N99 | Susanne Fritz über die Suche nach ihrem Erbe

"Mit dem Fingerabdruck meiner Mutter ging alles los"

13.10.2018

Susanne Fritz' Mutter verbrachte einige Zeit nach dem Krieg in Lagerhaft. Lange hat niemand darüber gesprochen. Was macht das mit einer Familie?

Susanne Fritz - Wie kommt der Krieg ins Kind

Wie kommt der Krieg ins Kind

Susanne Fritz

(Wallstein, bereits erschienen)

Susanne Fritz, die Erzählerin

Susanne Fritz wird 1964 in Furtwangen im Schwarzwald geboren. Heute lebt sie in Freiburg. Dort arbeitet sie als Autorin, Regisseurin und „WortMusikerin“. Sie schreibt Erzählungen, Romane, Hör- und Bühnenstücke sowie journalistische Texte. Dafür hat sie bereits diverse Preise erhalten und war unter anderem Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und im Herrenhaus Edenkoben. Außerdem war sie schon einmal Stadtschreiberin in Schwaz, Tirol. In ihrem Bühnenprogramm „WortMusik“ tritt sie mit Neuer Musik und Jazz auf. Ihr Roman „Wie kommt der Krieg ins Kind“ war für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert.

„Wie kommt der Krieg ins Kind“ – worum geht’s?

Vierzehn Jahre alt ist die Mutter, als sie 1945 verhaftet und für Jahre ins polnische Arbeitslager Potulice gebracht wird. Der Grund: Sie hatte mit neun ein Formular unterschrieben, das sie in einem von Hitler überfallenen Gebiet als Deutsche auswies. Susanne Fritz erzählt ergreifend und ohne jede vorschnelle Schuldzuweisung von dem Schicksal ihrer Mutter und der ganzen Familie über mehrere Generationen. Sie fragt nach Menschlichkeit und Verrat, nach Identität und Sprache und zieht immer wieder historische Dokumente zu Rate. So leuchtet sie nicht nur die eigene Familiengeschichte aus, sondern das deutsch-polnische Verhältnis über zwei Weltkriege hinweg mit all den historischen Umwälzungen und ihren Auswirkungen auf jeden Einzelnen. Susanne Fritz führt ein tief lotendes Gespräch mit der Vergangenheit, sie tut es, weil sie die verborgenen Auswirkungen auf ihr eigenes Dasein verstehen will. – Wallstein-Verlag

Ich habe gemerkt, wie wichtig Sprache ist. Das ist erstmal alles unfassbares, unsagbares Geschehen. Zum Beispiel die Prozedur des Glatzeschneidens. Diesen Weg zurückzulegen, zwischen den frühen Erzählungen und jetzt bewusst zu formulieren und zu schreiben. Dabei habe ich viel über mein Werden und meine Bedürfnisse gelernt. – Susanne Fritz

detektor.fm-Moderator Christian Eichler hat Susanne Fritz auf der Buchmesse 2018 getroffen, um mit ihr über ihr Buch zu sprechen.


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