Netzhelden | Wahre Begebenheiten im Spielfilm

Das kann doch nicht wahr sein!

07.03.2016

Ein Team um den englischen Datenjournalisten David McCandless hat zehn Hollywood-Filme auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Alle Filme berufen sich nämlich auf tatsächliche Begebenheiten. Aber stimmt das auch?

Beim Schreiben von Drehbüchern können Autoren schon mal an die Grenzen ihrer Kreativität stoßen. Wie gut, dass es auf dieser Welt Geschichten gibt, die sich so wohl niemand ausdenken kann. Genau diese schaffen es dann in aufwendige Spielfilm-Produktionen. Sie verzaubern, berühren oder erschrecken das Publikum.

Geschichten, die das Leben schreibt

Eine dieser Geschichten ist zuletzt mit dem Film „Spotlight“ auf die Leinwand gebracht worden. Die Handlung dreht sich um ein Reporter-Team, das im Jahr 2001 einen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Boston aufdeckt. Nach aufwendigen Recherchen steht am Ende des Films – wie auch in der Realität – eine Liste mit 87 Namen, die die Täter benennt.

In der Realität ist die Arbeit der Reporter des Boston Globe mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Der Spielfilm erhielt in diesem Jahr zwei Oscars – in den Kategorien „Bester Film“ und „Bestes Originaldrehbuch“.

Spielfilm und Realität: Kaum Abweichungen

Bei der Analyse durch die englischen Datenjournalisten konnte „Spotlight“ ebenfalls recht gut abschneiden. Das Team von David McCandless, das den Film Szene für Szene analysiert und mit Aufzeichnungen aus Archiven verglichen hat, bescheinigt eine Übereinstimmung von 78,9 Prozent.

Man möchte das ja auch irgendwie, dass die Filme der Realität entsprechen. – Mark Heywinkel, Redakteur bei ze.tt

Lediglich ein anderer Film konnte bei der Untersuchung besser abschneiden: „The Big Short“. Dabei ist auffällig, dass sich die Filmemacher wirklich sehr genau an die Vorlage aus dem echten Leben gehalten haben. Die meisten Abweichungen sind marginal und sollen beim Zuschauer lediglich für ein besseres Verständnis sorgen.

Großer Humbug

Anders verhält es sich hingegen beim Verlierer der Analyse. Beim Film „The Imitation Game“ über den britischen Mathematiker Alan Turing findet sich nach Drehschluss nur noch etwas mehr als ein Drittel der Original-Story. Hier haben sich die Filmemacher viel künstlerische Freiheit genommen, aber trotzdem einen guten Film abgeliefert.

Über Spielfime, die auf einer wahren Begebenheit basieren, hat detektor.fm-Moderatorin Karolin Döhne mit Mark Heywinkel vom Online-Portal ze.tt gesprochen.

Mark heywinkelWer ins Kino geht und tatsächlich glaubt, dass da alles wahr ist, der macht was falsch.Mark HeywinkelRedakteur beim Online-Portal ze.tt. 

Redaktion: Matthias Stiebing