Vertragsstreit zwischen Kinos und Walt Disney

"Mini-David gegen globalen Goliath"

18.11.2015

Seit zehn Jahren warten die Star Wars Fans. Jetzt ist es aus Sicht der Fans bald soweit: In knapp einem Monat startet der neue Film "Das Erwachen der Macht" in den Kinos. Doch trotz des riesigen Hypes um den Film, werden ihn wohl einige Kinos in Deutschland nicht zeigen. Der Grund: Unstimmigkeiten mit dem Filmverleiher Walt Disney.

 detektor.fm sammelt für eine neue Vormittagssendung


In den letzten Jahren ist es im Star Wars Universum eher still gewesen. Doch seit der offizielle Starttermin des neuen Star Wars-Filmes „Das Erwachen der Macht“ bekannt ist, kennt der Hype keine Grenzen. Bei Disney hat man schon Angst vor zu viel früher Aufmerksamkeit.

Star Wars erstmals in Disney-Manier

Es ist die erste Episode, die nicht von „Lucasfilm“ produziert worden ist. Bereits im Oktober 2012 hatte der Star Wars-Schöpfer und Regisseur der bisherigen sechs Filme George Lucas die Firma „Lucasfilm“ und somit die Rechte an den weiteren Star Wars-Filmen an Walt Disney verkauft.

Schon damals ist der Verkauf von Fans und Beobachtern sowohl gespannt als auch kritisch beäugt worden. Doch vor allem für Kinobetreiber hat sich durch die Übernahme von Disney einiges geändert.

Protest gegen Verleihbedingungen

Im Detail geht es dabei um neue, härtere Verleihbedingungen, die der US-Konzern Kinobetreibern in Deutschland diktiert. Schon seit dem Frühjahr verlangt Disney demnach von den Kinobetreibern als Miete rund 53 Prozent der Ticketeinahmen.

Für die Kinos bedeutet das, dass sie pro Ticket zehn Prozent mehr an Filmmiete zahlen sollen. – Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater

Hauptkritikpunkt an dem neuen Konzept: Der Prozentsatz richtet sich nicht mehr nach der Größe des Kinos, sondern wird pauschal abgerechnet. Als Reaktion boykottierten bereits im April rund 200 Kinos den Disney Film „Avengers – Age of Ultron“.

Kleinere Kinos in Existenzkrise?

Besonders kleinere und ländliche Kinos stehen durch die neue vertragliche Regelung mit Disney vor einem existenzgefährdeten Dilemma.

Dort war es über viele Jahre und Jahrzehnte Konsens, dass die Kinos auf Grund ihrer besonderen Struktur und ihrer schwierigeren wirtschaftlichen Lage einen anderen Film-Mieteinsatz bekommen haben als in den Städten.- Christian Bräuer

Neben dem Anstieg an Filmmieten, kritisieren die Kinobetreiber auch die sogenannte Verlängerungsklausel. Diese verpflichtet die Kinos über eine bestimmte Anzahl von Wochen einen Film exklusiv auf einer Leinwand zu zeigen. Inzwischen haben bereits 60 deutsche Kinos angekündigt, den Boykott gegen Disney auch bei Star Wars aufrecht zu erhalten.

Über den Vertragsstreit zwischen Kinobetreibern und Walt Disney sowie die existentielle Bedrohung, die dadurch für bestimmte Kinos besteht, hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Christian Bräuer Vorstandsvorsitzender der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater gesprochen.

Thomas SpikermannEigentlich müssten die Filmmieten eher sinken, zumindest sollten sie nicht steigen und schon gar nicht in dem Maße in dem es dort jetzt passiert.Christian Bräuerversteht den Boykott gegen Disney. 

Redaktion: Mirjam Ratmann