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James Ensor Street Art in Ostende / Belgien. Foto: Freya Dieckmann.
James Ensor Street Art in Ostende / Belgien. Foto: Freya Dieckmann.

Monopol-Podcast | James Ensor

Flandern feiert den Maler der Masken

Er gilt als Maler der Masken, war ein scharfzüngiger Beobachter und verehrte Jesus als revolutionäre Figur. Der flämische Künstler James Ensor war zu Lebzeiten umstritten, heute ist er aus Belgien nicht mehr wegzudenken. Zum 75. Todestag feiert Flandern seinen großen Künstler. Was gibt es zu entdecken?

„Die Maske herrscht in der Einsamkeit, hinter ihr verbirgt sich Gewalt und Glanz“, so oder so ähnlich soll es James Ensor ausgedrückt haben. Zeit seines Lebens war er von jenen Masken umgeben, wuchs zwischen ihnen auf im Kuriositätengeschäft seiner Eltern in Ostende. Dort wurde James Ensor 1869 geboren und dort starb er auch 89 Jahre später. Zu Lebzeiten entwickelte sich die Küstenstadt Ostende zu einem Touristenmagnet. Als „Nizza des Nordens“ wurde es deswegen auch bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich an der Architektur der Stadt einiges verändert, die Belle-Epoque-Bauten sind Neubauten gewichen.

Es ist eine sehr interessante Architektur, die sich was traut, die sehr mutig ist. Und das verbindet Ostende auch mit Streetart, also mit sehr zeitgenössischer Kunst. Und in der Streetart kommt sehr häufig James Ensor vor.

Freya Dieckmann, Monopol-Magazin

Freya Dieckmann, Monopol-MagazinFoto: privat

Fast alle Straßen laufen auf das Meer zu, erzählt Freya Dieckmann im Podcast. Das Meer und der Strand waren es auch, die James Ensor immer wieder inspiriert haben. Nahezu sein ganzes Leben verbrachte er in dieser Stadt, in der Nähe des Strandes liegt er begraben.

He loved Ostende as a kind of mythical place. He liked the beach, he liked the sea, and he liked the big sky above the sea in Ostende. But he hated the local people.

Xavier Tricot, Kurator und Ensor-Experte

Xavier Tricot, Kurator und Ensor-ExperteFoto: Karin Borghouts

Scharfer Beobachter seiner Zeit

Zu Lebzeiten oft missverstanden und missachtet, wird James Ensor heute verehrt. Schon 1929 wurde ihm zu Ehren in Ostende eine Statue errichtet. Im Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen findet sich heute die größte James-Ensor-Sammlung der Welt wieder. Dennoch hängt sein wohl bekanntestes Gemälde — „L’Entrée du Christ à Bruxelles“ (1888) — im J. Paul Getty Museum in Los Angeles. Es zeigt einen farbenfrohen Karnevalsumzug, der durch die Straßen Brüssels zieht. Fast unscheinbar reitet Jesus Christus inmitten der ausgelassen feiernden Menge. Der Atheist Ensor sah in dieser Figur einen Revolutionär, erzählt Xavier Tricot. Das Gemälde sei seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit der Heuchelei der reichen Bourgeoisie und den gesellschaftlichen Missständen seiner Zeit.

The content of the painting is so important. It’s a résumé of all his themes he developed in his work.

Xavier Tricot

Expressives Licht

Mit seinen Werken gehörte Ensor einer Generation von europäischen Künstlerinnen und Künstlern an, die für grundlegende Veränderungen innerhalb der Kunst standen, erklärt der Kurator Herwig Todts aus Antwerpen. Ensor setzte sich mit den Werken von Claude Monet oder auch August Renoir auseinander und entwickelte daraus einen ganz eigenen Stil.

He tried to go beyond Impressionism and to add some sort of expression to light. He tried to give several meanings and expressions to light. Light can be gay, light can be joyful, light can be very positive. But light might also be negative, light might be cruel.

Herwig Todts, Kurator am Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen

Herwig Todts, Kurator am Königlichen Museum für Schöne Künste AntwerpenFoto: privat

Kleiner Ausstellungskalender:

2024 jährt sich James Ensors Tod zum 75. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums finden in Flandern über das ganze Jahr hinweg Veranstaltungen und Ausstellungen zu Ehren von James Ensor und seinem Werk statt. Darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Aileen Wrozyna in dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, mit Freya Dieckmann vom Monopol-Magazin, dem Kurator und Ensor-Experten am Ensor-Haus in Ostende Xavier Tricot, und mit Herwig Todts, ebenfalls Kurator und Leiter des Ensor Research Project Teams am Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen. Diese Folge ist in Kooperation mit VISITFLANDERS entstanden.

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