Netzhelden | Gegen Rape-Witze in der Werbung

Denn dann heißt's wieder: War doch gar nicht so gemeint

14.12.2015

Ein kleiner Button sorgt im Netz für große Aufruhr. Er trägt den Titel „Rape us now“ - vergewaltige uns jetzt. Mit diesem Spruch wirbt eine Modekette. Eine Anspielung, die auf massive Kritik stößt. Sie ist nur ein neues Beispiel für das größere Problem: die sogenannte Rape Culture in der Werbung.

Die Modekette „Super Gurl“ hatte im November ihren Schlussverkauf mit dem „Rape us now“-Button gestartet. Daneben räkelte sich eine kindlich-anmutende junge Frau. Kurz darauf entlud sich ein Sturm der Entrüstung im Netz, der das Unternehmen zu einer öffentlichen Entschuldigung bewegte. Nur ein geschmackloser Wortwitz oder kalkulierte Werbestrategie?

Warum Vergewaltigungswitze so gefährlich sind

Aufmerksamkeit haben die Macher der Kampagne in jedem Fall generiert. Viele Nutzer kritisierten die Anspielung. Denn oft sei Nichtbetroffenen gar nicht bewusst, welche Reaktionen die verharmlosende Darstellung von Vergewaltigung auslöße.

So werde zu selten diskutiert, mit welchen Traumata Vergewaltigungsopfer zu kämpfen haben . Viele trauen sich nicht, Anzeige gegen die Täter zu erstatten. Im Sommer 2012 entstand als Reaktion darauf der Hashtag #ichhabnichtangezeigt. Hier twitterten Betroffene über ihre Angst, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Auch das ist Teil und Folge der sogenannten „Rape Culture“ – einer Kultur, die den Opfern die Schuld gibt. Vergewaltigungs-Witze können triggern und Traumata in Betroffenen wieder hervorbringen. Die Täter hingegen fühlen sich in solch einem Klima bestätigt. Vergewaltigung würde so allgegenwärtig und zur Normalität.

Rape Cultur in der Popkultur

Längst hat die Rape Culture auch die Popkultur unterwandert. Jüngstes Beispiel ist der R’n’B-Hit von Robin Thicke, der 2013 von Feministinnen zum „Sexisten des Jahres“ gekürt wurde. „You Know You Want It“: Der Text zu dessen Song „Blurred Lines“  spiele auf Vergewaltigung an.

Auch Miley Cyrus machte 2014 negative Schlagzeilen, als sie vermeintliche Tipps gab, wie man jemanden am besten mit nach Hause nimmt, wenn derjenige sich nicht anders „überzeugen“ lasse. Prompt hagelte es auch hier Kritik auf die Sängerin. Sie habe einen Date-Rape-Witz gemacht. Also einen Witz, bei dem es um das Vergewaltigen seiner Begleitung während eines Dates geht.

Über die Rape Culture und den Fall „Super Gurl“ sprach detektor.fm-Modertatorin Doris Hellpoldt in unserer Serie „Netzhelden“ mit der Autorin Josefine Schummeck. Sie hat die auf dem Jugendportal ze.tt über den Zusammenhang beider Themen geschrieben hat.

Josefine SchummertWichtig ist, sich in die Menschen hineinzuversetzen. Wenn einem das selbst nicht widerfahren ist. Zu verstehen, wie schlimm es ist, wie sehr es in die eigene Privatsphäre eindringt. Ich glaube, dann erledigen sich hundert Prozent der Witze von alleine.Josefine Schummeckglaubt nicht an Zufälle, wenn Werbung mit Rape Culture-Anspielungen kokettiert. 

Redaktion: Zülal Yildirim