Studie zu Satire im TV

Der "pseudo-kritische" Böhmermann

26.01.2018

Sie polarisieren, provozieren und schießen manchmal über das Ziel hinaus – Satiresendungen im deutschen Fernsehen. Zwei Sozialwissenschaftler haben sich das Feld jetzt genauer angeschaut. Was lernen wir daraus?

Satire-Sendungen im Vergleich

Es sind die großen Satire-Sendungen im deutschen Fernsehen: Die Anstalt, das Neo Magazin Royal und die heute-Show. Und alle drei stacheln die Zuschauer auf ihre ganz eigene Art an. Doch worin unterscheidet sich eigentlich Die Anstalt vom Neo Magazin Royal? Oder erzählen Jan Böhmermann und Oli Welke nicht eigentlich das Gleiche?

Das haben sich auch die Sozialwissenschaftler Cordula Nitsch und Dennis Lichtenstein gefragt und dafür 154 Sendungen mit mehr als 1.600 Beiträgen untersucht und ausgewertet.

Vor allem die heute-Show hat uns überrascht. Denn sie hat hinsichtlich des Politik-Gehalts tatsächlich noch mehr Gewicht als Die Anstalt. – Dennis Lichtenstein, hat Deutschlands bekannteste Satiresendungen wissenschaftlich untersucht

Pseudo-Kritik im Neo Magazin Royal

Die Wissenschaftler haben die Satiresendungen unter dem Aspekt ihres politischen Einflusses untersucht. Dabei haben sie herausgefunden, dass das Neo Magazin Royal eher mit „pseudo-kritischer“ Satire auffällt. Denn das Format von Jan Böhmermann liefert im Vergleich zu den beiden anderen Sendungen weniger politische Themen. Außerdem ist der  politische Kontext nicht so klar umrissen, wie beispielsweise bei der Anstalt.  Auch deshalb verorten die Sozialwissenschaftler Die Anstalt im Feld der „produktiven“ Satire.

Warum das Neo Magazin Royal dennoch nicht die schlechtere Sendung ist, hat der Mitautor der Studie, Dennis Lichtenstein, im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Isabel Woop berichtet.

Satire-SendungenIn unserer Studie geht es nicht darum, die Qualität von Satiresendungen zu messen oder die Lustigkeit von Witzen über Mittelwerte zu erheben.Dennis Lichtensteinhat gemeinsam mit seiner Kollegin Cordula Nitsch Satiresendungen wissenschaftlich untersucht. 

Redaktion: Philipp Weimar