Trash und Kunst

Das ist doch keine Kunst...

23.01.2018

Müll stinkt, ist dreckig, alt oder kaputt. Kunst hingegen erschafft Neues und verfolgt dazu meist einen ästhetischen Anspruch. Trotz dieser Gegensätze arbeiten Künstler mit Müll. Und verändern dabei seine Bedeutung.

Verdrängte Materie

Mehrere Milliarden Tonnen Abfall haben sich weltweit angesammelt. Damit ist Müll nicht nur eine wichtige Größe für die Wirtschaft und ein ökologisches Problem, sondern er formt ganze Landschaften. Und doch bleibt Müll, in der Flut täglich neuer Konsumgüter, vergleichsweise unbeachtet. Eine Lücke, welche die Kunst bereitwillig füllt.

Das ist natürlich interessant für die Kunst. Also genauso an die Ränder zu gehen und Sachen, die also vermeintlich nutzlos sind, nicht rein, nicht sauber, die man unter den Teppich kehren will, wieder an die Oberfläche zu holen.  – Yvonne Volkart, freie Autorin, Kuratorin und Dozentin

„Von Trash zu Waste“

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten Künstler wie Picasso kleine Gegenstände in ihre Werke mit ein, um damit die Trennung von Kunst und Alltag aufzulösen. Später verwendeten Künstler Müll unter anderem in dadaistischen Werken.  Mit dem Wirtschaftswachstum der 50er Jahre schließlich nahm die Abfallproduktion ungeahnte Ausmaße an. Die Künstler nutzten die neuen verfügbaren Materialien, arbeiteten das Müllwachstum aber auch kritisch auf.

Inzwischen hat sich der Diskurs weiter verändert. Ging es noch vor ein paar Jahren bei der Arbeit mit Müll vor allem um eine Konsumkritik und Recycling, steht inzwischen vermehrt die besondere Materialität und der Umstand des Nicht-Gesehen-Werdens von Abfällen im Fokus.

Über den Bedeutungswandel von Müll in der Kunst in den letzten Jahren und die gesellschaftliche Dimension dahinter, hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit Yvonne Volkart gesprochen. Sie ist freie Autorin, Kuratorin und Dozentin. Ihr Aufsatz „Von Trash zu Waste“ erschien in Texte zur Kunst, Heft Nr. 108.

f_fullwidthtopMan merkt, dass es nicht mehr nur um die Konsumbegierden geht, sondern [..] ein großer Teil von aktueller Kunst ist, dass sie anfängt sichtbar zu machen, dass wir Dinge anhäufen.Yvonne Volkertist freie Autorin und Kuratorin.