Stadtgespräch | Köln: Stau beim Rosenmontagszug

Was sagt der Stauforscher?

04.07.2018

Der Rosenmontagszug in Köln ist das Highlight der Karnevalssaison und zieht hunderte Jecke an. Doch wer schon dort war weiß, flüssig fließt der Verkehr nicht. Wissenschaftler haben nun die Gründe dafür erforscht.

Längster Rosenmontagszug Deutschlands

Der Kölner Rosenmontagszug ist nicht nur ein riesiges Spektakel für Jecke, Faschingsnarren und zahlreiche Besucher aus aller Welt. Er ist auch der längste Karnevalsumzug in Deutschland. Denn auf ungefähr 7,5 Kilometern Länge zeigen bunt kostümierte Fußgruppen, Musikkapellen und Traditionskorps ihre prachtvollen Uniformen und Festwagen. Das Ganze dauert dann um die dreieinhalb Stunden. Doch aufgrund der enormen Länge entstehen immer wieder Unterbrechungen im Umzug, die von vielen als störend wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist die verspätete Ankunft des Karnevalsprinzen im Dunkeln.

Der Zug ist insgesamt 9,5 Kilometer lang aufgestellt. Das heißt, wenn der erste Wagen vorne am Ziel ankommt, ist der Prinz am Ende noch gar nicht unterwegs. – Michael Schreckenberg, Professor an der Universität Duisburg-Essen

Zum Vergleich: Der Mainzer Rosenmontagszug ist mit einer Streckenlänge von 7,2 Kilometern etwas kürzer. Auch das Düsseldorfer Pendant ist mit sechs Kilometer Gesamtlänge wesentlich kleiner.

Das Phänomen Ziehharmonika

Die Studie der Universität Duisburg-Essen hat nun erforscht warum und weshalb die Unterbrechungen zu Stande kommen. Zentrale Frage dabei war, warum die ersten Teilnehmer des Zuges rund eine Stunde länger für den Weg brauchen, als der Prinz, der den Zug abschließt. Die Wissenschaftler nennen das den Ziehharmonika-Effekt. Der macht den gesamten Umzug in seiner Bewegung unharmonisch.

Der Ziehharmonika-Effekt besteht darin, dass sich der Zug zusammenzieht. Die Gruppen rücken immer enger zusammen. Nach dem Motto: Lücke schließen. Man steht dann da und tanzt und jubelt. Die Gruppe weiter vorne ist dann weg und dann wird Gas gegeben um aufzuschließen. – Michael Schreckenberg

Die Erkenntnisse der Studie werden laut Schreckenberg auf andere Umzüge ausgeweitet, um festzustellen, ob es sich um ein flächendeckendes Phänomen handelt. So wird derzeit in einer Doktorarbeit dazu auch der Karneval in Rio de Janeiro und die Steuben Parade in New York erforscht.

detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle hat mit Professor Michael Schreckenberg über den Ziehharmonika-Effekt und Unregelmäßigkeiten beim Kölner Rosenmontagszug gesprochen. Er ist Physiker und Stauforscher an der Universität Duisburg-Essen.

Wir untersuchen alle Systeme, die fließen im besten Sinne. Das heißt, wo viele ähnlich geartete Objekte sich entlang einer Strecke bewegen. Das kann das Datenpacket im Internet, der Autofahrer auf der Straße, der Fußgänger sein, aber eben auch der Teilnehmer beim Karnvalsumzugs. Und die Frage beim Kölner Karneval war eine sehr interessante Fragestellung.Prof. Dr. Michael Schreckenbergkennt sich besser mit dem Rosenmontagszug aus als mancher Kölner. 

Redaktion: Lina Bartnik