Feminismus: Zur Repräsentation von Frauen im Film

Sehr maskuline Heldinnen

03.08.2016

Der neue Ghostbusters-Film ist ein neuer Anlass dafür, über die Repräsentation von Frauen in Filmen zu sprechen. Nach all den Jahren feministischer Diskussion: Reicht es, dass nun Frauen die Hauptrollen spielen?

Vier Frauen zerstören die Kindheit

Der dritte Ghostbusters-Film erscheint am 4. August in den deutschen Kinos und hat bereits im Vorfeld für großen Wirbel gesorgt. Der weibliche Cast sorgt bei Fans der „klassischen Besetzung“ für Anfeindungen vom Schlage „die zerstören meine Kindheit“. Auch der schlecht geschnittene Trailer ist verrissen worden.

Der Film erhält gemischte Kritiken: Einerseits wird er von Feministinnen gefeiert. Sie loben neben der weibliche Besetzung auch die Repräsentation von schwarzen, lesbischen und übergewichtigen Frauen. Andererseits meinen Kritiker, dass der Film albern sei und mit Phallus-Witzen im Stile von Adam Sandler versucht zu überzeugen.

Frauen im Film: Ghostbusters als Vorbild?

Der Reboot mit weiblichen Protagonisten scheint sowieso gerade im Trend zu sein: Gillian Anderson von der Serie „Akte X“ und die Drachenflüsterin Emilia Clarke aus „Game of Thrones“ haben die Welt vor kurzem wissen lassen, dass sie Interesse an einer Rolle als weiblicher Bond hätten. Genauso denken Hollywood-Produzenten derzeit über eine weibliche Neuverfilmung von „Ocean’s Eleven“ nach.

Die Frage ist: Ist das wirklich feministisch? Wenn Frauen im Film bedeutet, dass sie ursprünglich für Männer ausgelegte Rollen einfach nochmal spielen: besteht dann nicht die Gefahr, immer nur als „weibliche Version von XY“ angesehen zu werden? Und zuletzt: Sollte das Ganze nicht auch qualitativ wertvoll sein?

Science Fiction als Vorreiter

Dabei könnte man denken, dass die Repräsentation von Frauen doch zu Genüge in Hollywood stattfindet. Besonders im Science-Fiction-Genre wie bei der Alien-Reihe oder in Star Trek sind starke Frauenrollen recht früh dagewesen. Hier aber wurden die Hauptdarstellerinnen mit übertrieben männlichen Attributen versehen man denke da nur an Ellen Ripley, die härter als jeder Kerl blutrünstige Killeraliens reihenweise abschlachtet.

Grundsätzlich werden in den meisten Filmen Rollenklischees und die Binarität der Geschlechter immer wieder reproduziert (Judith Butler sagt hier „Amen“). Es ist also Zeit für etwas Neues. Und das scheint auch demnächst zu kommen: Nach etlichen Marvel- und DC-Verfilmungen wird nun endlich mit Wonderwoman eine weibliche Superheldin einen eigenen Film bekommen. Darauf kann man gespannt sein.

Über hypermännliche Schauspielerinnen, weibliche Repräsentation und die „Scream“-Filme hat detektor.fm-Moderatorin Jennifer Stange mit Dr. Véronique Sina von der Universität Köln gesprochen.

Portrait_Veronique Sida privatDie dominanten männlichen Züge sollen es wohl wieder ausgleichen, dass es eine Frau ist.Dr. Véronique Sinaist Koordinatorin des Studienganges „Gender und Queer Studies“ an der Universität zu Köln. 

Redaktion: Natalie Meinert