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Talkshop Museum im temporary bauhaus-archiv, Talk #1: Museum für alle, Foto: Catrin Schmitt
Talkshop Museum im temporary bauhaus-archiv, Talk #1: Museum für alle, Foto: Catrin Schmitt

Monopol-Podcast | Diversität im Museum

„Wir dürfen nicht immer nur von uns ausgehen“

Sind Museen heilige Tempel? Soziale Treffpunkte oder Orte der politischer Auseinandersetzung? Wie können diese Orte diverser und gerechter werden? Und wer gestaltet das Museum mit?

Das Museum hat traditioneller Weise die Aufgaben: Bewahren, Sammeln, Forschen, Ausstellen und Vermitteln. Bislang ist aber vor allem das Vermitteln oft ein ziemlich abgetrennter Bereich. Kein Wunder also, dass so manche Ausstellung die Besucherin ratlos zurück lässt oder sie nicht einmal mit Werbung anzusprechen kann.

Lange Zeit ist es so gewesen, dass Kuratorinnen und Kuratoren eine Ausstellung konzipieren und dann der Kollegin aus der Kunstvermittlung auftragen: „Nun überleg dir mal, wie du das für Kinder rüberbringst“. Das ändert sich langsam. Vermittlung richtet sich nicht mehr nur an Kinder. Und im Optimalfall wird sie von vornherein in der Kuration mitbedacht.

Junge Impulse fürs Museum

Kristin Bartels, Kuratorin am Bauhaus-Archiv in Berlin, wo gerade ein neues Museum im Entstehen ist, sagt im talkshop bauhaus, ihr sei wichtig, „dass alle miteinander in Austausch stehen und sich gegenseitig korrigieren oder hinweisen: Das hast du nicht mitgedacht“. So soll das Museum einladender für mehr Menschen werden. Anregungen kommen dafür auch von den Studierenden, die sich im Jungen Bauhaus engagieren.

Vermittlung als emanzipatorische Praxis

Einen Schritt weiter geht die Künstlerin Anna Ehrenstein: Für sie ist Vermittlung nicht etwas, das oben drauf kommt oder was man beruflich macht, wenn man als Künstlerin nicht erfolgreich genug ist.

Ich sehe Vermittlung als eine emanzipatorische Praxis, die total zentral ist, um Kunst weg zu bringen von allein einem Objekt, was verkauft wird.

Anna Ehrenstein, Künstlerin

Anna Ehrenstein, Künstlerin

Als Fotografiestudentin, sagt sie, war sie „selbst ein junger Kanacke, der anderen jungen Kanacken in Problembezirken beibringen soll, wie man Fotografie macht“. Da habe sie gemerkt, dass diese Strukturen für sie keinen Sinn ergeben.

Die Leute, mit denen sie arbeitet, sind seitdem gleichwertige Kunstschaffende und sie zieht sich oft eher zurück, wirkt als Editorin oder Kuratorin, so zum Beispiel in einem Reiseführer für den eigenen Kiez mit Jugendlichen in Neukölln. Was sie selbst dabei lernt, erzählt sie im Podcast.

Wie umgehen mit kolonialer Vergangenheit?

Mit Diversität wollen sich immer mehr Museen schmücken. Da ist es gerade zu zynisch, dass in unzähligen Sammlungen in Deutschland immer noch Raubkunst aus Kolonialzeiten steht. Wie man damit umgehen kann, fragt Moderatorin Sara Steinert in diesem Podcast die Publizistin und Kuratorin Yvette Mutumba.

In Deutschland war zu lange diese Selbstwahrnehmung gar nicht da, dass wir ernsthaft davon betroffen sind. Das hat in den letzten Jahren angefangen, aber in der breiten Bevölkerung ist noch nicht angekommen, welche Brenzlichkeit das hat.

Yvette Mutumba, Publizistin und Kuratorin

Yvette Mutumba, Publizistin und Kuratorin

Wie sich Institutionen dekolonialisieren können und wie sie die aktuelle Debatte nach dem Tod von George Floyd einschätzt, erzählt Mutumba im Podcast.