehmen sind.
Die Messe Schweiz wird praktisch mittlerweile von New York aus geleitet, seit dem Einstieg von James Murdoch, dem Sohn des Fox News Medienmagnaten Rupert Murdoch. Er hat relativ viel Geld investiert und möchte natürlich einen Return on Investment sehen. Das war vorher ein bisschen anders, als die Messe Schweiz noch mehrheitlich der öffentlichen Hand gehörte. Die Friese wiederum gehört Arie Manuel, der ursprünglich aus einem Medien- und Eventkonzern kommt. Da geht es natürlich auch um Gewinn. Das ist ganz klar. Das sind Wirtschaftsunternehmen. Also quasi nach dem Motto: weniger die Kunst, sondern wer das Geld hat, hat die Macht.
Nur noch ganz kurz zur Erklärung: Die Art Basel Katar wird ja finanziert durch den Mutterkonzern, die MCH Group, und auch die staatseigenen katarischen Unternehmen Katasports Investments und QC Enterprises. Also es ist ein großes Investment in unsicheren Zeiten, vor allem jetzt gerade. Vor allem wenn man sich anschaut, der Art Basel Market Report, der letzte im vergangenen Jahr, hat ja gezeigt, dass um rund zwölf Prozent, es war ja nur im oberen Segment, aber die Zahlen sind zurückgegangen. Ist das jetzt quasi der letzte Rettungsanker für die Messe?
Als letzten Rettungsanker würde ich es nicht bezeichnen. Der Art Basel, also der Messe Schweiz AG, ging es sehr schlecht. Deswegen wurde die Mehrheit oder so eben auch an einen privaten Investor übergeben. Der Konzern hat aber im letzten Jahr erstmals wieder einen kleinen Gewinn gemacht nach vielen Verlustjahren. Aber wie gesagt, es ist ein Wirtschaftsunternehmen. Es soll Profit abwerfen. Und die Lage im Kunstmarkt ist ja relativ unabhängig. Die Messe ist relativ unabhängig davon, ob es dem Kunstmarkt jetzt gerade besonders gut oder besonders schlecht geht, vor allen Dingen im oberen Ende.
Diese Verluste, die wir gesehen haben, betrafen ja vor allen Dingen den öffentlich einsehbaren Bereich, das heißt die großen Auktionshäuser. Und die haben mit dem Messegeschäft jetzt erst mal gar nichts zu tun. Was aber tatsächlich schwierig ist, das ist, was wir ja gerade auch in Deutschland sehen, das ist so dieser mittelständische Bereich von den kleinen und mittleren Galerien, die sehr unter der Kaufzurückhaltung der Sammler leiden. Und die sind hier aber gar nicht vertreten oder nur zum ganz kleinen Teil. Also hier sind halt die großen internationalen Galerien vertreten und die können Krisen aussitzen.
Nun ist bekannt, allerspätestens eigentlich schon seit der WM 2022, wo es ja auch massive Kritik gab, dass das Land autokratisch natürlich regiert wird, Menschenrechte im Grunde eigentlich mit Füßen getreten werden. Wie geht da die Art Basel mit dieser Kritik um? Wie positioniert sie sich da? Und auch vielleicht die Galerien, die teilnehmen, denn ich meine, im Endeffekt steht das ja immer noch unter diesem Titel. Ja, da herrscht weitgehend dröhnendes Schweigen, was sehr interessant ist. Denn als die 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft hier stattgefunden hat, war der Protest sehr groß und überall hörbar.
Da lag es aber natürlich daran, dass die FIFA ein undurchsichtiger Herrenclub ist und die Milliarden, die da in dieses Event gesteckt wurden, im dortigen Management versickert sind. Und da kann man sich natürlich prima drüber aufregen. Wenn man aber als Kunstszene, die es eben tatsächlich im Westen, also auf der Produktionsseite und auch auf der Vermarktung bei den Galerien, bei den kleineren und mittleren, an allen Ecken und Enden knirscht, dann ist man natürlich ganz froh, wenn überhaupt irgendwoher Umsatz kommt und dann fällt es einem leichter, über ganz viele Dinge hinweg zu sehen.
Fängt man dann eher an, über die Inhalte zu sprechen, als um quasi die Bedingungen? Also die Inhalte der Kunst meine ich jetzt, also das, was quasi dann ausgestellt wird? Ja, bestimmt. Und auch über die Investmentchance. Das ist ja ein Thema, das seit ungefähr 20 Jahren auch durch die zeitgenössische Kunst, zumindest irgendeinem kommerziellen Teil, begeistert ist, dass Kunst ein prima Investment ist oder wäre. Aber man spricht halt darüber und auch über die Inhalte, was ja meistens auf Kunstmessen darin besteht, dass einem erzählt wird, wo die jeweilige Künstlerin gerade ihre nächste Museumsausstellung hat, wo sie schon ausgestellt hat, welche Preise sie gewonnen hat. Und um die Inhalte geht es dann auch, und da muss man sagen, das ist hier sehr gedämpft.
Also politische Kunst kann man finden, man muss aber sehr genau suchen. Nacktheit gibt es irgendwie nicht oder so gut wie gar nicht. Und wenn es sich um politische Kunst handelt, dann meistens oder sehr oft um Kunst aus der Sicht von marginalisierten Gruppen oder Gruppen, die sich als solche empfinden.
Okay, jetzt haben wir ganz viel über die Seite auch von der Art Basel an sich gesprochen. Wechseln wir mal kurz die Perspektive. Was hat Katar davon? Katar versucht sich gerade, fangen wir mal ganz von vorne an. Katar existiert als Land ja im Grunde genommen oder als Staat erst seit den 70er Jahren. Zuvor war es eine Güttelkolonie oder ein Güttelprotektorat und im Grunde genommen ein Fischerdorf. Bis dann eben, zumindest bis in den 30ern, dann Öl immer wichtiger wurde und die Gewinne haben aber die Briten abgeschöpft.
Seit der Unabhängigkeit ist das Land in einem für uns unvorstellbaren Ausmaß gewachsen oder explodiert. Es war hier tatsächlich ein kleiner Fischerort. Man sieht ab und zu noch so in der Altstadt, man sieht noch so kleine eingeschossige Häuschen. So sah es hier früher aus. Inzwischen wuchern hier die Hochhäuser überall hin und auch ins Meer, auf diese künstlichen Inseln zum Teil. Und die Regierung, die Regierung ist hier eine Herrscherfamilie. Anders als in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ungefähr eine knappe Flugstunde von hier entfernt, gehört dieses Land praktisch einer Familie, den Al Thanis.
Und die versuchen sehr konsequent, ihr Land über Kunst und Kultur zu positionieren und auch als Bewahrer des Islam. Das sieht man hier an dem wirklich fantastischen Bau von I. M. Pei, der das Museum of Islamic Art beherbergt. Die haben schon seit den 90er Jahren konsequent auf Auktionen und im Handel Objekte zusammengekauft, die eben mit der islamischen Kultur und Religion zusammenhängen, aber auch Kunst, die wiederum in einem anderen Museum zu sehen ist.
Und sie haben für sich entdeckt, dass sie das lieber selbstständig machen, offensichtlich. Wenn man in die Emirate schaut, wo der Louvre, das Centre Pompidou, das Guggenheim als Franchise-Museen in den Sand setzen, macht die Herrscherfamilie hier in Katar das alles selbst und zwar mit unvorstellbaren Summen. Die treten eben schon seit den 90er Jahren mit neunstelligen jährlichen Investitionen auf dem Markt in Erscheinung, weil man sich das ungern aus der Hand geben möchte, einfach um die Kontrolle darauf zu behalten und weniger so wie in den Emiraten, wie du es gerade beschrieben hast, mit dem Louvre und dem Guggenheim.
Das ist auch weil sie es können. Die haben einfach das Geld und haben eben schon sehr früh definiert, dass sie sozusagen nur Kunst- und Kulturstaatenbildung betreiben, also Nation Building betreiben wollen. Und weil sie sich auch als eben deswegen auch dieser Zweig mit der islamischen Kunst, weil sie sich eben anders positionieren als die Emirate. Dubai zum Beispiel ist ja seit vielen Jahren bekannt als Finanzdrehscheibe der Welt. Und sehr viele Experts, deutsche Influencer ziehen gerne nach Dubai, weil dort auch die Regelungen, was das tägliche Leben angeht, sehr viel lockerer sind als hier in Katar.
Hier in Katar geht man sich eben tonisch muslimisch, was für das Alltagsleben auch einige Konsequenzen hat. Und deswegen ist Katar eben ein Land, das versucht, sich nicht übers Geschäftliche, sondern über Kunst und Kultur als verlässlicher Partner und Vermittler in der Welt zu positionieren.
Jetzt werden in diesem Jahr ja noch zwei weitere sehr große Messen stattfinden: Die Art Dubai in Dubai und eben auch die Frees Abu Dhabi. Wie schauen die anderen Länder jetzt erstmal nach Katar? Also was für ein Verhältnis besteht da zwischen diesen drei großen, sehr mächtigen Ländern, was jetzt die Kunst betrifft? Also die Messe in Dubai feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die hat also sozusagen schon tiefe Wurzeln hier in der Region und bedient aber eher eine andere Kundschaft oder sie versucht es zumindest. Und zwar sind das eben die wenigen Einheimischen, aber auch Experts aus Europa, aus den USA und vor allen Dingen aus dem Nahen und Mittleren Osten, die hier in Dubai alle ein Second Home haben.
Und das findet preislich auf einem niedrigeren Niveau statt. Und bei der Frees in Abu Dhabi weiß man noch nicht so genau. Da fragen sich alle, wie die Frees darauf antworten wird. Die Abu Dhabi Art gibt es auch schon etwas länger, hat aber nie besonders gut funktioniert. Und deswegen hat sich die dortige Regierung eben einen starken Partner gesucht. Und da ist die Art Basel ganz einfach weltweit die stärkere Marke. Man sieht das auch am Besuch hier. Hier hat man gestern auf der Eröffnungsparty alle üblichen Verdächtigen gesehen, die man auf dem weltweiten Kunstmarktzirkus auch antrifft.
Jetzt haben wir ganz viel über die Strategien und über die Hintergründe gesprochen, aber noch gar nicht so wirklich über den Ablauf der Messe. Du hast gerade von der Eröffnungsfeier gesprochen. Die Folge erscheint, nachdem das Ganze schon gelaufen ist. Das heißt, die Besucher können jetzt kommen. Wie wird es ablaufen? Was steht im Programm drin? Also die VIP Eröffnung für die geladenen, für die wichtigen Gäste, die war am Dienstag und die scheint ganz gut gelaufen zu sein. Wie gesagt, es waren alle Wichtigen, die man aus dem Geschäft kennt, waren da. Und wohl auch viele Sammler und Institutionen aus dem Nahen und Mittleren Osten. Das Interesse war groß, was man halt normalerweise von den Galeristen am ersten Tag zu hören bekommt.
Mit den Verkäufen war es wohl nicht so toll. Zumindest hat man nichts gehört. Normalerweise wird man schon am Nachmittag der VIP-Eröffnung sowohl von den Galerien, von den großen internationalen Galerien als auch von den Kunstmessen selbst mit Verkaufsmeldungen bombardiert. Als Journalist gab es jetzt gar nichts. Und zwar absolut überhaupt nichts, Schweigen im Walde. Und was man hinter den Kulissen gehört hat, war, dass sie auch tatsächlich kaum irgendetwas verkauft haben, höchstens so Kleinigkeiten, was möglicherweise daran liegt, dass der Emir, der der Herrscher ist, und die Schwester, die für Kunst und Kultur zuständig ist, schon am Tag vorher, also sozusagen noch im Aufbau, über die Messe gegangen sind, sich tatsächlich alle Stände angeschaut haben und eine Reservierungsliste angefertigt haben, die heute abgearbeitet werden soll, also heute am Mittwoch, den 4. Februar.
Genau. Und mein Verdacht ist oder meine Ahnung ist, dass erst wenn die Käufe der Herrscherfamilie abgearbeitet und bestätigt sind, dass dann auch die anderen Kunden zuschlagen werden. Das ist ja schon eine leichte Marktverzerrung oder Gelände gesagt. Das läuft letztlich auf vielen Messen nicht anders. Also man guckt natürlich gerne, wo kaufen Museen, weil damit hat man dann sozusagen eine abgesicherte Position, bei der man im ruhigen Wissen selbst zuschlagen kann. Und dass es auf Messen wie zum Beispiel auf der Art Basel in Basel so ist, dass die begehrtesten Sachen innerhalb der ersten Stunde weggehen, das hat man eigentlich kaum auf irgendwelchen Veranstaltungen.
Also der Run auf die Kunst ist hier jetzt nicht so groß. Der gesamte Kunstmarkt in Deutschland beläuft sich in der Schätzung auf ungefähr 2 Milliarden Euro im Jahr. Also die gesamte Branche setzt so viel um. Und dann reicht es aber schon, nach New York zu gucken, wo auf den Abendauktionen bzw. in einer Auktionswoche von den großen Auktionshäusern durchaus auch dieser Betrag innerhalb einer Woche umgesetzt wird. Dann sieht man schon, dass es diesen einen Kunstmarkt nicht gibt, sondern dass da ganz viele verschiedene Segmente zusammenkommen. Und dann gibt es eben eine Handvoll von Galerien, die auch im Jahr ungefähr eine Milliarde Dollar Umsatz machen. Und die durchschnittliche Galerie in Deutschland macht vielleicht 400 000 Euro Umsatz im Jahr. Da sieht man also, wie groß die Schere ist. Und ich glaube, man muss wenig Mitleid haben mit Galerien, die hier vielleicht doch eher zu dem mittleren oder oberen Segment gehören und die dann hier vielleicht ein paar Tage auf die Umsatzbestätigung warten müssen.
Aber glaubst du, noch ganz kurz, diesen Vergleich zu Europa und auch den USA, das finde ich auch ganz interessant, hängt das unter Umständen, also hängt das auch damit zusammen, dass in Deutschland vor allem viel auch staatlich finanziert wird und in den USA vor allem eher privatwirtschaftlich? Oder kann man das nicht so klar voneinander trennen, wenn es jetzt um den Markt geht? Doch, das spielt natürlich eine ganz große Rolle. Hier wird ja auch staatlich finanziert, aber hier wird eben finanziert. Das wird bei uns ja immer weniger und das setzt der Branche natürlich auch zu.
Das ist eigentlich eine sehr gute Überleitung zu meiner letzten Frage, denn es klang ja jetzt schon auf jeden Fall an. Auf der arabischen Halbinsel wird gerade die globale Zirkulation von Kunst neu geordnet, könnte man sagen. Bislang instrumentalisierten die Golfstaaten Kunst und Museen fürs eigene Nation Building, sagt auch die Journalistin Rebecca Ann Proctor. Du hast es auch gesagt. Jetzt kommt es auf kluge Kooperationen an, um die Region auch nachhaltig zu stärken. Was attestierst du der Region jetzt vor dem Hintergrund dieser Eröffnung der Art Basel in Katar? Also sie wird sicherlich großen Einfluss haben auf die Verteilung des Geldes und der Macht auf der ganzen Welt. Die Golfregion ist sicher zu einem der größeren Player aufgestiegen, was dann natürlich auch Konsequenzen für die Inhalte hat und für die Kunstproduktion und das, was wir zu sehen bekommen.
Es wird sich sicherlich auch unser bisher westlich zentrierter Blick auf die Welt und auf die Kunst wird sich ein bisschen ändern, weil es ja nicht unbedingt das Schlechteste sein muss. Die Frage ist halt nur, inwieweit sich die Kunst und der Kunstmarkt hier zum Spielball oder zum Instrument von Machtinstrumenten machen lassen. Sollte die Kunst oder sollten KünstlerInnen das boykottieren? Ich glaube, Künstler sind da die Letzten, die man fragen sollte, weil sie zusammen mit den Kunstkritikern das schwächste Glied in der Kette sind. Man kann sich natürlich fragen, ob die Politik, die sich ja auch gerade den Golfstaaten andient, also die westliche Politik… Stimmt, heute ist März, glaube ich, in Katar gelandet, oder? Genau, März ist hier. Es geht um Flüssiggas. Das wären, glaube ich, eher die richtigen Adressaten, wenn es darum geht, wie man sein Verhältnis zu diesen Staaten definiert.
Sagt Stefan Kobel, er ist gerade in Katar und hat seine Eindrücke zur neuen Art Basel-Ausgabe dort mit uns geteilt. Vielen, vielen Dank für das Gespräch. Es war mir eine Freude.
In der vergangenen Woche fand das erste Mal die Art Basel in Doha statt. Nach Ablegern in Miami Beach Hong Kong und Paris und natürlich dem Original in Basel ist es die fünfte. Und eine Sache, die ich aus diesem Gespräch jetzt mitnehme: Ja, in der Golfregion, auch in den Nachbarländern Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, da verändert sich gerade wahnsinnig viel, schon seit mehreren Jahrzehnten, ja eigentlich nicht nur in der Kunst. Die wird aber gerne genommen, um Nation Building zu betreiben. Also um quasi ja eine Art Gemeinschaft zu kreieren und Wertigkeit zu schaffen. Das Geld liegt hier auf der Straße, sagt Stefan Kobel, und das in einem Land, in dem es massive Menschenrechtsverletzungen gibt. Das war Kunst und Leben, der Podcast in Kooperation mit dem Monopol Magazin. Neue Folgen, die gibt es zweimal im Monat, immer dienstags. Mein Name ist Sarah Marie Plekat, ich bedanke mich bei euch fürs Zuhören, sage Tschüss und bis zum nächsten Mal. Kunst und Leben, der Monopol-Podcast von detektor.fm.