piqd Thema | Frauen am Bauhaus

Mehr als "Kleinkunst"

31.08.2018

Marianne Brandt, Gunta Stölzl, Alma Siedhoff-Buscher und Anni Albers sind nur einige der Frauen, die am Bauhaus gelernt haben. Vor allem im Vergleich zu den männlichen Meistern bekommen die Künstlerinnen nur wenig Aufmerksamkeit. Wieso?

Im nächsten Jahr wird das legendäre Bauhaus 100 Jahre alt. Bis heute gilt Werner Gropius‘ Bauhaus als „große Idee für gemeinschaftliches, interdisziplinäres Gestalten, für die unbedingte Suche nach Utopien, Chancen und Inspirationen.“ Und bis heute begeistert das Bauhaus unzählige Menschen auf der ganzen Welt.

Die vergessenen Frauen

Christina Mohr hat auf piqd.de einen Artikel der New Yorker Kunst-Journalistin Jillian Billard kuratiert. In „The Other Art History: The forgotten women of Bauhaus“ stellt sie verschiedene Künstlerinnen der Bauhaus-Zeit vor.

Ich finde generell, dass aus vielen Kunstrichtungen die Frauen außen vor gelassen werden. […] Es wird sich dann konzentriert auf die großen männlichen Namen und die Frauen tauchen nicht auf. Und beim Bauhaus ist es tatsächlich ganz ähnlich gewesen. Das finde ich interessant und auch wichtig, dass die Frauen, um die es geht, wenn auch sehr spät, entdeckt werden können. – Christina Mohr, piqd.de

Die „Frauen-Klasse“

Walter Gropius‘ Idee einer interdisziplinären Lehre, an der alle unabhängig von Herkunft oder Geschlecht teilhaben sollten, beschreibt Jillian Billard in ihrem Artikel als sehr fortschrittlich. Aber dass sowohl Männer als auch Frauen am Bauhaus studieren durften heißt nicht, dass dort Frauen und Männer auch gleichberechtigt waren.

Den Frauen wurde schon erlaubt, dass sie sich am Handwerk beteiligen. Aber bitte doch dann schon in den für sie vorbestimmten Bereichen. […] Und dann gab es eben eine Weberei-Klasse, die ’ne Zeit lang sogar Frauen-Klasse hieß. Und eigentlich war es tatsächlich so, dass eben viele Frauen, die vielleicht auch andere Sachen machen wollten, dann erst mal so ein bisschen in die Web-Werkstatt abgeschoben wurden. – Theresia Enzensberger, Autorin des Bauhaus-Romans „Blaupause“

Anni Albers

Eine dieser Frauen war Anni Albers, die ursprünglich Malerei studieren wollte. In der Webklasse hat sie sich allerdings sehr wohl gefühlt und das Handwerk für sich entdeckt. Im Bauhaus sollte die Grenze zwischen Kunst und Handwerk aufweichen. Bis heute werden Kunst und Handwerk aber nach wie vor noch häufig getrennt betrachtet.

Die wenigen Arbeiten, die in Deutschland in Museumssammlungen sind, sind eigentlich alle in Design-Sammlungen. Aber das war für uns, sowohl für die Tate als auch für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, ein wichtiger Schritt, weil wir gesagt haben: Wir wollen sie jetzt wirklich explizit in einem Museum für moderne Kunst zeigen. – Maria Müller-Schareck, Kuratorin in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Die Anni Albers-Ausstellung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist noch bis zum 09. September 2018 in der K20 in Düsseldorf zu sehen, bevor sie dann ab Oktober in die Tate Modern in London umzieht.

detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop hat sich zusammen mit Kuratorin Maria Müller-Schareck die Ausstellung zu Anni Albers angeschaut. Außerdem hat sie mit Jillian Billard und Theresia Enzensberger über die Rolle der Frau zu Zeiten des Bauhauses gesprochen. Und darüber, was sich bis heute verändert hat.


piqd Thema ist ein Podcast von piqd.de und detektor.fm. Den Podcast abonnieren oder bei Apple PodcastsSpotifyDeezer, Google Podcasts hören.