Netflixierung des Buches

Lesehäppchen für die Generation Smartphone

11.02.2016

Die Gutenberg-Galaxis ist tot, es lebe die Gutenberg-Galaxis. Um die Smartphone-Generation für das Medium Buch zu begeistern, gehen Verlage neue Wege, um Romane an das Leseverhalten der Digital Natives anzupassen. Dabei wagt man den Blick über den Bücherrand und versucht, Konzepte der Streamingdienste auf Literatur zu übertragen.

Netflixierung: Braucht das Buch eine Revolution?

Hybrid, sozial und multimedial – wie die Digitalisierung unser Leseverhalten beeinflusst, hat der Sprachwissenschaftler Henning Lobin in seinem Buch „Engelbarts Traum“ beschrieben. Das gedruckte Buch scheint mit der technischen Entwicklung nicht mithalten zu können. Auch das E-Book begeistert die Smartphone-Generation weniger als erwartet: Nur knapp 10 Prozent der 14- bis 29-Jährigen nutzen solche Angebote.

Das gedruckte Buch hat sich in der Vergangenheit kontinuierlich gewandelt. Wir haben die falsche Vorstellung davon, dass das Buch ein Medium ist, das sich über Jahrhunderte nicht bewegt hat. – Svenja Hagenhoff, Buchwissenschaftlerin an der Universität Erlangen.

In einer schnelllebigen Zeit sieht man immer weniger junge Menschen, die unterwegs ein Buch lesen. Der Griff zum Smartphone ist offenbar beliebter: Etwa 81 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen das mobile Internet. Doch das Lesevergnügen auf Smartphones beschränkt sich meistens auf Apps, Nachrichten und soziale Medien. Wie kann man die anscheinend desinteressierte Smartphone-Generation wieder für Literatur begeistern?

All you like to read vs. Fortsetzung folgt

Neue Geschäftsmodelle braucht das Buch. Der Verlag Bastei Lübbe orientiert sich dabei an Spotify und Netflix. Für eine Grundgebühr von knapp sechs Euro soll man so viele Romane lesen können, wie man möchte. Ab Herbst soll die „Binge-Reading“-Idee als Plattform „Oolipo“ für das Lese-Publikum auf dem Markt erhältlich sein. Die Plattform will mit dem Nutzer agieren, ähnlich wie es andere Streamingportale tun. Das Konzept des digitalen Storytellings gleicht einer „Netflixierung“ oder „Spotifyisierung“.

Eines anderen TV-Prinzips bedient sich der Verlag Hanser. Zusammen mit Tilman Rammstedt hat man einen Abo-Roman entwickelt. Per Mail oder Whatsapp wird täglich ein Kapitel an den Abonnenten geschickt – Cliffhanger inklusive. Diese Idee könnte eine Lösung für die schwindende Aufmerksamkeitsspanne sein. Auch der Verlag Voland & Quist hat mit dem Abo-Konzept von „A Story A Day“ versucht, dieses Problem zu lösen.

Gut portionierte Inhalte, die Literatur für die Smartphone-Generation marktfähig machen. Die neuen Konzepte für jüngere Leser klingen revolutionär. Ob man das Buch immer mehr an die Digitalisierung anpassen muss, hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit der Buchwissenschaftlerin Svenja Hagenhoff besprochen.

csm_Portrait_Hagenhoff_943911b730Wenn man so ein bisschen in die Geschichte des Buches hineingeht, dann muss man feststellen, dass viele der vorgestellten Konzepte eine Revolution im wahrsten Sinne des Wortes sind. Nämlich eine Rückkehr zum Anfangszustand.Svenja HagenhoffProfessorin für Buchwissenschaft an der Universität Erlangen. 
Die Netflixierung des Buches für Generation Smartphone

Redaktion: Johanna Siegemund