Seite 37 | Erzählendes Sachbuch

Und was hast du erlebt?

14.08.2019

"Couchsurfing im Iran" und "Eat Pray Love" haben es vorgemacht. Bücher über persönliche Erlebnisse erobern die Buchläden. Ihre Autorinnen und Autoren müssen dabei keine Promis sein, sie müssen nur eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen haben.

Das Sachbuch gilt als Gegenstück zur Belletristik. In der Belletristik werden (fiktive) Geschichten erzählt, das Sachbuch liefert Informationen. Aber wie so oft sind auch hier die Übergänge fließend. Ein „rising star“ am Buchmarkt ist das sogenannte „erzählende Sachbuch“. Darin werden außergewöhnliche Erfahrungen und Erlebnisse, persönliche Schicksale oder Einblicke in einen speziellen Alltag beschrieben. Die Geschichten sind non-fiktional, aber mit den literarischen Mitteln eines Romans gestaltet.

Das Memoir: das neue persönliche Erzählen

Es geht um wirklich Erlebtes. Oft ist der Text in Ich-Perspektive geschrieben. Persönliche Gedanken, Gefühle und Erinnerungen fließen mit ein. Es geht darum, die Leserschaft möglichst nah an sich heranzulassen. Im Unterschied zu einer Künstlerbiografie muss der Verfasser eines Memoirs nicht unbedingt prominent sein. Wichtig ist, dass die Geschichte spannend ist, die er oder sie erlebt hat.

So schreibt die Journalistin Greta Taubert in ihrem Buch „Apokalypse jetzt!“ zum Beispiel darüber, wie sie ein Jahr lang weitestgehend auf Konsum verzichtet hat. Nils Straatmann, Poetry Slammer und Theologe, berichtet in „Auf Jesu Spuren“ davon, wie er den Lebensweg des historischen Jesus nachreist. Aber natürlich dürfen Prominente auch in diesem Genre mitmischen: Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ gilt ebenfalls als Selbstfindungs-Memoir.

Wirklich so anders? Wirklich so neu?

Franziska vom Seite 37-Moderatoren-Team ist aber skeptisch. So richtig neu kommt ihr das „neue persönliche Erzählen“ nicht vor. Gerade Reiseberichte, findet sie, schließen doch schon seit eh und je persönliche Erlebnisse und Gedanken mit ein. Und Moderations-Kollege Claudius gibt „Panikherz“ von Benjamin von Stuckrad-Barre als sein Lieblingsmemoir an. Dieses Buch wird aber eher als autobiografischer Roman gelabelt. Es zeigt sich also auch hier wieder: Die Grenzen sind fließend.

Und weil sie so fließend sind, macht auch Seite 37-Redakteur Thilo Körting das thematische Fenster ganz weit auf. Er begibt sich nicht nur auf die Spuren des Memoirs, sondern befragt Buchmenschen im ganzen Sachbuchbereich. Zu welchen Erkenntnissen er dabei kommt, das erfahrt ihr im Podcast.


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