Regierungseinfluss in Hollywood

Bestochene Blockbuster

26.07.2017

Es ist teuer, Filme zu produzieren. Besonders Kriegsfilme aus Hollywood haben oft ein hohes Budget - zu hoch für viele Produktionsfirmen. Da hilft die US-Regierung doch gerne. Aber zu welchem Preis?

Militainment

So nennt man die Unterhaltungsform, die vom Militär kontrolliert wird und die vor allem in Hollywood auftaucht. Und das ist bei weitem kein neues Business. Wenn Filmemacher für die Fimkulisse Militärausrüstung brauchen, fragen sie beim Pentagon an und bekommen diese gestellt. Im Gegenzug hat das Pentagon dann aber ein Recht auf Einblick in das Drehbuch. Und nicht nur das: Passt der Regierung die Handlung nicht, kann sie fordern, das Drehbuch zu ändern. Eigentlich logisch, sie hat ja auch dafür bezahlt.

Umso mehr sollte man Filmemacher würdigen, wenn sie dem ganz bewusst widersprechen und außerhalb des Systems produzieren. – Marcus Stiglegger, Vizepräsident der DEKRA Hochschule für Medien

Problematisch ist nur, dass es eben äußerst schwierig ist, einen Film ohne die materielle Unterstützung der Regierung zu produzieren. Schließlich kosten Waffen, Drohnen und Kampfjets ordentlich Geld. Geld, das die wenigsten Produzenten aufbringen können.

Regierungsdruck auf Hollywood

Der Vorgang an sich ist nicht neu. Die Abläufe gibt es schon seit 90 Jahren in der US-amerikanischen Filmwelt. Die Dimensionen sind aber wohl größer als bisher gedacht: Die Regierung der USA hat hinter den Kulissen von 800 größeren Filmen und über 1000 TV-Produktionen mitgewirkt.

Wer jetzt denkt, das würde nur Kriegsfilme betreffen, liegt falsch. Der Einfluss besteht auch und gerade bei Science-Fiction-Filmen wie Transformers und sogar TV-Shows wie America’s Got Talent. Denn es geht nicht nur um die direkte Darstellung der amerikanischen Regierung. Bei der Überprüfung der Drehbücher wird vor allem auf den Subtext geachtet.

Es geht darum, bestimmte kritische Tendenzen dieser Filmemacher zu beschneiden und das ist schon eine Art von Zensur. – Marcus Stiglegger

Wie groß der Einfluss tatsächlich ist, lässt sich nur schwer herausfinden. Denn die Akten mit den entsprechenden Informationen sind größtenteils geheim. Fest steht, dass die Produzenten sogenannte „Production Assistance Agreements“ unterzeichnen müssen, um die Unterstützung zu erhalten. Dieser Vertrag verpflichtet sie dazu, das militärisch bestätigte Skript zu verwenden. Das übt großen Druck auf die Filmemacher aus.

So what?

Den Wenigsten dürfte dieser starke Einfluss auf die Kinowelt bekannt sein. Denn häufig sind es Fachbücher von Wissenschaftlern, die das Thema aufgreifen und untersuchen. Ein normaler Kinobesucher hinterfragt wohl eher selten, woher der Subtext des Blockbusters kam, den er da gerade gesehen hat.

Marcus Stiglegger ist Filmwissenschaftler und Vizepräsident der DEKRA Hochschule für Medien. Er hat detektor.fm-Moderatorin Marie Landes die Verbindung zwischen amerikanischer Regierung und Hollywood genauer erklärt.

dr-marcus-stigleggerWenn man eine ideologiekritische Lesart dieser Filme unternimmt, wird man auf jeden Fall darauf kommen, dass das Hollywood-Kino in dieser Form eine Art des Propaganda-Kinos ist. Prof. Dr. Marcus Stigleggerlehrt Film an der DEKRA Hochschule für Medien in Berlin. 

 

Redaktion: Josefine Farkas, Dorothea Günther