Stadtgespräch | Görlitz: Das Wunder der Altstadtmillion

Ein kleines Märchen

05.07.2017

Ein geheimer Gönner, der jedes Jahr Geld überweist. Sehr viel Geld. Das klingt nach einem unrealistischen Traum. Für die Stadt Görlitz ist dieser Traum aber Realität geworden. Einzige Bedingung: Restaurierung der Kulturdenkmäler. Dank dieser sogenannten Altstadtmillion ist Görlitz zu einer der schönsten Städte Deutschlands geworden.

Das Wunder von Görlitz

Es klingt wie eine Geschichte aus dem Märchenbuch: Eine Stadt erhält jedes Jahr eine große Summe Geld und muss dafür fast nichts tun. Dieses wahrgewordene Märchen hat die Stadt Görlitz, ganz im Osten von Sachsen, in den letzten 22 Jahren erlebt. Alles begann im Jahr 1995, als ein anonymer Spender der Stadt erstmals eine Million D-Mark überwies. Seine einzigen Forderungen für diese selbstlose Tat: die Restaurierung der Kulturdenkmäler, die Gründung einer Altstadtstiftung und vollkommenes Stillschweigen über seinen Namen. Die Görlitzer hielten sich daran und bis zur letzten Zahlung im Jahr 2016 wanderten so über elf Millionen Euro auf das Konto der Stiftung.

„Görliwood“

Das Geld floß in die Renovierung und Sanierung von über 1.000 Häusern und Kirchen in der Innenstadt. Die Stadt alleine hätte die Restaurierungen niemals stemmen können. Nun erstrahlt die Stadt Görlitz in einem neuen Glanz. Sie wird sogar als eine der schönsten Städte Deutschlands bezeichnet. Auch Hollywood hat diesen historisch-romantischen Charme entdeckt. Unzählige Filmproduktionen haben Görlitzer Schauplätze bereits als Kulisse benutzt. Filme wie „Der Vorleser“, „Inglourious Basterds“ oder „The Grand Budapest Hotel“ spielen teilweise in Görlitz. Weltweit ist die Stadt schon unter dem Spitznamen „Görliwood“ bekannt.

Weiterhin anonym

Dank des anonymen Geldgebers konnte Görlitz zu diesem Ansehen gelangen. Um ihm oder ihr gebührend zu danken, wurde vor einigen Tagen die Sonderausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“ im Kulturhistorischen Museum eröffnet. 19 Objekte verdeutlichen die Wichtigkeit der Spenden für die Stadtentwicklung. Außerdem zeigen Fotos und Videos die Verschönerung der renovierungsbedürftigen Häuser. Die Identität des offensichtlich reichen Spenders bleibt weiterhin geheim.

Wir werden uns auch nicht bemühen, aus Dankbarkeit dort Recherchen zu machen, sondern wir danken über eine Ausstellung, über ein Buch, was noch in diesem Jahr veröffentlicht wird. Damit zeigen wir die Dankbarkeit der Stadt und freuen uns einfach über das Märchen oder Wunder. – Siegfried Deinege

Der Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Siegfried Deinege, hat mit detektor.fm-Moderator Lucas Kreling über die Spenden und die Stadtentwicklung gesprochen.

GörlitzGenau diese Altstadtmillion, wie wir sie betitelt haben, die hat geholfen, den Ruf zu verbreitern, die hat Investoren angelockt.Siegfried Deinegeist der Meinung, dass die anonymen Spenden der Stadt Görlitz sehr geholfen haben. 

Redaktion: Josefine Farkas


Die Ausstellung „Das Wunder der Görlitzer Altstadtmillion“ ist noch bis zum 31. Oktober 2017 im Kulturhistorischen Museum Görlitz zu sehen.