Nollywood – eine Erfolgsgeschichte aus Nigeria

03.03.2012

Auf der Karte der Filmnationen ist Afrika mit wenigen Ausnahmen ein weißer Fleck - zu unrecht. Denn gerade in Nigeria boomt die Filmindustrie.

Fotograf Pieter Hugo veröffentlichte 2009 einen Fotoband über Nollywood. © Pieter Hugo/via See Ming Lee auf flickr

der Autor und Regisseur hat sich intensiv mit afrikanischem Kino befasst.Johannes Rosensteinder Autor und Regisseur hat sich intensiv mit afrikanischem Kino befasst.  

Glamourös, spannend und gut gespielt, das sind Filme aus Nollywood – in den Augen ihres Publikums. Nach westlichen Standards sind die Filme eher trashig, billig, unfreiwillig komisch, haben aber irgendwie doch einen ganz eigenen Charme.

Nollywood-Filme, das sind günstig produzierte, oft in wenigen Tagen gedrehte Blockbuster aus Nigeria. Anstatt ins Kino kommen die Filme gleich auf Video raus und finden reißenden Absatz, auch über die Landesgrenzen hinaus. Allerdings nur innerhalb Afrikas. Nach Europa schaffen es die Filme eher selten, wenn dann sind sie nur in gut sortierten Afro-Shops zu finden.

Vor 20 Jahren begann alles, mit dem Film „Living in Bondage“, einer wilden Mischung aus Drama, Thriller, Geister- und Gangstergeschichte. Es geht um einen Mann, der in die Fänge eines Kults gerät, seine Frau umbringt, mit Hilfe von Magie reich wird aber trotzdem noch vom Geist seiner Frau verfolgt wird. Der Film stellte ein Novum dar: es war das erste Mal, dass ein Film den einfachen Nigerianern eine Stimme gab, sich um Themen dreht, die sie bewegten. Neben den geringen Kosten zwischen 6.000 und 20.000 Euro pro Film werden die Nollywood-Videos vor allem dank ihrer Geschichten zu Blockbustern.

Amerikanische Filme waren nicht mehr genug. Das waren Bilder von fremden Welten und das nigerianische, sehr authentische Kino kann sich selbst finanzieren. – Johannes Rosenstein

Nicht nur die Geschichten sind durch und durch afrikanisch, auch die Verbreitung der Filme erfolgt – anders als in westlichen Ländern – nicht in Kinos. Stattdessen werden die Filme auf VideoCDs oder DVDs gebrannt und dann für wenig Geld verkauft. Angesehen werden sie dann nicht alleine zu Hause, sondern in Kneipen oder VideoClubs, die ein paar Cent Eintritt verlangen. Dadurch spielen die Filme relativ schnell ihre geringen Kosten wieder ein.

Nollywood ist ein beispielloses Erfolgsmodell – Nigerias Filmindustrie ist mittlerweile die zweitgrößte der Welt. Sie veröffentlicht ca. zehn Filme pro Tag. In Lagos, der größten Stadt Nigerias, ist die Video-Industrie zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren geworden. Die durch und durch afrikanischen Filme zeigen aber vor allem auch, dass Afrika sich langsam aber sicher von seiner kolonialen Vergangenheit und dem Westen emanzipiert und sich selbst und seine eigene Kultur wiederentdeckt.


Ausschnitt aus „Living in Bondage“