Super 8 | Regisseur Andreas Dresen im Gespräch

"Als wir träumten": Ein Gespräch über Anarchie und eine Jugend in der DDR

28.02.2015

"Als wir träumten" von Clemens Meyer war ein Bestseller. Der Stoff über eine Jugend in der DDR reizte auch Andreas Dresen. Seit dieser Woche nun läuft Dresens Verfilmung des Romans in den Kinos. Was der Regisseur am Buch so spannend fand, und wie er es in das Medium Film übersetzt hat, erklärt er unserem Kinoredakteur Andreas Kötzing.

Eine Jugend in der Wendezeit der DDR

Clemens Meyer beschreibt in seinem Bestseller-Roman die wilden Phasen einer Jugend in der Wendezeit der DDR. Diese Umbruchphase war es, die Regisseur Andreas Dresen besonders reizte. Denn auch er ist in Ostdeutschland aufgewachsen, kennt aus eigener Erfahrung das Bertolt-Brecht-Bildnis im Klassenzimmer.

Auch wenn das Setting ein spezielles Kapitel der deutschen Geschichte aufgreift und dadurch auch erst viele Eskapaden der Jungsgruppe um den Hauptcharakter Dani möglich macht: sie bleibt doch nur der Rahmen einer größeren Geschichte. Einer über Freundschaft und das Erwachsenwerden.

Letzendlich wird jeder erwachsen, in irgendeiner Form. Man geht den Weg vom Kind zum Mann, in dem Fall, in dieser Jungsgruppe. Und macht seine Erfahrung, was Anpassung betrifft. Man muss mehr und mehr adaptieren an die bürgerliche Welt. Davon handelt Clemens Roman im übertragenen Sinne auch.  – Andreas Dresen

Die Hauptcharaktere der Geschichte driften in der Orientierungslosigkeit dieses Umbruches ab. Sie machen Party, knacken Autos, gründen ihren eigenen Club abseits jeglicher Normen und versuchen das Hier und Jetzt vollkommen zu erleben. Mitgefühl mit solchen vermeintlichen Halbstarken scheint da erst schwer zu fallen, nicht jedoch für Andreas Dresen:

Es gibt immer wieder starke Momente auch von Fürsorge, wo man sich fragt, warum machen diese Jungs das eigentlich? Die machen es eben weil es ihnen nicht egal ist. Weil es da auch ganz viel Wärme und Menschlichkeit gibt und dafür find ich kann man sie auch ganz gern haben. – Andreas Dresen

Die Sprache übertragen

Einen Roman zu verfilmen ist selten einfach – und oft genug schiefgegangen. Die Vorlage von Clemens Meyer zeichnet sich dann auch noch durch eine abgehackte und raue Sprache aus. Sprünge, die filmisch eher schwierig umzusetzen sind.

Unser Hauptziel war es, den Herzschlag dieses Buches rüberzuretten. (…) Dieses wilde, ungestüme Temperament. Dieses Raue, Böse, auf der anderen Seite Zärtliche, Liebevolle, was der Roman hat. Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, so eine ordentliche historisierende Literaturverfilmung abzuliefern. – Andreas Dresen

Der Film, der auf der Berlinale dieses Jahr Premiere feierte, kommt nun auch in die deutschen Kinos. Unser Kinoredakteur Andreas Kötzing hat Andreas Dresen darum ins Studio eingeladen – und mit ihm über die Motivation des Filmemachens und die Jugend in der DDR  gesprochen.

Redaktion: Natalie Schorr