Umstrittenes Gedenken – aus Wolgograd wird wieder Stalingrad

01.02.2013

42 Jahre nach der Umbenennung Stalingrads darf die Stadt wieder diesen Namen tragen. Zumindest für ein paar Tage. Anlass sind die Gedenkfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Sieges über die deutschen Truppen. Historiker sind entsetzt.

Die Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd erinnert an die Schlacht von Stalingrad. Foto: © Martha de Jong-Lantink / flickr.com

70 Jahre ist es her, da wurden die deutschen Truppen von der Roten Armee in Stalingrad geschlagen. Viele Historiker bezeichnen die Schlacht als Wendepunkt im zweiten Weltkrieg.

Aufwendiges Gedenken

Russland will am 70. Jahrestag mit aufwendigen Feiern der Schlacht gedenken. Und feiert nicht nur den Sieg der sowjetischen Truppen, sondern auch Stalin als Befehlshaber. Seine Verbrechen an der eigenen Bevölkerung werden während den Feierlichkeiten scheinbar nicht thematisiert.

Gedenkaktionen umstritten

Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität in Berlin.Jörg BaberowskiProfessor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität in Berlin. 

Die Stadt Wolgograd soll nun für ein paar Tage wieder Stalingrad genannt werden. Dies hatten Veteranen bei der Stadt beantragt. Auch Nahverkehrsbusse in St. Petersburg und dem ostsibirische Tschita sollen mit Stalins Portrait durch die Stadt fahren. Historiker und Menschenrechtler kritisieren Aktionen wie diese scharf und erinnern an Stalins Verbrechen.

Über den neuen alten Stadtnamen und den Umgang Russlands mit der stalinistischen Vergangenheit haben wir mit Jörg Baberowski gesprochen. Er ist Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität in Berlin.